Bus für Menschen mit Demenz fehlt im Großraum Kehl

Autor: 
Thomas Reizel
Jetzt Artikel teilen:
14. November 2016

Die »Leser helfen«-Aktion der Mittelbadischen Presse bittet außer um Spenden für die Offenburger Pflasterstube und das Jugendrotkreuz in Offenburg auch um welche für die fünf Demenzgruppen im Raum Kehl. Es geht um einen Bus, mit dem mindestens vier Rollstuhlfahrer gleichzeitig befördert werden können.
 

Kehl. »Für demenziell erkrankte Menschen sind Rituale von ganz besonderer Bedeutung.« Das weiß Anita Reuter, Initiatorin der fünf Demenz-Gruppen und beim DRK Kreisverband Kehl für die ehrenamtliche Mitarbeit zuständig, nur zu gut. Deshalb sind auch die Demenzgruppen im Café »Vergiss-mein-nicht«, so heißt das Nachmittagsangebot des DRK, nach ganz bestimmten Abläufen organisiert (wir berichteten).

Zu diesen Regelmäßigkeiten gehört auch der Hol- und Bringdienst für die Gäste, der für die Angehörigen kostenfrei ist. Doch es fehlt ein Fahrzeug, mit dem vier Rollstuhlfahrer gleichzeitig befördert werden können. Bisher geht das nur für zwei. Doch das sorgt für Unruhe: »Entweder kann die Gruppe noch nicht anfangen, weil noch nicht alle da sind und ein zweites Mal gefahren werden muss, oder es sorgt sogar für Panik, wenn abends nicht gleich alle nach Hause kommen. Einige Gäste glauben dann, sie dürfen nicht mehr heim und müssen da bleiben«, sagt Anita Reuter. Um das zu ändern, möchte »Leser helfen« einen Bus finanzieren. Er kostet rund 55 000 Euro.

Der Fahrdienst muss teils weite Strecken zurücklegen. »Wenn wir mit dem Bus von Kehl zweimal in Rheinaus Ortschaften fahren müssen, kommen schnell um die 120 Kilometer zusammen«, erläutert Anita Reuter. Doch der Fahrdienst ist an jedem Wochentag unterwegs. Je ein Treffen findet in Bodersweier, Goldscheuer, Willstätt, Eckartsweier und Rheinau-Holzhausen statt.

Einordnung unmöglich

- Anzeige -

In allen Gruppen beginnt das Treffen, das demenziell erkrankte Menschen Abwechslung und ihren Angehörigen eine Atempause verschaffen soll, mit einem Kaffeekränzchen, es folgen Bewegung, Musik oder Basteln. Die Gäste sind an sich ständig wiederholende Abläufe gewohnt, doch das kann sich schnell ändern, wenn der Fahrdienst nicht funktioniert. »Sind unsere Gäste unruhig, ist es auch für uns Personal eine große Aufgabe, sie zu beruhigen. Denn sie können nicht einordnen, was um sie herum passiert«, berichtet Anita Reuter. Um allen diese sehr belastende Situation zu ersparen, hofft »Leser helfen« auf genügend Spenden, um den großen Wunsch des DRK Kreisverbands Kehl wahr werden zu lassen –einen neuen, großen Bus für mindestens vier Rollstuhlfahrer des Café »Vergiss-mein-nicht«.

Stichwort

Gedicht "Vergissmeinnicht"

Demenzkranke Menschen brauchen feste Rituale. Im Raum Kehl gibt es in fünf Gemeinden das Café »Vermiss-mein-nicht«. Zu Beginn jeder Gruppe sprechen die Cafégäste gemeinsam ein Gedicht. Es lautet:

  • Es blüht ein schönes Blümchen auf uns’rer grünen Au. Sein Aug’ ist wie der Himmel, so heiter und so blau.
  • Es weiß nicht viel zu reden und alles, was es spricht, ist immer nur dasselbe, ist nur Vergissmeinnicht.
  • Wenn ich zwei Äuglein sehe, so heiter und so blau, so denk’ ich an mein Blümchen auf uns’rer grünen Au.
  • Da kann ich auch nicht reden, und nur mein Herze spricht, so bange nur und leise, und nur Vergissmeinnicht! (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, (1798 bis 1874).

Verwandte Inhalte zu dem Artikel

  • DRK-Demenzgruppen bieten Angehörigen eine Verschnaufpause

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

200.000 Euro Beute
21. Februar 2018
Polizei und Staatsanwaltschaft haben Anfang Februar drei Männer verhaftet, die für 14 Einbrüche, auch in der Ortenau, verantwortlich sein sollen - einem droht nun die Abschiebung. 
Kommentar zur Landesheimbauverordnung
21. Februar 2018
Ortenauredakteur Jens Sikeler erläutert in seinem Kommentar, warum die Würde des Menschen wichtiger ist als steigende Kosten für die Heimpflege. 
Nur noch Einzelzimmer
21. Februar 2018
Die Landesheimbauverordnung sieht vor, dass es in den Heimen bis 2034 in der Ortenau nur noch Einzelzimmer geben wird. Dadurch werden für viele Bewohner allerdings auch die Kosten steigen. 
Prozess am Landgericht Offenburg
20. Februar 2018
Ein Mann sticht auf seine Ex-Freundin mit einem Taschenmesser ein und verletzt diese schwer, der Fall kommt vor Gericht. Der Vorwurf: versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Am Dienstag wurden die Plädoyers von Anklage und Verteidigung gehört. 
Zwei andere Fahrzeuge beschädigt
20. Februar 2018
Auf der A5 nahe Renchen hat ein Unfallfahrer am Montagabend Autoteile verloren und die Fahrzeuge zwei weiterer Verkehrsteilnehmer beschädigt. Die beiden Insassen des unfallverursachenden Wagens flüchteten vom Ort des Geschehens.
Wie viele Kinder unter drei Jahrne dürfen bei der Tagesmama sein? Das Landratsamt zog seine Revision zu dieser Frage zurück.
Formfehler
20. Februar 2018
Die Klage einer Tagesmutter gegen die Forderung des Kreises, nicht mehr als drei Kinder unter drei Jahren zu betreuen oder fünf in einer altersgemischten Gruppe, wurde gerichtlich endgültig zugunsten der Klägerin entschieden. Das Jugendamt will Erlaubnis zur Kindertagespflege auf die gleichzeitige...
Alle Standorte erhalten
19. Februar 2018
Landrat Frank Scherer hat auf die Diskussionen um die zukünftige Struktur des Ortenau-Klinikums reagiert. In einem ausführlichen Schreiben an die Mitglieder des Kreisrats legte er seine Position in der Sache dar.
Kommentar
19. Februar 2018
Redakteur Jens Sikeler sieht das Schreiben von Landrat Frank Scherer zur Klinik-Diskussion in seinem Kommentar auch als Warnsignal. 
Studieren für den öffentlichen Dienst
19. Februar 2018
Wäre es nicht spannend, selbst die Weiterentwicklung von Staat und Kommunen aktiv mitzugestalten und über die Zukunft einer Gemeinde zu entscheiden?
Urteil wurde verschoben
19. Februar 2018
Ein 55 Jahre alter Mann hat im Dezember 2016 auf seine Ex-Freundin eingestochen und diese verletzt. Wegen versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung muss er sich vor dem Offenburger Landgericht verantworten. 
Schmerzliche Einschnitte möglich
19. Februar 2018
Landrat Frank Scherer hat sich in einem Schreiben an die Kreisräte, das der Mittelbadischen Presse vorliegt, für den Erhalt aller Standorte des Ortenau-Klinikums eingesetzt. Gleichzeitig machte er aber auch deutlich, dass möglicherweise „schmerzhafte Entscheidungen“ nötig sein werden.
Diskussion um kostenlose Tickets
19. Februar 2018
Kostenloser öffentlicher Personennahverkehr um die Feinstaubbelastung zu senken und das Klima zu schonen, stößt bei den Anbietern und Städten auf wenig Gegenliebe. Um mehr Menschen zum Umsteigen zu locken, müsse man andere Ansätze haben, kritisieren die Unternehmen.