Ortenau-Reportage

Bekämpfung der Schnakenplage

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 5 Minuten
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27. März 2014
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Feuchtgebiete wie das rund um den Schutterner Baggersee sind eine Wohlfühloase für Mückenlarven. Hier können sie sich bestens entwickeln. Doch mit Thomas Weitzel ist das nicht zu machen.

Feuchtgebiete wie das rund um den Schutterner Baggersee sind eine Wohlfühloase für Mückenlarven. Hier können sie sich bestens entwickeln. Doch mit Thomas Weitzel ist das nicht zu machen. ©Ulrich Marx

Thomas Weitzel und Udo Fromme sind Agenten im Kampf gegen die alljährlich drohende Mückenplage. Ihr Einsatzgebiet: überall, wo es feucht ist und Larven sich blendend entwickeln können. Diesmal geht’s zum Baggersee nach Schuttern – um
den Plagegeistern mit einer speziellen Bakterienlösung auf den Leib zu rücken.

Wir haben archaische Werkzeuge«, grinst Thomas Weitzel und öffnet den Kofferraum des roten Einsatzfahrzeuges: Der Wagen mit Heppenheimer Nummer taucht immer dann im Ortenaukreis auf, wenn Schnaken bekämpft werden sollen. »Wir kommen auf Zuruf der Gemeinden«, erklärt der »Schnakenjäger«. Über 100 Kommunen in vier Landkreisen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben sich zur Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) zusammengeschlossen, um sich einen professionellen Trupp im Kampf gegen die Plagegeister zu leisten. Gebietsleiter Udo Fromme schaut in der Ortenau nach dem Rechten, für Biologe Weitzel ist das Thema Schnake bei KABS ein Ganzjahresjob.

Nach einem Hubschraubereinsatz im östlichen Bereich des Schutterner Baggersees ist er jetzt zusammen mit Fromme als »Fußtrupp« unterwegs. In den kleinen Gräben rund um den See stehen Maßnahmen an – oder auch nicht.

Die Männer tragen lange Hosen und langärmlige Oberteile, obwohl es warm ist – die Saison hat in diesem Jahr aufgrund des milden Wetters früh begonnen. »Das Einzige, was gegen gierige Bisse hilft«, sagt Weitzel. Ein Hut schützt den Kopf gegen die Stechmücken. Und dann muss man sich noch in die oberschenkelhohen Gummistiefel zwängen, falls man dem Graben zu nahe kommt.

An zwei unterschiedlich geformten Holzstielen wurden kleine weiße Plastikschüsselchen befestigt. »Unser wichtigstes Arbeitsgerät«, betont Weitzel. Mit dieser selbst konstruierten Kelle entnimmt er Wasserproben. Durch den weißen Hintergrund lässt sich gut erkennen, was so alles im Wasser schwimmt.

»Bei mehr als fünf Schnakenlarven pro Liter Wasser werden wir aktiv«, erklärt er und taucht den speziellen Schöpfer ein. Mindestens 20 Mini-Wasserschnecken tummeln sich in der Brühe, zudem zwei zappelnde Würmchen. »Daraus schlüpfen Zerrmücken«, erklärt der Biologe. Da diese die Menschen in Ruhe lassen, haben sie von Weitzel nichts zu befürchten – obgleich sein Mittel in höherer Konzentration auch diese Larven abtöten würde. Aber: »Es geht lediglich darum, dass eine Plage im Wohngebiet verhindert wird.« Andere Organismen zu vernichten oder gar die Schnaken auszurotten, darum gehe es nicht, betont er.

»Und«, fragt ein älterer Herr neugierig, der den Männern in ihren schenkelhohen Gummistiefeln nicht zum ersten Mal begegnet. Weitzel schüttelt den Kopf: Alles okay. Noch.

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Keine Schnakenlarven im Wasser sind ein Ergebnis, wie Weitzel es gerne mag. »Ungünstig sind immer Grenzwerte«, erklärt er. Aber ob er sich lange über diese Bilanz freuen darf, weiß er nicht. Sobald es regnet, kann sich das Blatt wenden: »Die Schnaken legen ihre Eier direkt an die Grasnarbe über dem Wasserspiegel.« Sobald ein heftigerer Guss kommt und Graben und Felder überschwemmen, gelangen die Eier in das lebenspendende Nass. Dort kann sich die Brut rasch entwickeln: Rund 200 Larven entstehen dann pro Gelege, das problemlos längere Zeit und auch Trockenheit übersteht. »Natürliche Feinde gibt es keine«, winkt Weitzel ab.

Der einzige Feind ist die Mappe in seiner Hand, mit der er wohl fünf Mal pro Jahr am See auftaucht. Im grünen Schnellhefter steckt die Arbeit von Jahren. Die Umgebung um den Baggersee, aber auch der Großraum bis Schwanau und andere bevorzugte Schnaken-Brutstätten in der Ortenau sind hier eingezeichnet. Die Gelb- und Orange-Töne stehen für die Wassertiefe, Pink ist Schilf als Naturausgleichsfläche. Auch in seinem GPS sind die Daten hinterlegt, aber das will heute nicht funktionieren. »Es ist vor allem für den Hubschrauber relevant«, erklärt Weitzel. Ihm kann man die Koordinaten einspeisen, damit er punktgenau seine Ladung abwirft. Inzwischen ist das meist Eisgranulat, weil es am besten auszubringen ist und am wenigsten Streuverluste gibt. Die einprozentige Lösung wird dabei zu feinem Granulat gefroren, rund 20 Kilo pro Hektar rieseln davon dann zur Erde. Damit kann man insbesondere größere Wasserflächen abdecken.

Im nächsten Graben wird das Duo fündig: Zuckende Larven tummeln sich hier. Deshalb geht’s zurück zum Auto: Die einprozentige Lösung mit Bacillus thuringiensis israelensis (B.t.i.) kommt zum Einsatz. Beide setzen eine Rückentrage mit einer Spritze auf, bequem wie ein Rucksack. Damit werden die betroffenen Areale behandelt. »Die Bakterien befallen ausschließlich die Schnakenlarven«, betont Weitzel. Sie stören deren Verdauungssystem im Darm, wodurch die Larven absterben. »Andere Lebewesen werden dadurch nicht geschädigt«, versichert er.

Wenn es sich nicht um einen einfachen Graben handelt, den man spritzen kann, hat Weitzel dennoch eine Lösung parat: Er bindet den Wirkstoff mit einem leichten Speiseöl an ein Quarz. Und schon ist es kein Problem mehr,  auch Gestrüpp oder Baumgruppen zu durchdringen – etwa den kleinen Weidenhain hinter den Hütten am Campingplatz.

Die Arbeit rund um den Baggersee ist getan. Eigentlich kann das Team zufrieden sein. Allerdings: Schnaken wird es immer geben auf der Welt. Auf die Rote Liste gelangen die Blutsauger nicht. »Abgesehen davon ist es nicht erlaubt, eine Art auszurotten«, erklärt der Biologe. Und wenn die lästigen Biester nicht direkt vor Ort am Campingplatz schlüpfen, können sie immer noch aus den Rheinwäldern zuwandern. Denn wo keine unmittelbaren Wohngebiete sind, findet keine Schnakenbekämpfung statt. Die Insekten dort werden, nach ihrem Hochzeitsflug, hungrig. Und wenn es darauf ankommt, haben sie eine äußerst feine Nase. »Sie fliegen Richtung CO2-Fahne«, weist Weitzel Richtung Campingplatz: Atemluft, Körperausdünstungen und Energiebedarf hängen als Glocke über den Wohnwagen, die Weibchen nehmen dann einfach Witterung auf.

Weitzel und Fromme starten Richtung Schwanau. Dort geht’s weiter mit der Schnakenbekämpfung.

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