Start der Aktion 2021/22

Benefizaktion „Leser helfen“: Für Kinder, die Hilfe brauchen

Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
02. November 2021
Video starten

Geschafft: Erstmals sitzt diese kleine Patientin, fürsorglich begleitet von ihrer Mama, auf dem Rücken des gutmütigen Therapiepeferds Nina. ©Foto: Ulrich Marx

Die Benefizaktion „Leser helfen“ der Mittelbadischen Presse sammelt ab sofort für das Epilepsiezentrum in Kehl-Kork. Die Spenden sind für ein neues Therapiepferd, einen mobilen Entspannungsraum und die Beratungsstelle. 

Für viele Kinder und deren Eltern ist die Epilepsieklinik für Kinder und Jugendliche in Kork ein wahrer Rettungsanker. Denn nach der Diagnose ist nichts mehr wie es war in den Familien. Damit Chefarzt Dr. Bast und sein Team sich so umfassend wie möglich um die jungen Patienten kümmern können, benötigen sie Geld, viel Geld. Denn nicht alles bezahlen die Krankenkassen.

Deshalb unterstützt die mittlerweile 25. Benefizaktion „Leser helfen“ der Mittelbadischen Presse die Epilepsieklinik für Kinder und Jugendliche, die wie zwei weitere Epilepsiekliniken für Erwachsene und Behinderte zur Diakonie Kork gehört. Im Einzelnen wird eine insgesamt sechsstellige Summe benötigt für 

  • ein neues Therapiepferd zur Hippotherapie,
  • einen mobilen Snoezelen-Wagen (Snoezelen ist eine Entspannungsmethode aus den Niederlanden),
  • die Existenzsicherung der einzigen Epilepsieberatungsstelle im Land und
  • die erstmalige Anschaffung digitaler Aufklärungsmittel wie Videos. 

Wie gesagt: Ohne Spenden wird ein Großteil dieser Projekte nicht umgesetzt werden können oder aber nur in sehr reduzierter Form.

In der Epilepsieklinik für Kinder und Jugendliche, kurz Kinderklinik genannt, werden jährlich etwa 900 Patienten stationär und 1400 ambulant behandelt. Einerseits sind das Säuglinge, Kindergartenkinder und Schüler ohne andere Beeinträchtigungen als die Anfälle. Andererseits kommt Epilepsie aber auch häufig bei jungen Menschen mit zusätzlichen neurologischen und psychosozialen Problemen, wie geistiger Behinderung, vor. Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns. Die Übererregung der Nervenzellen kann zu Anfällen führen. „Unser zentrales Anliegen ist es, dass jedem Kind und Jugendlichen ein umfassendes Behandlungskonzept zugutekommt“, sagt Chefarzt Dr. Thomas Bast.

Und dann noch Corona...

- Anzeige -

Die Wahrscheinlichkeit, an Epilepsie zu erkranken, ist im Kindesalter am höchsten. „Gerade in die Kinderklinik kommen Eltern in einem emotionalen Ausnahmezustand. Ihr bisheriges Lebenskonzept ist zusammengestürzt“, beschreibt der Kinderneurologe.

Aufgrund Corona würden Betroffene weitere Belastungen durch Isolation, zusätzliche Krankheitsrisiken oder Ängste erleiden. Das alles brauche verstärkt einen Ausgleich durch Therapieelemente, die positive Erfahrungen vermitteln. 

Mit der Benefizaktion „Leser helfen“ soll ein neues Therapiepferd gekauft werden. In Kork wird die Hippotherapie durch eine zertifizierte Hippotherapeutin angeboten. Das Pferd Nina wurde speziell für den Umgang mit epilepsiekranken Menschen ausgebildet. In absehbarer Zeit wird ein neues Therapiepferd gebraucht, da Nina schon 21 Jahre alt ist. Die Kosten für den Kauf eines neuen Pferdes und dessen Ausbildung liegen bei 50 000 Euro.

„Snoezelen“ ist ein weiteres Therapie-Angebot. „Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene, mit geistiger Behinderung erleben ihre Umwelt oft als sehr chaotisch. Sie können den Umweltreizen, denen sie permanent ausgesetzt sind, nicht entfliehen, da sie diese nicht ordnen oder verstehen können. Sinnesreize wie Musik, Licht, Düfte werden selektiv durch die Entspannungsmethode Snoezelen angeboten und entfalten so eine beruhigende Wirkung“, erklärt Bast. Ein mobiler Snoezelen-Wagen würde diese vielfältigen Möglichkeiten eröffnen. Die Kosten belaufen sich auf rund 5000 Euro. Weitere 5000 Euro werden für den Ausbau des bestehenden Angebotes auf den beiden anderen Stationen der Kinderklinik benötigt.

Zuerst völlig ratlos

Erleide ein Kind das erste Mal in seinem Leben einen epileptischen Anfall, sind die Eltern oft ratlos. So wenden sie sich meistens hilfesuchend an die Epilepsieberatungsstelle der Diakonie Kork. Es ist die einzige Epilepsieberatungsstelle in Baden-Württemberg. Entsprechend groß ist auch der Andrang. Ausschließlich aus eigenen Mitteln und Spenden wird sie finanziert. Die Kosten belaufen sich auf etwa 80 000 Euro pro Jahr. Patienten der Kinderklinik und ihre Eltern würden den Aufenthalt dort als äußerst belastend erleben und befänden sich oft in einem Krisenzustand. „Es sind immer wieder neue, unbekannte Situationen, in denen insbesondere von den Eltern vieles abverlangt wird. Sie müssen Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen sowie mit Ärzten und Therapeuten kooperieren“, sagt Thomas Bast. Elementar wichtig sei es, dass sie die Krankheit Epilepsie, die besondere Form, an der ihr Kind leide, verstehen. Auch für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sei dieses Grundverständnis für die Bewältigung ihrer Erkrankung zentral.

„Diese Informationen sollten ihnen anschaulich vermittelt werden“, so der Kinderneurologe. Dafür würden sich digitale Medien anbieten. Doch dieses Material gibt es noch nicht und soll mit einem Teil der Spenden – 30 000 Euro wäre nötig – produziert und angeschafft werden

Info

"Leser helfen" in den sozialen Medien

Folgen Sie unserer diesjährigen Spendenaktion in den sozialen Medien, um über aktuelle Spendenbeiträge und Hintergrundberichte auf dem Laufenden zu bleiben.

Spenden für »Leser helfen«

Sie sind nicht angemeldet.
Damit Sie Kommentare zu diesem Artikel lesen können, loggen Sie sich bitte mit Ihren Zugangsdaten ein.
Sie sind nicht registiert?

bo+ ist das Beste, das wir haben. Versprochen! Und wir machen uns die Auswahl nicht leicht: Tiefergehende und hintergründige Texte, investigative Beiträge, spannende Reportagen, längere Strecken, exklusive Storys, recherchiert und geschrieben von einer meinungsstarken Redaktion.

Sie haben Fragen?

Wir haben die häufigsten Fragen für Sie zusammengefasst.

Leserservice
0781 / 504 55 55
Telefonische Servicezeiten

Montag bis Freitag 7 bis 18 Uhr

Samstag 7 bis 12 Uhr

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Die Polizei hat ein illegales Autorennen gestoppt. 
vor 52 Minuten
Zwei Azeigen
Fünf Männer aus Italien haben sich mit ihren Sportwagen ein illegales Rennen auf der A5 geliefert. Für zwei von ihnen hat das Konsequenzen.
Der Angeklagte (links) gestand vor Gericht den sexuellen Kontakt zu der minderjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin in 19 Fällen.
vor 1 Stunde
Landgericht Offenburg
Vielfach und über Jahre hat ein 40-Jähriger aus der südlichen Ortenau mit der minderjährigen Tochter seiner Lebensgefährtin Sex gehabt haben. Der Fall wurde vor dem Landgericht verhandelt.
Die Absperrungen sind weg: Vom Startpunkt Breitenbrunnen in Sasbachwalden aus darf wieder gewandert werden.
24.09.2022
Gelände gilt wieder offiziell als Wald
Die Wanderwege am Breitenbrunnen sind wegen der guten Erreichbarkeit und der schönen Natur sehr beliebt. Seit November 2019 waren sie allerdings gesperrt. Seit Freitag darf nun wieder gewandert werden.
Nach einem fünfjährigen Rückgang steigt die Zahl der Fahrraddiebstähle in der Ortenau wieder an. Beliebt sind teure Räder, vor allem E-Bikes und Pedelecs. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
24.09.2022
Zahlen steigen wieder an
Ein Schloss zwischen den Speichen reicht oft nicht: Vor allem sehr teure E-Bikes und Lastenräder sollten unbedingt an Gegenständen fixiert werden. Immer öfter haben es Diebe auf sie abgesehen.
Mit Alisa Höll wurde am Freitagabend beim Ortenauer Weinfest in Offenburg erstmals eine verheiratete Frau zur Ortenauer Weinprinzessin gekrönt. Foto: Christoph Breithaupt
23.09.2022
Gekrönte Hoheit mit Ehering
Alisa Höll aus Kappelwindeck ist die erste Ortenauer Weinprinzessin mit einem Ehering am Finger. Die gekrönte 24-Jährige will spätestens morgen wieder bei der Lese helfen.
Dominik Fehringer ist seit 2016 Geschäftsführer der WRO, die seit Ende Juli 2022 Nectanet heißt. Foto: Nectanet
23.09.2022
Nectanet-Geschäftsführer Dominik Fehringer im Interview
Die Wirtschaftsregion WRO heißt jetzt Nectanet. Geschäftsführer Dominic Fehringer skizziert im Interview die internationaler aufgestellte Strategie. Er erklärt auch, weshalb die Ortenau anders mit dem chinesischen IT-Giganten Huawei umgeht als die USA.
23.09.2022
Meißenheim-Kürzell
Bei einem schweren Arbeitsunfall am Freitagmittag erlitt ein Mann beim Matschelsee bei Kürzell schwerste Verletzungen.
23.09.2022
Achern - Önsbach
Seit seiner Geburt ist der heute 17-jährige Leonhard Joseph blind und auch körperlich eingeschränkt. Für das laufende Schuljahr sucht der aufgeweckte und ehrgeizige junge Mann dringend eine Assistenzkraft, die ihn im Schulalltag unterstützt.
Nicole Kist am Tag ihrer Wahl zur Ortenauer Weinprinzessin vor drei Jahren. Archivfoto: Ulrich Marx
23.09.2022
„Ich habe mich weiterentwickelt“
Nicole Kist wurde 2019 zur Ortenauer Weinprinzessin gekürt. Dann kam Corona und die 25-Jährige verlängerte ihre Amtszeit um ein Jahr. Als Botschafterin des Ortenauer Weins war sie deshalb auch in Südafrika unterwegs.
23.09.2022
Inzidenz und mehr
Wie entwickeln sich die Corona-Infektionszahlen im Ortenaukreis? Unsere Übersicht gibt den aktuellen Stand mit Zahlen vom Land und den Kommunen.
Wer schwerbehindert ist, hat nicht unbedingt einen Rollstuhl. Viele Behinderungen mit einem Grad ab 50 sind auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen, zum Beispiel Asthma, schwere Migräne oder nervliche Krankheiten. Foto: Jens Büttner/dpa
23.09.2022
Ortenau
Wer schwerbehindert durchs Leben gehen muss, den hat es oft hart getroffen. Landratsamt und VdK helfen dabei, die Umstände erträglicher zu machen. Wichtig ist, falsche Scham abzulegen und sich den Behindertenausweis zuzulegen.
127 Oldtimer vom Vorkriegs-Modell bis Baujahr 1975 rollen zur Baiersbronn Classic auch durchs Kinzigtal. In Wolfach gibt es für die Fahrer am Freitag eine kurze Pause für eine kulinarische Durchfahrtskontrolle.
22.09.2022
Wolfach
„Ein fahrendes Automobilmuseum mit 127 Teams aus 14 Ländern, das Oldtimerfreunde faszinieren wird“, versprechen die Organisatoren der Baiersbronn Classic.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Es ist angerichtet - die Gäste können kommen - zur großen Küchenparty, die am 28. September ab 18.30 Uhr im Hotel Liberty "steigt".
    16.09.2022
    Hotel Liberty: Sich von Sterneköchen verwöhnen lassen
    Das Ambiente allein im Offenburger Hotel Liberty lässt jeden Aufenthalt zum Erlebnis werden. Ist Party angesagt, dann potenzieren sich Location, Kulinarik und Show noch einmal. Alles zusammen ergibt eine einmalige kulinarische Reise – genannt Küchenparty.
  • Das repräsentative Gebäude von Möbel Seifert in der Acherner Innenstadt. Auf fünf Etagen gibt es aktuelle Wohnideen zu sehen.
    11.09.2022
    Möbel Seifert in Achern: Beste Preise zu besten Leistungen
    Man spürt es deutlich: die Tage werden kürzer, die Hitze weicht angenehmen spätsommerlichen Temperaturen. Bald ist die Draußenzeit vorbei und wir sehnen uns nach einem gemütlichen, kuschelig eingerichteten Zuhause. Dafür ist Möbel Seifert in Achern der ideale Partner.
  • Edel und funktional - eine der 30 Musterküchen, die bei Möbel RiVo in Achern-Fautenbach im Maßstab 1:1 zu besichtigen sind.
    09.09.2022
    Besuchen Sie Möbel RiVo in Achern-Fautenbach
    Küchenkauf ist Vertrauenssache. Es geht schließlich um eine Investition, die Jahrzehnte gute Dienste leisten und Freude machen soll. Die Experten von Möbel RiVo verfügen über langjährige Erfahrung, denn das familiengeführte Unternehmen existiert seit 50 Jahren.
  • Vor 175 Jahren verkündeten im Salmen die "entschiedenen Freunde der Verfassung" den ersten freiheitlich-demokratischen Grundrechtekatalog. Beim Freiheitsfest lebt dieser historische Meilenstein wieder auf.
    07.09.2022
    Heimattage: Großes Landesfest mit Zapfenstreich und Umzug
    175 Jahre Offenburger Forderungen, 70 Jahre Baden-Württemberg, Freiheitsfest, Museumsfest: Was am 10. und 11. September in Offenburg im Rahmen des Landesfestes geboten wird, sucht seinesgleichen. Außergewöhnliches Highlight ist der Große Zapfenstreich am Samstagabend.