Benefizaktion der Mittelbadischen Presse

"Aufschrei": Das ist beim Erstkontakt mit Opfern von Gewalt wichtig

Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 4 Minuten
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11. November 2023
"Guten Tag, hier ist der 'Aufschrei", Verein gegen sexuelle Gewalt in der Ortenau": Brigitte Ehret managt die Geschäftsstelle und ist für viele Betroffene oder solche, die Verdacht geschöpft haben, die erste Anlaufstation.

"Guten Tag, hier ist der 'Aufschrei", Verein gegen sexuelle Gewalt in der Ortenau": Brigitte Ehret managt die Geschäftsstelle und ist für viele Betroffene oder solche, die Verdacht geschöpft haben, die erste Anlaufstation. ©Stephan Hund

Brigitte Ehret ist der erste Kontakt für Betroffene beim "Aufschrei". Der Ortenauer Verein gegen sexuelle Gewalt benötigt dringend Geld und steht deshalb im Mittelpunkt der Aktion "Leser helfen".

"Ich weiß nicht, ob ich bei Ihnen richtig bin?" - so lautet oft die erste Frage, wenn Brigitte Ehret den Telefonhörer abnimmt. Bei ihr im Sektretariat der Geschäftsstelle von "Aufschrei", dem Ortenauer Verein gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Erwachsenen in Offenburg laufen alle Fäden zusammen. Die Verwaltungskraft ist das Bindeglied zwischen Fachteam und Vorstand. Und sie hat auch den ersten Kontakt mit Betroffenen und Klienten und Ratsuchenden.

Die Signale, wenn ein Anrufer in einer Notsituation ist, erkennt Brigitte Ehret sofort. Viel Sensibilität ist dann gefragt, wenn sie im weiteren Verlauf des Gesprächs den Grund des Anrufs wissen möchte. Gleichzeitig ist sie aber auch die Schnittstelle, um dem Fachteam wichtige Details vom Anrufenden weiterzugeben. Deshalb fragt Brigitte Ehret nach Eckdaten, wann das Ereignis war, ob Anzeige erstattet wurde, ob die betroffene Person sich zur Spurensicherung meldete. Zudem kommt ihre Frage auf, ob die Beratung bei einer weiblichen oder männlichen Fachkraft erfolgen kann.

Anfangsverdacht

Es sind nicht nur die Betroffenen selbst, die sich bei "Aufschrei" melden. Eltern, pädagogische Kräfte, Privatpersonen, die einen Verdacht äußern. "Wir beraten auch eine große Gruppe an Menschen aus dem Umfeld Betroffener, die bei uns nach Rat fragt, sowie pädagogische Fachkräfte aus Kitas, Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen und Institutionen, die wir informieren und schulen".

"Da Berater und Beraterinnen meist selbst in Beratungsgesprächen oder externen Terminen sind, kann ein telefonischer Beratungstermin nicht gleich erfolgen", erklärt Ehret. Das Fachteam berät zwei Mal pro Woche, die Anfrage wird dabei einem Berater zugeteilt. Dieser nehme dann den Kontakt mit dem Betroffenen auf. "Sobald der Erstkontakt von mir aufgenommen wurde, steuern Fachberaterin oder Fachberater den weiteren Verlauf", berichtet sie. Ob es bei einem Gespräch bleibt oder mehrere und wie viele stattfinden, ergebe sich dabei ganz individuell.

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Zusätzlich zur Verwaltungskraft sind vier sozialpädagogische Fachkräfte mit unterschiedlichen therapeutischen Zusatzqualifikationen und Arbeitsschwerpunkten bei "Aufschrei" beschäftigt. "Aufschrei" hat ein breites Spektrum, wie beispielsweise Trauma-Folgen, Sexualpädagogik, sexuelle Bildung, Psychosoziale Prozessbegleitung, Präventionsprojekte für Kinder an Grundschulen oder für weiterführende Schulen wie auch Fortbildungen von pädagogischen Fachkräften.

Wenn Brigitte Ehret auch sehr darauf achtet, beim Erstkontakt nicht tiefgründigere Fragen zum Grund des Anrufs zu stellen, sondern nur, um dem Fachteam die wichtigsten Daten zu geben, geht ihr der eine oder andere Fall dennoch nahe. "Im Fachteam kann ich mir dann Unterstützung holen", ist die 60-Jährige dankbar. Auch die Anfragen, wenn es um Prävention oder Fortbildung geht, erreichen zuerst Brigitte Ehret. Das Thema wird besprochen, die zeitliche Vorstellung abgestimmt. Hier wird ebenso im Fachteam geklärt, wer dieses Projekt und somit die Feinabstimmung wie Termin, besondere Themeninhalte und Methodenvermittlung, übernimmt. 

Neben den Erstkontakten mit Personen aus der ganzen Ortenau und "Scharnierfunktion" zwischen Vorstand und Fachteam, gehören zu ihren Aufgaben die Überwachung des Finanzstatus vom Verein, Spendenabwicklungen, Bußgeldzahlungen, Mitglieder- und Personalverwaltung, Gehaltsauszahlungen und das Vorbereiten der Finanzbuchhaltung. 

Finanzierungslücke

"Es wird keine Beratungsgebühr erhoben", betont die Sekretärin. Durch eigene Projekte wie Präventionsveranstaltungen, Fortbildungen oder Fachtage entstehen jedoch Gebühren, um das Budget ausgleichen zu können. "Ein Teil unseres Haushalts ist nicht komplett durch öffentliche Zuschüsse abgedeckt, die Spendensituation ist variabel", erklärt Brigitte Ehret. Aufgrund eines großen Beratungsstaus ist die Finanzierungslücke jedoch beträchtlich.

Deshalb zeigt sie sich auch dankbar, im Mittelpunkt der Benefizaktion "Leser helfen" der Mittelbadischen Presse zu stehen. Mit den Spendengeldern will der gemeinnützige Ortenauer Verein "Aufschrei" seine Beratungen und Präventionsangebote ausbauen, was dringend erforderlich ist.

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