Zwischen Lahr und Seelbach

Windradbrand auf dem Langenhard: Ursache noch völlig unklar

Autor: 
Matthias Jundt und Jens Sikeler
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
08. Februar 2019
Video starten
Mehr zum Thema

Die abgebrannt Windkraftanlage. ©Benedikt Spether

Das Maschinenhaus einer Windkraftanlage auf dem Langenhard bei Lahr und Seelbach ist am frühen Freitagmorgen durch einen Brand zerstört worden. Die Einsatzkräfte konnten das Feuer kontrolliert abbrennen lassen, der Bereich um die Windkraftanlage bleibt aber weiträumig gesperrt. Zuletzt hatte es dort vor sechs Jahren gebrannt.

Die Nachricht von »einem großen Brand auf dem Langenhard« ist nach Angaben der Polizei gegen 2.30 Uhr am Freitagmorgen bei der integrierten Leitstelle in Offenburg eingegangen. Kurze Zeit später waren die Feuerwehren vor Ort auf dem Höhenzug zwischen Lahr und Seelbach. Das Maschinenhaus der Anlage brannte, ein Propeller war zu Boden gefallen. 

128,5 Meter hoch

Die Anlage vom Typ Nordex S77 ist nach Angaben von Petra Zentgraf, der Prokuristin und Sprecherin der Freiburger Ökostromgruppe, 128,5 Meter hoch. Die drei Rotorblätter haben einen Durchmesser von 77 Metern. Betreiber der Anlage ist die regiowind plus Lahr/Seelbach GmbH, eine Tochter der Ökostromgruppe. 

Viel tun konnten die Feuerwehrmänner nicht mehr, wie der Einsatzleiter, der Seelbacher Kommandant Bernd Wagner, erläuterte: »Die einzige Möglichkeit ist, das Ding kontrolliert abbrennen zu lassen und den Bereich großräumig abzusperren.« 500 Meter beträgt laut Weber der Absperrradius rund um das Wrack.  Die Absperrung soll zumindest vorerst bestehen bleiben. Bei Missachtung droht die Stadt Lahr mit einem Zwangsgeld von 500 Euro. 

Am Tag zuvor gewartet

Wie Kamera24.TV berichtet, war die halbjährig fällige Wartung der Windkraftanlage erst am Abend zuvor abgeschlossen worden. Der Sachverständige Christoph Lobert aus Rennerod, der die Wartung durchgeführt hatte, war am Freitagmorgen an der Brandstelle. Er sagt: »Natürlich fragt man sich, wenn so etwas passiert, ob man nicht doch etwas übersehen hat. Doch Elektrobauteilen sieht man es meist nicht an, wenn sie kurz davor sind, kaputt zu gehen.« Das bestätigt auch Zentgraf. »Die Firma war gestern da. Eigentlich sind wir mit denen sehr zufrieden. Es gibt keine Anhaltspunkt dafür, dass sie etwas falsch gemacht haben.« 

 

 

Die Nachricht vom Brand auf dem Langenhard hat die Sprecherin am frühen Morgen erreicht. »Ich habe es kaum glauben können«, sagte sie. »Es ist so unwahrscheinlich, dass eine Mühle brennt.« Zwei Anlagen hat ihr Unternehmen auf dem Langenhard errichtet. Die erste brannte bereits 2013  nieder. Immerhin: Die Prokuristin kann nahezu ausschließen, dass es sich um dieselbe Ursache wie vor sechs Jahren handelt, obwohl die beiden Anlagen baugleich sind. Damals habe eine Überspannung zu dem Brand geführt. Der Schaltschrank in der verbliebenen und jetzt abgebrannten Windkraftanlage sei danach modifiziert worden. 

Sachverständiger im Einsatz

Die Ursache für den Brand soll jetzt ein Sachverständiger herausfinden. Es ist laut Zentgraf derselbe wie 2013. Man habe mit ihm damals gute Erfahrungen gemacht. Zunächst müsse aber geprüft werden, ob die Anlage noch standfest genug sei, um betreten zu werden. Ansonsten komme eine Hubbühne zum Einsatz.

Konkrete Angaben kann Zentgraf zum Schaden machen: »Eine halbe Million Euro ist weg. Aber die Anlage ist versichert.« An der Finanzierung der Mühle waren 120 Bürger beteiligt. »Für die versuchen wir den Schaden so gering wie möglich zu halten«, kündigte der Geschäftsführer der Ökostromgruppe Andreas Markowsky an.  Leicht wird das aber nicht. »Wir werden mit der Anlage sicher keinen Strom mehr produzieren.« 

Wird das Grundstück verkauft? 

Was genau mit dem Standort passieren soll, ist derweil noch unklar. Ausschließen kann Zentgraf bisher nur, das eine Anlage desselben Typs wieder gebaut wird. Möglich sei ein sogenanntes Repowering, also der Bau einer leistungsstärkereren Windkraftanlage Die Sprecherin verweist auch darauf, dass das Grundstück nach dem letzten Brand erfolgreich vermarktet worden sei. Da gebe es sicher ein paar Optionen. 

Hintergrund

Deshalb konnten die Feuerwehren nicht löschen

Das Vorgehen der Feuerwehrleute bei dem Windkraftanlagenbrand entspricht dem Standardvorgehen, wie Reinhard Kirr, der Dezernent für Sicherheit und Ordnung des Ortenaukreises, erläuterte. Eine Gefährdung der Bevölkerung solle durch eine großzügige Absperrung verhindert werden. 

Das Problem für die Feuerwehrleute ist die Höhe der Anlagen. Das Maschinenhaus der zerstörten Anlage befindet sich auf 91 Metern Höhe. Mit einer Drehleiter und einem Strahrohr können laut Kirr aber nur Brände bis zu einer Höhe von 30 Metern erreicht werden. Es bestehe deshalb keine Möglichkeit zu löschen.  

Die größten Gefahren entstehen beim Brand einer Mühle durch herabfallende Teile und durch Brände, die durch brennende Teile ausgelöst werden können, teilt der Dezernent mit. Dem Betreiber einer Windkraftanlage obliegt es nach Angaben von Kirr, für die Wartung der Anlage zu sorgen und sich von dessen einwandfreien Zustand zu überzeugen.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
15.02.2019
Bars, Musik, Kostümprämierung
Schon siebenmal fand der Gammlerball in Kehl bislang am Schmutzigen Donnerstag statt. In diesem Jahr ist das anders. Erstmals wird in der Stadthalle am Fasnachtssamstag gefeiert. Neben DJ Vuko sorgen verschiedene Narrenzünfte und die Gammlerbänd Willstätt für die Musik. Mit der Terminänderung aufs...
13.02.2019
Manufaktur für orthopädische Leistungen
Sie tragen uns im Laufe unseres Lebens durchschnittlich 180.000 Kilometer – unsere Füße. FUSS ArT, die Manufaktur für orthopädische Leistungen rund um den Fuß, ist seit Anfang Februar 2019 in der Moltkestraße 30-32 in Offenburg am Start und bietet ihren Kunden ein umfassendes Leistungsspektrum und...
04.02.2019
Offenburg
Das Braun Möbel-Center bietet Wohnmöbel in vielen Formen, Farben und Materialien. Vom 7. bis zum 9. Februar findet auf dem Gelände die dreitägige Möbelmesse statt. Hier können die Kunden in verschiedenen Themenwelten die aktuellsten Wohntrends entdecken. Neben einem großen Sonderverkauf gibt es...
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 1 Stunde
Investitionen von bis zu 4,5 Millionen Euro
Das Pflege- und Betreuungsheims Ortenau (PBO) soll auf 60 statt wie bisher geplant auf 45 Plätze erweitert werden. Das empfiehlt der Krankenhausausschuss dem Kreistag. 
vor 3 Stunden
Klimaschutz wurde thematisiert
Die Freie Demokratische Partei (FDP) hat in einer Veranstaltung der Verbände Offenburg, Lahr, Ortenau und Emmendingen in Offenburg über die Zukunft der Europäischen Union diskutiert. Die Partei stellte dabei ihr Konzept zur Europawahl vor.
vor 4 Stunden
Ortenau
In Oppenau sind am Montag zwei Schafe gerissen worden – möglicherweise von einem Wolf. Experten schließen das zumindest nicht aus. Klarheit wird es erst in einigen Wochen nach der Untersuchung der Rissabstriche geben. Doch bereits im Januar war ein Wolf im Kinzigtal unterwegs.
vor 4 Stunden
Offenburg
Seit fast zwei Jahrzehnten engagieren sich ehrenamtliche Aufleser, damit Blinde und sehbehinderte Menschen die »Zeitung zum Hören« mit Lokalnachrichten aus der Mittelbadische Presse bekommen. Beim Auflesertreffen ging es um Technisches: Es wurden Tipps ausgetauscht.  
 städtisches Großprojekt im Straßenbau ist in diesem Jahr der Ausbau der Wilhelmstraße, unter anderem mit zwei neuen Bushaltestellen. Teilweise wird voll gesperrt.
vor 12 Stunden
Stadtverwaltung erläuterte Maßnahmen 2019
Auch in diesem Jahr müssen sich die Autofahrer in Offenburg wieder auf einige Baustellen einstellen. Das machten Thilo Becker und Bernhard Mußler vom städtischen Fachbereich Tiefbau und Verkehr gestern deutlich, als sie im Rahmen eines Pressegesprächs die Straßenbaumaßnahmen für 2019 präsentierten...
vor 14 Stunden
Professor der Hochschule gibt Tipps
Die Hochschule Offenburg ist im Bereich Internetsicherheit gut aufgestellt, wie Erik Zenner, Professor für Informatik, im Interview erläutert. Er erklärt, welche Bedeutung Blockchain-Technologien für unsere Gesellschaft haben und wie man sich vor Hackerangriffen schützen kann.
vor 14 Stunden
Ab 4 Uhr morgens
Die Fahrer der Südwestbusse der Deutschen Bahn, des Regionalbusverkehrs Südwest (RVS), sollen heute, Dienstag, streiken. Wie die für die RVS zuständige Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft mitteilt, soll die Arbeit ab Dienstbeginn um 4 Uhr niedergelegt werden.
vor 15 Stunden
Noch sind die Nächte eisig
Viele Autos sind am Morgen noch vereist – trotz der allmählich milder werdenden Temperaturen im Verlauf des Tages. Der ADAC Südbaden und das Polizeipräsidium Offenburg geben Tipps, was bei vereisten Autoscheiben unbedingt beachtet werden muss.
Übersicht der Trassenvarianten / B415 Ortsumfahrung Kuhbach/Reichenbach
vor 16 Stunden
Region Lahr
Auch nachdem das Regierungspräsidium Freiburg vor knapp zwei Wochen den Lahrern auf einer Info-Veranstaltung den aktuellen Sachstand zur Ortsumfahrung Kuhbach/Reichenbach dargestellt hat, bleiben für viele noch Fragen offen. Der Lahrer Anzeiger stellt die jeweiligen Varianten für eine Ortsumfahrung...
Mit rund 15 000 Übernachtungen pro Tag bricht die 4400 Einwohner starke Gemeinde Rust Rekorde. Jeder achte Haushalt vermietet Ferienzimmer oder -wohnungen.
vor 16 Stunden
Konzept für Ferienwohnungen
Nirgends im Land gibt es  mehr Übernachtungsgäste auf die Pro-Kopf-Einwohnerzahl als in Rust: Über eine Million wurden dort zuletzt gezählt. In den Sommermonaten beträgt die Auslastung 50 Prozent – das schaffen nur wenige Kommunen.
vor 17 Stunden
Sichtung in Gengenbach
Nach einer Sichtung bei Gengenbach scheint es so, als kämen die Lachse langsam aber sicher wieder in die Kinzig zurück. Mit etwas Glück könnte jeder einen der Fische zu Gesicht bekommen - diese sind aber streng geschützt und dürfen auf keinen Fall beangelt werden. 
Symbolbild
18.02.2019
Geschwindigkeitskontolle
Das Verkehrskomissariat Offenburg hat am Sonntag innerhalb von drei Stunden mehr als 300 Tempoverstöße festgestellt. Die Temposünder waren auf der A 5 im Bereich Schutterwald bei einer Kontrolle erwischt worden.