Aktion für das CJD Jugenddorf Offenburg

Barrierefrei nicht nur für Rollstuhlfahrer

Autor: 
Thomas Reizel
Lesezeit 3 Minuten
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09. November 2015

Schildern ihren Alltag im Christlichen Jugenddorf: Rahel Gottschall und Moritz Schoop (1. und 3. von links), Jasmin Zaucker (rechts/alle Auszubildende) sowie Sozialpädagogin Linda Oser und Krankenschwester Sabine Gabel (2. und 4. von links). ©Christoph Breithaupt

Im Christlichen Jugenddorf in Offenburg werden rund 500 junge Menschen mit Handicaps entweder auf das Berufsleben vorbereitet oder ausgebildet. Ein wesentlicher Baustein sind die ärztliche und sozialpädagogische Betreuung – sowie barrierefreie Wohnmöglichkeiten.

Rahel Gottschall lernt im Christlichen Jugenddorf (CJD) den Beruf der Gartenbaufachwerkerin, Bereich Zierpflanzen. Die Ausbildung macht ihr viel Spaß. Außerdem liebt es die 22-Jährige, in der Klettergruppe ihrem Hobby nachzugehen. Dort lässt sie sich – natürlich angeseilt – gerne mehrere Meter tief fallen, erzählt sie.

Rahel wirkt im Gespräch quicklebendig, und doch ist sie gesundheitlich eingeschränkt: »Ich habe Epilepsie und muss Medikamente nehmen.« Die Anfälle können zu jeder Zeit kommen, haben nach einem Sturz sogar schon zu einer Platzwunde geführt. An dieser auch Fallsucht genannten Krankheit leidet auch Jasmin Zaucker, die im CJD eine Ausbildung zur Bürokraft macht.

Doch im Christlichen Jugenddorf sind Menschen mit Epilepsie nicht sich selbst überlassen. Sozialpädagogin Linda Oser ist als Fachperson für sie zuständig. Sollte es während der Ausbildung in den Werkstätten zu einem Anfall kommen, kümmert sie sich um die Betroffenen. Je nach Stärke des Anfalls kommt sie in die Werkstätten oder die Betroffenen werden zu ihr gebracht.

»Wir haben einen speziellen Raum, in dem sie sich erholen können«, sagt Linda Oser:  »Er ist mit bequemen Sofas ausgestattet und reizarm gestaltet. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir bei Teppichen und Möbeln auf wilde Muster verzichtet haben. Stattdessen setzen wir auf eine Einrichtung in ruhigen, freundlichen Tönen.« Diese Aspekte seien ein Teil, wenn es um Barrierefreiheit für Menschen mit Epilepsie geht. Denn auch überladene optische Reize können einen Anfall auslösen.

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»Ängste nehmen«
Doch Linda Osers Aufgabe beschränkt sich nicht nur auf den Ruheraum. »Wir beraten Betroffene, Angehörige, aber auch Arbeitgeber und Kollegen von Menschen mit Epilepsie und versuchen, ihnen Ängste zu nehmen«, berichtet sie. Rahel Gottschall beispielsweise ist es wichtig, dass man vor Menschen wie ihr keine Angst haben muss: »Es hilft nicht, wenn andere Panik bekommen, wenn ich einen Anfall habe. Ich bitte sie immer: Helft mir, um mich zu beruhigen!«

In der Abteilung »Ärztlicher Dienst« arbeitet auch Krankenschwester Sabine Gabel. Sie hilft Bewohnern bei der Körperpflege, begleitet sie beim Mittagessen und richtet Medikamente, nicht nur für Menschen mit Epilepsie. Außerdem betreut sie junge Leute mit körperlichen Einschränkungen, etwa den 21-jährigen Moritz Schoop, der in einem Jahr seine Ausbildung zum Bürokaufmann beendet.

Diese drei jungen Menschen sind ein Beispiel dafür, dass auch Menschen ohne Rollstuhl oder Gehhilfen auf barrierefreies Wohnen angewiesen sein können. »Nach einem epileptischen Anfall sind viele so geschwächt, dass sie kaum laufen können. Deshalb wäre es gut, wenn wir sie in einen Rollstuhl setzen und in ihre Zimmer bringen könnten«, erläutert Linda Oser.

Für sie unmöglich
Im Internatsgebäude Haus Gengenbach, dem Ziel der »Leser helfen«-Aktion, ist das wegen Treppen unmöglich. Das CJD wünscht sich deshalb eine Senk- und Hebebühne ins Untergeschoss, Schiebetüren statt der herkömmlichen Türen im Eingangsbereich, sowie den Umbau von sechs Zimmern, von denen jedes ein Badezimmer bekommen soll. Bisher müssen sich vier Bewohner zweier Doppelzimmer eines teilen. Außerdem sind diese nicht barrierefrei.

Die Realisierung dieser Ziele kostet rund 200 000 Euro. Das Geld hat das CJD jedoch nicht, Die Bundesagentur für Arbeit als Kostenträger habe die institutionellen Zuschüsse stark gekürzt, sodass das zur Verfügung stehende Geld wohl für die pädagogische Arbeit und kleinere energetische Sanierungen reicht, aber keinen größeren Spielraum für solche Umbauten lässt.

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