Oberachern
Dossier: 

Bernhard Keller ist unermüdlich für seinen Heimatort im Einsatz

Autor: 
Michaela Gabriel
Lesezeit 6 Minuten
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05. August 2021

(Bild 1/2) Von der überdachten Plattform auf dem Bienenbuckel überblickt Bernhard Keller seine ganze Heimatgemeinde Oberachern und die Stadt Achern. ©Ulrich Marx

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (56): Bernhard Keller aus Oberachern, den verhinderten Ortsvorsteher, dessen Herz für seinen Heimatort schlägt und dessen ehrenamtliches Engagement keine Grenzen kennt.

Er ist immer in Bewegung, hilfs- und dienstbereit, voller Ideen und künstlerisch aktiv. Manchen ist sein Tatendrang etwas zu groß und manchmal eckt er mit seiner direkten Art an. Aber das macht ein Original eben aus: Bernhard Keller lebt in und für seine Heimatgemeinde Oberachern.

Als Oberachern vor 50 Jahren nach Achern eingemeindet wurde und dabei weder einen Ortschaftsrat noch einen Ortsvorsteher bekam, war der heute 65-Jährige gerade mal 14 und ging auf ein Internat. Später kämpfte er als Kommunalpolitiker lange für ein Gremium, in dem die Angelegenheiten seiner Gemeinde besprochen werden können. In diesem Oberacherner Ortsrat unter der Leitung des Acherner Oberbürgermeisters arbeitete er bis 2019 selbst mit. Auch als Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Oberachern (HVO) drückt er seiner Heimat seit 1999 ehrenamtlich seinen Stempel auf.

"Erbliche Vorbelastung"

„Ich wäre gern Ortsvorsteher von Oberachern gewesen, darum hätte ich mich beworben“, sagt Bernhard Keller. Sein ganzes Denken drehe sich schon immer um den schönen Flecken Erde am Eingang des Achertals. Das liege an seiner „erblichen Vorbelastung“: Sein Urgroßvater Wilhelm Müller war Bürgermeister des damals selbständigen Ortes und sein Vater Walter Keller 25 Jahre Gemeinderat. Diesem Vorbild folgte er und stellte sich als 28-Jähriger erstmals einer Kommunalwahl.

„Auf der Wahlkampftour waren wir CDU-Kandidaten auch in Wagshurst und haben einen Kuhstall besichtigt. Der Bauer, Berger hieß er, hat gefragt, ob von uns einer melken kann“, erzählt er: „Da hat sich der Keller Bernhard gemeldet und hat gemolken und dabei den Oberbürgermeister Rosenfelder mit der Milch nassgespritzt.“ Abends bei der Vorstellung der Kandidaten in einer Wirtschaft sei der Bauer aufgestanden und habe gerufen: „Den misse mer wähle, der konn melke!“ Er wurde gewählt und mit sehr vielen Stimmen auch viermal wiedergewählt. Unter anderem wirkte er an Entscheidungen wie dem Neubau des Acherner Bahnhofs und der Bahntrassenverlegung mit.

Jederzeit zugehört

„Ich habe das Amt immer sehr ernst genommen. Ich war auf jeder Generalversammlung in Ober-achern, bin in alle Vereine eingetreten und habe jederzeit zugehört, wenn jemand etwas loswerden wollte.“ Oft trug er die Anliegen der Oberacherner im Stadtrat vor. Ein Gemeinderatskollege aus Achern warf ihm vor, ein „Kirchturmpolitiker“ zu sein. Doch das prallte an ihm ab: „Oberachern ist nun mal das Beverly Hills von Achern“, sagt Keller selbstbewusst. Es sei Naherholungsgebiet für die ganze Stadt und vom Oberacherner Bienenbuckel könne man alles überblicken.

24 Jahre im Acherner Gemeinderat

Mit einer längeren Unterbrechung gehörte Keller 24 Jahre dem Acherner Gemeinderat an. Er wirkte mit, als Oberachern einen Kreisverkehr bekam, als für das Gelände der ehemaligen Pappfabrik Lott ein Bebauungsplan entstand und als die Stadt Achern die Illenau-Wiesen an den Unternehmer Marco Beicht von der Firma Powercloud verkaufte. 2019 wollte er nicht mehr und trat auch nach mehr als 40 Jahren aus der CDU aus.

„Weil die Politik der Bundes-CDU nicht mehr im Einklang mit meinem Grundverständnis ist“, sagt er zur Begründung. Für die Gemeinderatsarbeit sei er unter drei Oberbürgermeistern immer motiviert gewesen. Doch irgendwann habe sie ihm nicht mehr gefallen. Hunderte Seiten Vorlagen durchzuackern habe keinen Spaß gemacht: „Die Verwaltungsarbeit hat einfach überhand genommen.“ Als einziger Stadtrat ließ er sich bis zum Schluss alle Unterlagen ausdrucken und verweigerte die Nutzung des Computers.

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Langweilig ist ihm nie

Doch langweilig ist es Bernhard Keller nie. Seit 1999 ist er Vorsitzender des HVO, den sein Urgroßvater 1928 gegründet hat. Dort führte er regelmäßige Arbeitseinsätze des ehrenamtlich tätigen Arbeitsteams jeden Mittwochabend ein. Inzwischen gebe es in Oberachern kaum noch ein Fleckchen, an dem der HVO nicht Hand angelegt habe, sagt er. Jedes Jahr werde Neues geschaffen, und das Bisherige werde gepflegt. Zuletzt modernisierte das HVO-Arbeitsteam den Kinderspielplatz am Waldsee, und aktuell plant der Vereinsvorsitzende für den Herbst die Pflanzung einer 500 Meter langen Hecke aus verschiedenen Sträuchern für die Insekten- und Vogelwelt.

2500 ehrenamtliche Stunden leistet das HVO-Team aus Rentnern und auch jüngeren Leuten unter der Leitung von Bernhard Keller durchschnittlich pro Jahr. Das ist mehr als eine Vollzeitstelle unentgeltlicher Arbeit in und für Oberachern. Er selbst kommt auf etwa 360 Stunden pro Jahr für den Verein, was in 22 Jahren rund 1000 Arbeitstagen entspricht. Einziger Lohn für die Mühen beim Müll-Einsammeln, Mähen, Streichen und Bauen ist die Anerkennung durch andere. 2009 durfte der HVO in Stuttgart aus der Hand des damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger den Ehrenamtspreis „Echt gut“ entgegennehmen.

Es fehle an Wertschätzung

In jüngster Zeit sei vieles selbstverständlich geworden und es fehle an Wertschätzung. „Dann ist es auch schwierig, die Mannschaft immer wieder neu zu motivieren“, weiß Keller. Doch bisher ist es ihm immer wieder gelungen. Er selbst wurde für sein Engagement bereits mit der Ehrennadel des Städtetags, der Ehrennadel des Landes und der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Zahl der Mitglieder in seinem Verein hat sich in 20 Jahren mehr als verdoppelt und liegt jetzt bei über 1000. Während der Pandemie fing Bernhard Keller an, für Oberacherner Mitbürger einzukaufen und macht das bis heute.

Närrisch in der fünften Jahreszeit

In der fünften Jahreszeit gibt er sich gern närrisch. Als kleiner Bub fuhr er auf dem Schoß des damaligen Elferratspräsidenten Otto Kasper beim Fastnachtsumzug durch Oberachern mit. In den 1970er-Jahren gehörte er zur Jockelegruppe und bastelte sich als Markenzeichen eine runde Brille auf die Holzmaske. Inzwischen ist er in der Oldie-Gruppe der Narrenzunft aktiv und moderiert den „Ball der alten Säcke“ am Fastnachtssamstag mit.

„Bei ihm rattert es eigentlich immer im Kopf“, erzählt seine Frau Sabine Keller, die ihn manchmal auch ein bisschen bremsen muss. Nicht jede seiner Ideen bedeutet Arbeit für das Arbeitsteam seines Vereins. Einiges wird von ihm selbst umgesetzt: Aus Stahl und Holz formt Bernhard Keller Skulpturen. Mehrere seiner Werke zieren sein Zuhause in der Holzstraße.

Backpfeife vom Pfarrer

In eben dieser Holzstraße, heute dicht bebaut, wuchs er auf. „Damals hatte die Straße zwölf Häuser, zwei Sägewerke und eine Schreinerei. Sie war nicht geteert und übersät von Wasserpfützen.“ Im Lausbubenalter wollte er sich mit seinem Kumpel Feuer in der Kirche besorgen. Die beiden zündeten eine Kerze am Ewigen Licht an und ein Tropfen Wachs ließ es verlöschen. „Wir dachten, jetzt haben wir eine Todsünde begangen“, erinnert er sich. Als die beiden zur Beichte gingen, rief sie der Pfarrer aus dem Beichtstuhl und kam hinterher: „Er hat uns links und rechts eine runtergehauen.“
Heute würde er am liebsten selbst manchem Unhold eine runterhauen – was natürlich nicht geht. Immer wieder werden in Oberachern Bänke und Tische beschädigt, die sein Arbeitsteam gebaut hat. Plätze werden vermüllt und Wege kaputt gemacht. „Das frustriert einen so, dass man am liebsten alles hinschmeißen würde.“ Doch seine Liebe zur Heimat lässt das nicht zu: „Da würde mir ja was fehlen.“

Zur Person

Bernhard Keller

Bernhard Keller, Jahrgang 1956, besuchte die Heimschule St. Landolin in Ettenheim und schloss dort sein Abitur ab. Bei Fürst zu Fürstenberg in Hüfingen (heute Fürstenberg Holz) erlernte er ab 1977 den Beruf des Sägewerkers. 1981 legte er als Bundesbester die Meisterprüfung am Holztechnikum in Rosenheim ab. Bis 1994 arbeitete er im Sägewerk Hermann Keller in Oberachern, das seine Vorfahren aufgebaut hatten und sein Vater und sein Onkel leiteten. Dann war er 16 Jahre Geschäftsführer eines Möbelmarkts in Achern und weitere sechs Jahre Technischer Betriebsleiter im Sägewerk Stößer in Bühl-Vimbuch. Keller hat eine erwachsene Tochter.

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