Neue Flaschenbiersorten ziehen
Dossier: 

Brauereien kommen bislang mit blauem Auge durch die Krise

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02. Mai 2021
Der Roboterarm in der Fassabfüll-Anlage (erst im Herbst 2019 installiert) der Brauerei Ketterer steht still. Der Verkauf von Bierfässern ist komplett eingebrochen.

Der Roboterarm in der Fassabfüll-Anlage (erst im Herbst 2019 installiert) der Brauerei Ketterer steht still. Der Verkauf von Bierfässern ist komplett eingebrochen. ©Ketterer Brauerei

Zum Tag des Deutschen Bieres am 23. April berichten fünf Brauereien der Region, wie es ihnen aktuell ergeht. Der verstärkte Umsatz beim Flaschenbier hat die Verluste etwas ausgeglichen.

Seit 2020 zählt das Handwerk des Bierbrauens zum Immateriellen Kulturerbe in Deutschland. Mit dem Tag des Deutschen Biers am 23. April starten der Landesbrauerbund (BWB) und Tourismus Marketing Baden-Württemberg (TMBW) eine gemeinsame Online-Kampagne, die unter dem Hashtag #bierbrauenbw die Vielfalt an Bierstilen und Braustätten im Südwesten vorstellt, wo es mehr als 1500 unterschiedliche Biere gebe. Doch wie ergeht es den Brauereien durch die Ausfälle in der Gastronomie und durch das Veranstaltungsverbot?

Spezialsorten ziehen

Bei der Schlossbrauerei Stöckle in Kippenheim-Schmieheim, wo das Hieronymus-Bier in Bügelflaschen produziert wird, verzeichnet Inhaber Jörg Lusch bis zu 50 Prozent mehr Umsatz bei den Spezialsorten Geroldsecker und Gründer-Bier: „Bis Februar war der Absatz noch verhalten, aber Richtung Ostern zog es an“, berichtet er. Die Beliebtheit der Spezialsorten habe sich auch bei einer Online-Verkostung gezeigt.
In seinem 10-Mann-Betrieb, der nur für die Region produziert, schätzt Lusch die aktuellen Umsatzrückgänge auf acht Prozent. Kurzarbeit half. Den Verlust durch abgelaufenes Fassbier konnte sein Team gering halten, wie Lusch erzählt.

Von „massiven Absatzrückgängen“ spricht die Brauwerk Baden GmbH in Offenburg. Schnellstens musste der Betrieb auf Corona-Modus umgestellt werden, ein großer Teil der Belegschaft ging in Kurzarbeit und Homeoffice. Die Konzentration galt beim Brauwerk dem Flaschenbier, neue Produkte wie das alkoholfreie „B – free“ und das Biermischgetränk „Bisuo“ wurden eingeführt, „um dem Zeitgeist Folge zu leisten“. Die Fassabfüllung wurde auf ein Minimum reduziert (meist 15-Liter-Partyfässer). Bei den staatlichen Förderprogrammen warte das Offenburger Unternehmen noch auf die Auszahlungen. Trotz dieser Enttäuschung „konnten wir alle Mitarbeiter halten“, heißt es vom Brauwerk.

„Wir sind bisher mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen“, sagt Markus Schlör von Alpirsbacher Klosterbräu. Das fehlende Gastronomiegeschäft hinterlasse eine Lücke von etwa 30 Prozent, die teilweise durch Steigerungen beim Flaschenbier kompensiert werde. Der lange Winter habe aber dem Absatz geschadet. Während die Biermischgetränke noch etwas hinterher hinken, laufe der Absatz des Kloster Helles sehr gut. Generell sei bei den filtrierten untergärigen Bieren ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen.

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Alpirsbacher habe alle Mitarbeiter halten können, in den geschlossenen Unternehmensbereichen wurde Kurzarbeit in Anspruch genommen. Weitere staatliche Hilfen habe man nicht erhalten, weil der Umsatzverlust bei weniger als 30 Prozent lag. Schlör kritisiert, dass die Erstattungen nicht am tatsächlichen Umsatzverlust angelehnt sind. Alpirsbacher ist der Meinung, dass insbesondere im Außenbereich die Gastronomie die Hygieneauflagen besser einhalten kann als alle privaten Treffen und wünscht sich ab Anfang Mai klare Öffnungsperspektiven.

Keine Entlassungen

„Wir sind überdurchschnittlich stark mit der Gastronomie verbunden“, erklärt Geschäftsführer Philipp Ketterer von der Brauerei Ketterer in Hornberg. Da etwa die Hälfte des Bierausstoßes in die Wirtshäuser der Region fließe (der Branchenschnitt liege bei rund 20 Prozent), schmerzt der Lockdown das weiterhin 31-köpfige Team besonders. Nur wenige seien in Kurzarbeit. Investitionen wurden verschoben.

Ketterer habe die Erfahrung gemacht, dass Kunden verstärkt nach regionalen Lebensmitteln greifen. Die Verluste würden hierdurch aber nicht ansatzweise kompensiert. „Bier braucht Anlass“, sagt der Geschäftsführer, der 14 Biersorten bieten kann. Abgelaufenes Fassbier musste weggeschüttet werden.

Erstmals Anspruch auf Unterstützung hat Ketterer durch die Überbrückungshilfe III. Trotz der herausfordernden Situation blicken die Hornberger zuversichtlich nach vorne, was sich auch im Neubau einer Lagerhalle zeigt.

Hintergrund

Die Ein-Mann-Brauerei

Die Ein-Mann-Brauerei „Kleines Brauhaus“ in Schwanau-Wittenweier ist bislang einigermaßen gut über die Runden gekommen. Unterstützt von (pünktlich eingetroffenen) staatlichen finanziellen Hilfen und vor allem von der Solidarität seiner Kunden klagt Inhaber Benjamin Herr nicht allzu laut. Fassbier hatte er erst gar nicht produziert, da er nur auf Kundenwunsch abfüllt. Was ihm allerdings komplett fehlt, ist die Ausstattung von Feiern mit Sitzgarnituren und Kühlschränken.
Zum Verkaufsschlager entwickelte sich das rötliche Fest-Bier. Das hatte er zum ausgefallenen 750-jährigen Dorfjubiläum Wittenweiers 2020 mit speziellem Malz produziert. Die Dorfbewohner scheinen es zu mögen. Benjamin Herr hofft nun, dass es im Sommer wieder normal zugeht: „Nochmal mit einem leeren Konto in einen Winter zu gehen, da kriege ich schon Bauchweh.“

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