Oberkirch-Gaisbach
Dossier: 

Ausgezeichnete Winzerin: Besten Ideen kommen ihr in den Reben

Autor: 
Katharina Reich
Lesezeit 5 Minuten
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25. Februar 2021

(Bild 1/2) Monika Bähr ist leidenschaftliche Winzerin. Als Badische Weinkönigin ­repräsentierte sie 2003/2004 den badischen Wein. ©Ulrich Marx

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (36): Monika Bähr aus Oberkirch-Gaisbach. Die 42-Jährige ist eine ausgezeichnete Winzerin. Ihre Arbeit sieht sie auch als wichtigen Teil der Landschaftspflege an.

Arbeiten, wo andere Urlaub machen“. Diesen Spruch bekommt Monika Bähr oft zu hören, wenn sie Weinliebhaber auf eine Verkostungstour durch die Reben mitnimmt. Und es stimmt. Um ihren Rebberg herum breitet sich eine wunderbare Landschaft aus. Rechts der Blick in die Rheinebene in Richtung Frankreich, links auf Oberkirchs malerischen Ortsteil Gaisbach mit dem Schloss. Monika Bähr kennt diese Aussicht schon ihr ganzes Leben. Trotzdem holt sie während ihrer Arbeit immer wieder mal ihr Handy aus der Tasche und fotografiert die Landschaft, die sich im Jahreslauf immer wieder verwandelt. „Im Frühling das satte Grün, im Herbst die verfärbten Blätter und im Winter verschneite Rebstöcke. Es ist immer wieder anders und immer wieder schön“, sagt sie.

Zwei Mal in Folge Badens Winzerin des Jahres

Monika Bähr ist Winzerin. Und zwar eine erfolgreiche. Zwei Mal in Folge wurde sie in diesem und letztem Jahr zu Badens Winzerin des Jahres gewählt. Ausgelobt wurde der Wettbewerb vom Genussmagazin Selection. Das Magazin stellt mit dieser Auszeichnung Frauen in den Fokus, die in einer immer noch sehr männlich dominierten Branche arbeiten: dem Weinbau. Auch international kann sich der Wein aus dem Weingut Bähr sehen lassen. Er belegte in diesem Jahr den neunten Platz. Der Wettbewerb wird über die Blindverkostung der Weine entschieden.

Eine anstrengende Arbeit

Warum ist Weinbau so männlich dominiert? „Weil das eine körperlich anstrengende Arbeit ist. Bei allem Idyll ist es auch ein Knochenjob“, begründet Monika Bähr. Schließlich genießt sie nicht nur bei schönem Wetter die Aussicht vom Rebberg, sondern sitzt auch auf dem Schlepper, reinigt ihre Weintanks und schleppt Kisten. Die Frauen seien im Weinbau nicht wegzudenken, allerdings übernähmen sie selten alle Arbeiten eines Weinbaubetriebs. „Viele Winzerinnen konzentrieren sich auf die Vermarktung“, berichtet Monika Bähr. Das geht in ihrem eigenen Weingut schon deshalb nicht, weil es viel zu klein ist, um Mitarbeiter für die verschiedenen Bereiche einzustellen.

„Mädchen für alles“

Daher ist Monika Bähr „Mädchen für alles“ in ihrem Betrieb. Es gibt keine Arbeit, die sie noch nicht selbst gemacht hat. Das macht die Sache für sie aber auch so abwechslungsreich. Am liebsten ist sie bei schönem Wetter draußen in den Reben. Manchmal muss das aber auch sein, wenn es regnet. „Zum Rebenbiegen ist schlechtes Wetter gutes Wetter, denn feucht lassen sich die Triebe besser biegen. Und wenn man erst mal nass ist, dann ist es auch egal“, lacht Monika Bähr. Die besten Ideen kommen ihr draußen, etwa beim Rebenschneiden. Diese Arbeit gehe leicht von der Hand und die Gedanken können dabei sprudeln. So sind jüngst zwei neue Produkte entstanden: ein alkoholfreier Traubensaft Secco mit Erdbeer- und Kirschsaft verfeinert, und ein Winzerglühwein aus der Flasche. Auch die guten Gespräche schätzt die Winzerin, wenn sie gemeinsam mit ihrer Familie draußen in den Reben arbeitet.

Zunächst andere Pläne

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Eigentlich hatte Monika Bähr gar nicht vor, in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten. Ihr Bruder wollte den elterlichen Betrieb übernehmen. Doch der heiratete schließlich in einen anderen Weinbaubetrieb ein, und die Nachfolge im Weingut Bähr war wieder ungeklärt. Monika Bähr hatte nach der Schule Erzieherin gelernt und bereits drei Jahre in dem Beruf gearbeitet, als sie beschloss, umzusatteln und als Winzerin den Betrieb zu übernehmen. Dann ging es Schlag auf Schlag. Mitten in den Abschlussprüfungen 2003 fand die Wahl zur Badischen Weinkönigin statt. Die Gaisbacherin nahm daran teil, mit dem Ziel, vielleicht zur Prinzessin gekürt zu werden. Dieses Ziel hat sie verfehlt – denn sie wurde Badische Weinkönigin. „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Das war die totale Überraschung“, blickt sie zurück. Und auch ein bisschen ein Sprung ins kalte Wasser. Am Abend der Wahl musste die frisch gekürte Königin das Freiburger Weinfest mit einer Rede eröffnen – vor 800 Leuten.

„Als Badische Weinkönigin habe ich gelernt, dass man mit seinen Aufgaben wächst“, erzählt sie. Höhepunkte ihrer Amtszeit waren die Krönung und die beiden Auslandsreisen nach Moskau und Japan, wo sie den badischen Wein repräsentieren durfte.

Viele finden keine Nachfolger

Weinbau ist für die ehemalige Badische Weinkönigin mehr, als nur einen guten Wein herzustellen. Sie sieht ihre Arbeit auch als wichtigen Teil der Landschaftspflege. Denn von der Kulturlandschaft hängt eine Menge ab. Schließlich kommen die Touristen wegen dieser Landschaft in die Region. Deshalb sei es wichtig, dass ein Winzer mit seinem Wein auch einen guten Preis erzielen kann. Dass viele Winzerbetriebe keine Nachfolger finden, bekümmert die Gaisbacherin. „Das wird zu einem Problem für die Region“, sagt sie und betont, dass der Verbraucher mit jedem Kauf eines regionalen Weins ebendiese Region auch unterstütze.

Beruf gut mit der Familie vereinbar

Bähr schätzt die Arbeit als Winzerin auch, weil sie sich gut mit der Familie vereinbaren lässt. Die Kinder sind oft mit in den Reben. „Als meine Tochter Vanessa ein Baby war, hab ich einen ganzen Weinberg mit ihr im Tragetuch geschnitten“, berichtet die 42-Jährige. Sohn Luca liebt es, mit Tretfahrzeugen steile Rebhänge hinunterzusausen. Inzwischen helfen die beiden schon kräftig mit und sind bei der Weinlese mit Freude dabei.

Am liebsten Riesling

Wenn sie mal nicht im Weinberg oder im Keller arbeitet, unternimmt Monika Bähr gerne etwas mit ihrer Familie. Außerdem ist sie gerne mit dem Fahrrad unterwegs oder im Winter auf den Skiern. Und natürlich genießt sie auch gerne mal ein Glas Wein. Sehr gerne einen Riesling. Die schönste Gelegenheit, einen Wein zu genießen, sei es, wenn man die Zeit dabei vergisst. „Wenn man auf die Uhr schaut und kaum glauben kann, dass es schon so spät ist, dann war es ein netter Abend und ein guter Wein“, sagt sie.
 

Zur Person

Monika Bähr

Monika Bähr ist 1978 in Oberkirch-Gaisbach als jüngstes von vier Kindern geboren. Sie hat zunächst Erzieherin gelernt und in dem Beruf auch drei Jahre gearbeitet. 2001 hat sie ihre Ausbildung zur Winzerin begonnen. Seit 2006 ist sie Winzermeisterin. Im Alter von 26 hat sie das Weingut Bähr von ihren Eltern übernommen. Als Badische Weinkönigin ­repräsentierte sie 2003/2004 den badischen Wein. 2019 und 2020 wählte die Jury des Genussmagazins Selection sie zu Badens Winzerin. Bähr ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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