Ortenau-Reportage

Bei Julia Bächle sind Axolotl die Bosse im Aqaurium

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 6 Minuten
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26. Oktober 2017
Julia Bächle mag ihre Axolotl aus unterschiedlichen Gründen. Einer davon ist, dass die Lurche immer zu lächeln scheinnen.

Julia Bächle mag ihre Axolotl aus unterschiedlichen Gründen. Einer davon ist, dass die Lurche immer zu lächeln scheinnen. ©Christoph Breithaupt

Julia Bächle aus Berghaupten hält in ihren Aquarien Axolotl. Die tiefenentspannten Lurche sind ziemlich unverwüstlich, stehen aber trotzdem auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Kein Geblubber, kein Licht, keine bunten Fische: Im Aquarium im Wohnzimmer von Julia Bächle dümpeln die Bewohner in gemütlicher Ruhe am Boden. Sie hält Axolotl, mexikanische Schwanzlurche, deren Kiemen außen liegen und den Kopf wie verzweigte Tannenbäumchen umrahmen. Ganz puschelig sehen die ausgelagerten Atmungsorgane aus, etwa bei »Der Boss«, dem ältesten Tier in der Sammlung der Berghauptenerin Julia Bächle. Je üppiger die Kiemen ausfallen, desto besser geht es dem Tier. »Daran sieht man, ob die Wasserqualität stimmt«, sagt sie.

Die Lurche, die so mancher aus seiner Schulzeit kennt, sind nämlich recht empfindlich, was das Wasser angeht. Im Biologiebuch war diese Besonderheit abgebildet – als Beispiel dafür, dass Amphibien im Larvenstadium verharren. Allerdings sind sie kaum mehr in den beiden mexikanischen Seen zu finden, in denen sie von Alexander von Humboldt entdeckt und 1804 nach Deutschland gebracht wurden. Sie galten frittiert als Delikatesse, bedauert die Tierfreundin. Überdies wurden die weitläufigen Seen teilweise trockengelegt, der Lebensraum für die Tiere verschwand.

Auf der Roten Liste

So kommt es, dass das Becken in Bächles Wohnzimmer vielleicht mehr Tiere enthält als der See, in dem 2014 trotz viermonatiger Suche keine Exemplare gefunden wurden, nachdem die Tiere seit 2006 auf der Roten Liste standen. Im Aquarium scheint man auch gerade bereit, etwas für den Nachwuchs zu tun: Ein weißes Männchen krabbelt auf seinen krummen Füßchen über den Kies; es schiebt ein wildfarbenes Weibchen vor sich her. Das Tempo ist gemächlich, für das geübte Auge hebt die Dame ihr Hinterteil gelegentlich vom Boden ab. »Sie balzen«, sagt Bächle. Sie macht das auch an der Rötung des weißen Tieres fest: Der Kerl ist angesichts der Dame ein bisschen aufgeregt. 

Kann also gut sein, dass das Männchen schon in ein paar Tagen Spermapakete ablegt, die das Weibchen aufnimmt, bevor es ablaicht. Dann wimmelt es im Becken nach ein paar Tagen von kleinen Axolotl-Larven. Wenn Bächle nicht eingreift und die Eier schon zuvor entfernt, fressen die Großen die Minis auf. Sie sind nämlich Lauerjäger: In ihrer Gemächlichkeit warten die Plattschwanzlurche darauf, »dass ihnen die gebratenen Tauben in den Mund fliegen«, lacht die Axolotl-Expertin. Sie warten, bis ein Fischchen, ein Schneckchen oder eben auch ein kleinerer Axolotl vorbeischwebt – dann strudeln sie diese in ihr Maul. Aber Lebendfutter ist ihr ein bisschen suspekt. Sie holt lieber ein Döschen mit Futter herbei. Die Pellets sinken langsam ins Wasser, die Münder gehen auf, es wird nach dem Futter geschnappt. Wer nicht interessiert ist, lässt das Essen neben sich auf den Boden gleiten. Vielleicht wird der ein andermal durchsucht; die Steinchen, die dann mitgefressen werden, sind klein genug, um sie gefahrlos aufzunehmen und wieder auszuscheiden. Übermäßig zu essen brauchen sie nicht, nur alle drei bis vier Tage, »sonst verfetten sie und bekommen Organversagen«.

Besondere Fähigkeit

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Das Spezialfutter stammt aus Hannover: Dort erforscht ein Institut die Besonderheiten des Axolotl. Seine Regenerationsfähigkeit vor allem. Die Amphibien, die nie erwachsen werden, können nämlich Beine, Schwänze und sogar Herz und Gehirn nachwachsen lassen. Folglich bleibt ihre Besitzerin lässig, wenn ein Stück Axolotl fehlt, weil es beim Zuschnappen in ein fremdes Maul gelangt ist. Kränkelt allerdings ein Tier, fragt sie in Hannover nach oder über www.axolotlforum.de an, wie sie es wieder fit bekommen könnte. Und dann geht es ab zum Spezialtierarzt nach Waldkirch. Kürzlich war »Der Boss« dran. »Er hat da immer noch einen komischen Knubbel«, zeigt sie auf eine Stelle seitlich an seinem Bauch. 

»Der Boss« bekam als ihr erster Axolotl einen Namen. Entdeckt hatte sie ihn in einer Zoohandlung. Es war das niedliche Gesicht, das ihr Herz eroberte. »Es sieht immer aus, als würde es lachen«, sagt Bächle.  Sie liebt es, auf dem Sofa zu sitzen und die Tiere zu beobachten: »Das gefällt mir besser als fernsehen.« Toll sei, dass alles so ruhig ablaufe – Action gibt es mit Job, zwei Kindern und Haushalt schließlich genügend. Ihre Axolotl machen ihr sogar die Freude, gerne im Becken »unterwegs« zu sein. Sie sind nicht besonders schüchtern und hocken häufig in den Höhlen. »Deshalb habe ich wieder einige der Verstecke aus dem Becken heraus-
genommen.«

Axolotl-Nachwuchs

Als zweites Tier leistete zu Beginn der Axelotl-Haltung im Hause Bächle eine Dame dem »Boss« Gesellschaft. An Neujahr bescherte ihr das Paar einen Eiersegen, der dem Weibchen allerdings das Leben kostete. Deshalb machte sie sich die Mühe, die Larven aufzuziehen. »Es war schon sehr aufwendig«, sagt sie. Sie musste ihnen sogenannte Salinenkrebse füttern. Diese Urzeitkrebse hielten als Zeitschriftenbeigabe Generationen von kleinen Forschern auf Trab, und auch für Bächle stellen sie eine Herausforderung dar: »Die Axolotl fressen sie nur ohne Eischale.« Die musste getrennt werden, um die Jungtiere nicht zu schädigen. Einige der Winzlinge hat sie durchgebracht: »Man muss sie immer mit gleich großen Artgenossen zusammensetzen.«

Das war dann auch die Hochphase ihrer Axolotl-Haltung: Fünf Aquarien hatte sie am Schluss, weil sie sich mit dem Verkaufen der Tiere schwer tat. »Ich will ja, dass es ihnen gut geht«, sagt sie. Dazu brauchen sie Wasser, das maximal 20 Grad warm ist. Deshalb hat sie immer einige Pet-Flaschen auf Eis liegen. Im Sommer kommen gleich zwei ins Auquarium, damit die Wohlfühl-Temperatur erhalten bleibt. Obwohl: Es geht um mehr als ums Wohlfühlen, es geht auch um die Gesundheit. Klettert die Wassertemperatur höher, belastet das das Immunsystem der Axolotl. »Das sitzt in der Haut«, sagt sie und beobachtet ihre Gute-Laune-Tiere genau.

»Wenn ich mich vors Aquarium stelle, ist die Zeit schnell vergessen.« Und wenn sie die Kamera zückt, noch mehr. Dafür hat sie inzwischen eine große Sammlung an schönen Aufnahmen. Denn einfach ist es nicht, den Axolotl zu fotografieren: Das »Wassermonster«, so sein übersetzter Name, liebt es nun einmal dunkel. Für die am kommenden Donnerstag erscheinende Ausgabe der Ortenau-Reportage hat sich unsere Autorin auf einer Grüngut-Annahmestelle in der Ortenau umgesehen.

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