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Bewohnerinnen können im Haus des Lebens Ausbildung machen

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 3 Minuten
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23. November 2017
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Köchin Bianca Hug (links) ist für die Ausbildung von Sina Fischer in der Küche des Haus des Lebens in Offenburg zuständig.

Köchin Bianca Hug (links) ist für die Ausbildung von Sina Fischer in der Küche des Haus des Lebens in Offenburg zuständig. ©Iris Rothe

Das Haus des Lebens ist anerkannte Ausbildungsstätte im Bereich Hauswirtschaft. Im dualen Bildungssystem können die Berufe Hauswirtschafterin oder Fachpraktikerin der Hauswirtschaft erlernt werden. Kooperationen mit den Haus- und Landwirtschaftlichen Schulen in Offenburg und den Beruflichen Schulen in Lahr bestehen seit Jahren.

Die Gelegenheit, eine Ausbildung zu machen, nutzen viele der Bewohnerinnen im Haus des Lebens. Über 30 Frauen und Mädchen konnten seit Bestehen der Einrichtung ihren Abschluss machen. Daneben sei es jederzeit möglich, mit einem etwa vierwöchigen Praktikum in den hauswirtschaftlichen Bereich  hineinzuschnuppern oder an Kurzzeitprojekten teilzunehmen, erläutert Birgit Spengler, Fachbereichsleiterin Hauswirtschaft. 

Arbeitsalltag kennenlernen

Manche schaffen hier den Hauptschulabschluss oder bringen die gleichwertige Qualifikation von sozialtherapeutischen Einrichtungen mit.  »In allen Formaten lernen die Frauen einen Arbeitsalltag kennen«, versichert sie. Teamarbeit, Aushalten eines geregelten Stundenplans, aber auch Freude, etwas leisten zu können, empfinden sie dann häufig zum ersten Mal. »Wir nehmen die Frauen so an, wie sie sind« – viele darunter schleppten halt einen »Rucksack« voller Sorgen und Nöte mit sich, macht Birgit Spengler auf herzliche Weise klar. Da brauche es Geduld und Verständnis. 

Wie ein roter Faden

Der Bereich Hauswirtschaft ist zuständig für Kochen, Wäsche, Haus- und Gartendekoration, Reinigung der Gemeinschaftsräume, Bewirtung von Gästen oder Umzugsreinigung. Die Bewohnerinnen sind für ihre Zimmer selbst verantwortlich. Gerade in der Hauswirtschaft ist das Leitthema des Lebenshauses längst Alltag. »Lebensorientiertes Lernen« heißt es und zieht sich wie ein roter Faden durch alle Stationen. Da kann es auch mal sein, dass die Vorhänge im Nähzimmer ausgebessert werden. Bald sollen Weihnachtsbrötchen gebacken werden. 

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In der Küche wird seit frühem Morgen der Mittagstisch vorbereitet. Köchin Bianca Hug und Azubi Sina Fischer schnippeln Karotten, Kartoffeln und Putenfleisch für den Baby-Brei. Die Auszubildende ist keine Bewohnerin des Hauses. »Wir kochen hier täglich frisch mit regionalen Produkten«, zeigen beide die Lebensmittel. »Ein netter Herr hat uns einen riesigen Krautkopf gebracht«, verrät Birgit Spengler.  »Krautsalat, Gyros, Reis und Tsatsiki« standen ruckzuck auf dem Speiseplan. Unser zweiter Nachname ist »Flexibilität« schmunzelt die Hauswirtschafts-Chefin. 

Gemeinsames Frühstück

Der Speiseraum nebenan ist bereits eingedeckt, eine Menge kleiner Kindersitze aus Plastik hängen neben jedem großen Stuhl. Gefrühstückt wird hier gemeinsam, später essen die Kleinen im Kinderhaus zu Mittag, am Abend sind Mamas und Kinder wieder vereint. »Wir singen dann gerne zusammen« und begleiten mit guten Worten in den Abend hinein. Das gemeinsame Essen und Aufräumen bedeute ein wichtiges psychologisches und pädagogisches Ritual. Auch ein Atemholen. 

Dazu kommen die Waschmaschinen und Trockner für die Kinderwäsche nie. Sie laufen auf Hochtouren, ununterbrochen. Dann tönt ein kleiner Schrei aus der Küche. Aus den Töpfen wabern heftige Dunstschwaden.  Schafft das die Abzugshaube? Gerade noch, sie funktioniere, das Gerät sei eben ein bisschen in die Jahre gekommen. Eine dem aktuellen Standard entsprechende Dunstabzugshaube wäre nötig. Auch dafür soll ein eventueller Teil der Leserspenden verwendet werden.

Info: Was es mit der Aktion "Leser helfen" auf sich hat und wo Sie spenden können, lesen Sie hier.

Hintergrund

Leser Helfen

Seit zwei Jahrzehnten engagiert sich der Förderverein »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse in der Region. In all den Jahren war die Spendenbereitschaft unserer Leser mit zusammen fast 2,9 Millionen Euro riesig und kam von Herzen. Deshalb erhofft der Förderverein mit der diesjährigen Aktion das ehrgeizige Spendenziel von 150 000 Euro zugunsten des Haus des Lebens zu erreichen.  
Benötigt wird das Geld unter anderem für einen Kleinbus, der die Bewohner von den Wohngruppen ins Kinderhaus und zu Freizeitaktivitäten bringen soll. Außerdem sind die 20 Zimmer im Gebäude an der Offenburger Weinstraße arg in die Jahre gekommen und sollen saniert werden. Dringend ersetzt werden müsste auch die betagte Küchenzeile im Besucherraum. Sollte das Geld reichen, soll auch noch ein Kleinwagen für Besorgungen angeschafft werden.

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