Elektronische Musik

Aufbau auf Hochtouren: Noch zwei Tage bis zum Kamehameha

Autor: 
Dominik Kaltenbrunn
Lesezeit 6 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
13. Juni 2019
Video starten
Bildergalerie ansehen

Am Dienstagnachmittag wurden die Grundgerüste der drei Bühnen des Kamehameha-Festivals errichtet. ©Ulrich Marx

Übermorgen findet das Kamehameha-Festival mit elektronischer Musik in Offenburg statt. Unser Autor hat sich die Aufbauarbeiten angeschaut – und erfahren, wie die DJs trotz tanzender Fans auf der Bühne in Ruhe arbeiten können.
 

Auf dem Offenburger Flugplatz geht es dieser Tage sehr umtriebig zu: Lkw mit Anhängern rollen auf das Gelände, beladene Gabel- und Teleskopstapler fahren umher, Arbeiter rufen sich Befehle zu oder sprechen in ihre Funkgeräte, Hammerschläge tönen zum lauten Warn-Piepsen rückwärtsfahrender Fahrzeuge über das Gelände. Die Aufbauarbeiten für die sechste Ausgabe des Kamehameha-Festivals sind momentan in vollem Gange.

Wo am Dienstagnachmittag auf grüner Wiese noch die Grundgerüste der Bühnen im Entstehen waren, werden schon übermorgen tausende Fans der elektronischen Musik auf dem dann aufwendig dekorierten Areal tanzen.
Auch dieses Jahr wird es wieder drei Bühnen geben. Die Dschungelbühne im »schäbig-schicken Vintage-Look« und die Holzbühne unter freiem Himmel, dazu die Zirkusbühne in einem riesigen Vier-Mast-Zelt, wie Jennifer Laing berichtet. Sie betreut bei der Taktgeber GmbH, dem Festival-Veranstalter, den Bereich Produktion und Dekoration. »Die Holzbühne haben wir im Vergleich mit den letzten Jahren vergrößert«, sagt sie. Beim Rundgang ist von Holz noch nichts zu sehen – Handwerker montieren gerade das Grundgerüst aus einzelnen Bühnenteilen zusammen. »Die Holzdekorationen kommen danach dazu«, sagt Laing. Im Gras vor der Bühne liegt aber schon das mehrere Meter breite Erkennungsschild. Auf eine dunklere Holzplatte sind aus hellerem Holz gesägte Buchstaben gehämmert worden, die zusammen das Wort »Holzbühne« ergeben.

Extra Bühnenplatte für den DJ

Auch bei der Dschungelbühne, etwas weiter nördlich auf dem Festival-Areal gelegen, sind Arbeiter gerade dabei, aus Metallstangen Gerüsttürme etwa für die Aufhängung der Lautsprecher aufzubauen. Dazu müssen sie schwindelfrei sein. Einige Männer sitzen oder stehen in luftiger Höhe auf den Stangen, während sie das »Rigging« ausführen, wie der Fachbegeriff aus der Veranstaltungstechnik für das Aufhängen von Lasten lautet. Dabei sehen sie aus wie Kletterer: An ihren Gürteln baumeln Karabiner in verschiedenen Größen und Farben, mit Seilen sichern sie sich vor Stürzen ab.
Neben der Dschungel-Hauptbühne sind hinter Stapeln mit Absperrgittern, Holzpaletten oder Metallstangen  schon die »Sidewings« zu sehen, also seitliche Bühnenanbauten. Nur die  Sicherheitsgeländer fehlen daran noch. »VIP-Gäste können auf diesen eigenen Bühnenabschnitten direkt beim DJ tanzen«, erklärt Laing. Andere Bühnenplatten sind speziell für die Tontechnik aufgebaut. Wichtig ist, dass auch dort, wo am Samstag die DJs auflegen werden, eine separate Bodenplatte eingebaut wird. »Wenn Dutzende Fans um den DJ herum auf der Bühne tanzen, bringt das den Boden zum Vibrieren. Das stört den DJ bei der Arbeit. Um solche Vibrationen beim DJ-Pult zu verhindern, wird für die Künstler eine eigene Bühnenplatte eingebaut«, erklärt die 29-Jährige.

Eine originale Zirkustribüne

Ein Blickfang ist schon jetzt das weiß-beige Zirkuszelt, das 45 mal 45 Meter misst. Es ist an vier Masten aufgehängt, deren blaue Spitzen wie Türmchen auf den vier Kuppeln des Zelts thronen. »Vergangenen Freitag ging es hier auf dem Flugplatz mit dem Stellen des Zelts mit den Aufbauarbeiten los, ab Pfingstmontag wurde die erste Bühne errichtet«, blickt Laing zurück. »Die Dekoration folgt dann ab Donnerstag.« Verschiedene handwerkliche oder bautechnische Dienstleistungen werden gerade im Zelt ausgeführt. Zeltbauer ziehen die Außenplane abschnittsweise bis auf den Boden hinab, dafür benutzen sie auch eine Hebebühne. An der nördlichen Innenseite wird gerade die Bühne für den DJ installiert und gegenüber die Zuschauertribüne errichtet. »Diese Tribüne ist ein Original aus einem Zirkus. Wir haben sie uns für das Kamehameha ausgeliehen«, so Laing.
Auf etwa 50 Leute schätzt sie die Zahl der Arbeiter, die am Dienstag auf dem Flugplatz im Einsatz sind. »Die Zahl schwankt aber stark je nach Dienstleistern, die vor Ort sind.«

- Anzeige -

Mit Spaß an der Arbeit

Während des Rundgangs werden unter anderem auch Stromkabel verlegt. »Auf dem Flugplatz ist keine Infrastruktur für die Elektronik vorhanden. Daher müssen die Kabel etwa zu den Kühlungen der Getränkestände oder den DJ-Stationen verlegt werden«, berichtet die 29-Jährige. Die Arbeiter scheinen Spaß an ihren Tätigkeiten zu haben. Zwei junge Männer laufen in einer Pause tänzelnd zu Hintergrundmusik über den Flugplatz, die Stimmung ist gut.
Im vergangenen Jahr profitierten die Organisatoren von herrlichem Wetter und Sonnenschein von morgens bis abends. Das Kamehameha war damals mit 8000 Feiernden ausverkauft. Anfang dieser Woche war das Wetter noch grautrüb, beim Rundgang hängt der Nebel tief in den nahen Schwarzwaldbergen. Das macht Laing aber keine Sorgen: »Es wird gutes Wetter geben, wir haben es schon bestellt«, sagt die 29-Jährige voller Überzeugung und lacht.

Wassertanks zur Stabilisierung

Von 10 bis 22.30 Uhr wird die Party übermorgen ihre Tore öffnen. Die angrenzenden Wohngebiete werden davon wenig mitbekommen: »Alle Bühnen sind extra so ausgerichtet, dass kein Schall in die Wohngebiete dringt«, sagt Laing.
Entlang des Wegs stehen immer wieder große Wassertanks. Die sind aber nicht für durstige Elektromusik-Fans gedacht, sondern zur Stabilisierung der Bühnen. »Diese Tanks dienen der Ballastierung. Das ist nötig, wenn viele Leute auf der Bühne mitfeiern und tanzen«, sagt Laing. Um die Feierwütigen zu versorgen, gibt es einen anderen Wasservorrat. Vier Lkw mit Anhängern biegen gerade in den Anlieferungsbereich ein. Kurze Zeit später stehen mehrere Meter hohe Türme mit Wasserkisten neben den Fahrzeugen. »Die werden hier zwischengelagert, um sie dann passend auf die Getränkestände zu verteilen«, sagt die 29-Jährige. »Einige Bierfässer und  Wein sind auch schon da«, berichtet sie. 

Passende Deko

Wo am Samstag 14 Caterer hungrige Festival-Gäste versorgen werden, liegt jetzt noch eine verlassene Wiese. Im Gebüsch zur angrenzenden Straße »Am Flugplatz« zwitschern Vögel. »Wir legen großen Wert auf schicke Essensstände. Das sollen keine typischen Buden werden, sondern Food-Trucks, die Spezialitäten aus der ganzen Welt ansprechend präsentieren«, so Laing. Von Vegetariern bis zu Fleischliebhabern: Für alle wird etwas dabei sein, kündigt sie an.
In einer Ecke des Anlieferungsbereichs arbeitet eine Künstlerin gerade an einem Reifenstapel zur Dekoration. Mit einem Pinsel streicht sie die Reifen blau-weiß. Passend zum Veranstaltungsgelände wird es etwa einen verzierten Flieger geben, im »Chill-Out-Bereich« werden Bali-Betten stehen, verrät Laing einige Details zur Dekoration des Festivals vorab.
 

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Die Ladesäulen für E-Autos im Ortenaukreis werden unterschiedlich stark nachgefragt. Am beliebtesten sind laut Betreibern Standorte in Innenstadtnähe. Die meisten Ladevorgänge finden aber zu Hause oder bei der Arbeitsstelle statt.
vor 2 Stunden
Geladen wird meist zu Hause
Abgesehen vom E-Werk Mittelbaden halten sich die in der Ortenau ansässigen Energieversorger mit dem weiteren Ausbau von Ladesäulen für Elektroautos zurück. Deren Verbreitung nimmt zwar zu, ist allerdings im Vergleich mit Fahrzeugen mit Verbrennermotor noch verschwindend gering.
Gelb wie die Sonne: Das Johanniskraut hilft gegen Depressionen.
vor 15 Stunden
Kräuter der Region
Johanniskraut steht für die warme Jahreszeit und die Kraft der Sonne. Als natürliches Antidepressivum ist es auch in der Schulmedizin bekannt. Kräuterexpertin Brigitte Walde-Frankenberger erklärt in der Serie »Kräuter der Region« alles über die Heilpflanze.
Erwin Junker sieht wirtschaftlich schlechte Zeiten auf sich zukommen.
vor 16 Stunden
Tschechien billiger als Nordrach
Die Erwin-Junker-Maschinenfabrik mit Sitz in Nordrach blickt wirtschaftlich schwierigen Zeiten entgegen. Das geht aus einem zweiseitigen Aushang hervor, mit dem sich der Fabrikant an seine Mitarbeiter wendet und der der Mittelbadischen Presse vorliegt.
vor 17 Stunden
Ortenau
Die Bundesregierung will mehr Elektro-Autos auf deusche Straßen bringen. Im Juli 2019 ist eine neue Richtlinie zu deren Förderung in Kraft getreten. So soll die Schadstoffbelastung der Luft gesenkt werden und die Nachfrage nach umweltschonenden Fahrzeugen steigen. In der Ortenau gibt es einige...
vor 17 Stunden
Zeugen gesucht
Er soll mehrere Autofahrer auf der A5 zwischen Lahr und Offenburg genötigt haben und mindestens einen anderen Verkehrsteilnehmer mit seinem Auto berührt haben. Deswegen ist die Polizei nun auf der Suche nach einem Passat-Fahrer, der am Montagnachmittag mehrere Autofahrer in genötigt haben soll.
vor 20 Stunden
Ortenau
Erst trank er zu viel Alkohol, dann stahl er ein Auto und letztlich baute er einen Unfall - ein 32-Jähriger aus Lahr hat am Montagnachmittag jede Menge Chaos in der Dreyspringstraße verursacht.
vor 22 Stunden
Nordrach
Das Nordracher Freibad schließt am 15. September für dieses Jahr, die Badesaison ist damit allerdings noch nicht ganz vorbei. Am Dienstag, 17. September, bietet Nordrach von 16 Uhr bis 19 Uhr seinen ersten »Hundebadetag« im Nordracher Schwimmbad an. Und der ist – wie der Name schon sagt – nur für...
vor 23 Stunden
Konservativer Flügel der CDU
Dieter W. Schleier aus Ringsheim ist der erste Vorsitzende des Regionalverbands Südlicher Oberrhein der Werte-Union. Er will eine Abkehr vom Kurs von Angela Merkel. 
17.09.2019
Offenburg
Die Technischen Betriebe Offenburg haben seit dem Sommer drei Fahrzeuge im Einsatz, die mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet sind. Dadurch sollen Unfälle vermieden werden – die Technik soll vor allem Radfahrer schützen.
Vorstandsvorsitzender Wendelin Obrecht (links) und der geschäftsführende Vorsitzende Marcelino Expósito des OGM reagieren mit der Schließung der Annahmestelle auf den Strukturwandel in der Branche.
17.09.2019
Von Kappelrodeck bis Nußbach
Auf die Obsterzeuger im Rench- und Achertal kommen Veränderungen zu. Am Montag kündigte der Obstgroßmarkt Mittelbaden an, neun von zwölf Sammelstellen zu schließen. Das dürfte für die Obstregion nicht ohne Folgen bleiben.
Dieser Igel hatte sich in einem Sichtschutznetz verfangen und wäre fast darin verendet. Nun macht sich die Offenburgerin, die den Igel gesund gepflegt hat, dafür stark, dass solche Netze aus Gärten verschwinden.
17.09.2019
Appell an Gartenbesitzer
Aufmerksamen Passanten und Elisabeth Müller verdankt ein Igel sein Leben. Er hatte sich in einem Sichtschutznetz verfangen – eine tödliche Falle, wie Müller meint. Die Offenburgerin will nun dafür sensibilisieren, dass derartige Netze aus den Gärten der Ortenau verschwinden.
Die Außenstelle des Ortenau-Klinikums in Kehl soll nach Agenda 2030 geschlossen werden.
17.09.2019
Klinikreform
Der Landkreis weist im Zusammenhang mit der Agenda 2030 auf höhere Anforderungen an die Gesundheitsleistungen in Zukunft hin. Ulrich Geiger, der Vorsitzende der Kreisärzteschaft, hat darüber mit niedergelassene Ärzten aus der Ortenau gesprochen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -