Viele Themenbereiche

In der Ortenau gibt es mehr als 200 Selbsthilfegruppen

Autor: 
Sandra Barth
Lesezeit 3 Minuten
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02. September 2018

©Shutterstock / Photographee.eu

Hilfesuchende können sich in der Ortenau an mehr als 200 Selbsthilfegruppen wenden, um sich mit »Gleichgesinnten« auszutauschen. Das Netzwerk Selbsthilfe Ortenau steht ihnen dabei sowohl bei der Suche als auch bei der Gründung neuer Gruppen mit Rat und Tat zur Seite.

Ob chronisch Kranke, Hochbegabte oder Alleinerziehende – in der Ortenau erhalten Hilfesuchende bei mehr als 200 Selbsthilfegruppen Beratung und Unterstützung. Die Themengebiete erstrecken sich dabei von Allergien, Behinderungen über Eltern-Kind-Anliegen bis hin zu Fragen zur seelischen Gesundheit und Sucht. 

Eine Selbsthilfegruppe gründen kann nach Angaben Héctor Salas von der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen des Landratsamts Ortenaukreis grundsätzlich jeder. Grundvoraussetzung dafür sei, dass die Person persönlich betroffen und keine professionelle Leitung der Gruppe ist. »Es gibt zu bestimmten Krankheiten oder Themen auch sogenannte Angehörigenselbsthilfegruppen. Diese sind zwar nicht von der Krankheit direkt betroffen, aber sie leiden unter den Auswirkungen«, erläutert Sala weiter. 

Kein Ersatz für Medizin

Er betont aber: »Selbsthilfegruppen sind kein Ersatz für eine Therapie oder Medizin.« Sie könnten eine sinnvolle Ergänzung sein, ein Problem zu lösen oder den Umgang mit einer Krankheit zu erlernen.
»Die Menschen, die zu einer Gruppe gehen, erfahren insbesondere emotionale Unterstützung. Sie fühlen sich richtig verstanden, weil sie ›Gleichgesinnten‹ gegenübersitzen«, erläutert Sala. Vermitteln könnte so eine Gruppe neben Sicherheit und Geborgenheit auch Wertschätzung und Strategien zur Problembewältigung, sagt er. »Die Gruppen bieten die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs.«

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Die ersten Selbsthilfegruppen in der Ortenau wurden Sala zufolge wohl 1972 zu den Themen »Anonyme Alkoholiker« und »Angehörigengruppen der Anonymen Alkoholiker« gegründet. In den vergangenen fünf Jahre habe das Netzwerk rund 50 Gründungsberatungen gezählt – und davon etwa 35 tatsächliche Gründungen begleitet. »Pragmatisch gerechnet wären das sieben im Jahr«, so Sala. Der Trend in den vergangenen Jahren zeige eine starke Zunahme bei der Gründung und Beratung im Themenbereich Psyche.

Seit 2013 hatte die Selbsthilfe Ortenau laut Sala einen Zuwachs – in den vergangenen zwei Jahren habe sich die Zahl stabilisiert. Relativ neu seien die Gruppen »Verstoßene Großeltern« und »Eltern mit Kindern in der Pubertät«. Derzeit entstehe außerdem das neue Konzept »Junge Selbsthilfe Ortenau«. Die Grundidee dabei: Jungen Menschen soll ein einfacher Zugang zur Selbsthilfe ermöglicht werden.

Die im Ortenaukreis tätigen Selbsthilfegruppen sind nach Angaben Heinrich Stöhrs vom Sprecherrat der Selbsthilfe Ortenau selbstständig. Sie haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das durch den Sprecherrat vertreten wird – bestehend aus Expertengruppen, dem Behindertenbeirat vom Landratsamt und Behindertenbeauftragten. Der Sprecherrat vertritt dabei kreisweit die Interessen der Selbsthilfegruppen und berät sowie unterstützt sie. »Selbsthilfe ist ein Angebot von Betroffenen für Betroffene«, fasst Stöhr zusammen.

Hilfesuchende, die in eine Selbsthilfegruppe möchten oder eine Gründung wünschen, können sich auf der Webseite des Netzwerks informieren (siehe Kasten).

Hintergrund

Gruppen und Einzelkontakte in der Ortenau

Momentan befinden sich laut Héctor Sala von der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen des Landratsamts Ortenaukreis drei Gruppen in der Gründungs- oder Vorgründungsphase: 

  • Hochsensibilität
  • Zwangsstörungen
  • Angehörige um Suizid

Menschen, die Interesse an einer der Gruppen haben, können sich über die Selbsthilfekontaktstelle in eine Liste eintragen lassen. Sobald genügend Teilnehmer zusammen sind, wird die Gruppe laut Webseite des Netzwerks gegründet und sie erhalten eine Einladung. 

Bei Themen, für die sich nicht genügend Interessenten für eine Gruppe gefunden haben, können sich Betroffene über einen Einzelkontakt mit anderen Betroffenen austauschen. Das betrifft:

  • Eltern behinderter Kinder (in Lahr und Offenburg)
  • Gehirntumor (Angehörige)
  • Hepatitis C
  • Interstitielle Zystitis
  • Junge Vollwaisen
  • Morbus Werlhof
  • Pure Autonomic Failure
  • Para- oder Tetraspastik
  • Paruresis (Harnverhalt)
  • PCO-Syndrom
  • Schädel-Hirn-Patienten in Not
  • Tourette-Syndrom (Eltern)

Weitere Informationen gibt es über die Kontaktstelle: • 07 81/8 05 97 71 oder per E-Mail an selbsthilfe@ortenaukreis.de.

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