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Corona-Entwicklung in der Ortenau: Die wichtigsten Antworten

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03. Februar 2021
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©Tom Weller/dpa

Der Inzidenzwert in der Ortenau ist der zweithöchste im Land. Landrat Frank Scherer hat eine Vermutung, woran das liegen könnte. Möglicherweise werde im Kreis mehr getestet als anderswo. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.  

Die Unterschiede sind dramatisch. Am Dienstagabend lag der 7-Tage-Inzidenzwert in der Ortenau bei 121,6 (s. „Corona Aktuell). Das ist rund fünf mal so hoch wie im Landkreis Emmendingen (27,6) und rund drei Mal so hoch wie im Landkreis Rastatt (43,6). Auch der Landkreis Breisgau Hochschwarzwald steht mit einem Inzidenzwert von 61,8 deutlich besser da. Am Dienstag betrieb Landrat Frank Scherer bei einer virtuellen Pressekonferenz, an der unter anderem auch die Leiterin des Kreisgesundheitsamts, Evelyn Bressau, die Pandemiebeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung, Doris Reinhardt, und Klinkchef, Christian Keller, teilnahmen, Ursachenforschung. 

Wieso ist der Inzidenzwert in der Ortenau sehr viel höher als in den Nachbarlandkreisen? 

„Wir vermuten, dass wir einen besonders guten Überblick über das Pandemiegeschehen haben“, sagte Scherer bei der Pressekonferenz. „Wenn ich viel teste, ist es nachvollziehbar, dass ich viele positive Ergebnisse finde.“ Er geht also davon aus, dass in der Ortenau mehr gestetet wird als in anderen Landkreisen. Der Landrat schränkt aber ein, dass es sich dabei bislang nur um eine Vermutung handelt, die sich aktuell nicht mit Zahlen untermauern lässt. 

Bislang wird die Zahl der Tests nur für Baden-Württemberg insgesamt, aber nicht für die anderen Landkreise übersetzt. „Ich halte es für problematisch, dass wir keinen Überblick über das Testgeschehen haben“, monierte Scherer. Praktische Relevanz könnte der Inzidenzwert dann bekommen, wenn es um die Lockerungen der Corona-Maßnahmen in den Kreisen geht. Der Landrat jedenfalls wendet sich schon jetzt dagegen, solche Entscheidungen auf eherer schütterer Zahlenbasis zu fällen. 
Um seine Thesen zu begründen, zählt Scherer die Gemeinsamkeiten zwischen den Landkreisen auf. „Wir können bei allen Recherchen keinen Sonderfaktor feststellen“, machte Scherer deutlich. Weder die Ausbreitung des mutierten Coronavirus noch Pendler aus Frankreich taugen laut dem Landrat als Erklärung. Auch die Bevölkerung verhalte sich nicht anders als in anderen Landkreisen.

Als mögliches Indiz für seine Vermutung führt Scherer die Zahl der Covid-Patienten an, die das Ortenau-Klinikum medizinisch betreut. Wäre die Zahl der Infzierten in der Ortenau höher als in anderen Landkreisen, müsste sich das auch in den Patientenzahlen niederschlagen. Bei denen gebe es aber in der Ortenau keine nach oben abweichende Besonderheit. 

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt Tests bei möglichen Covid-Patienten mit leichten Symptomen nur, wenn sie zusätzlich etwa einer Risikogruppe angehören oder in der Pflege oder einem medizinischen Beruf tätig sind. Reinhardt fasst ihre Empfehlung an ihre Kollegen dagegen so zusammen: „Wer nicht bei drei auf dem Baum ist, wird getestet.“ Soll heißen, auch Menschen mit leichten Symptomen bekommen einen PCR-Test. Und auch bei Kontaktpersonen gebe es eine sehr großzügige Regelung, machte Evelyn Bressau, die Leiterin des Gesundheitsamts, deutlich. Außerdem erhält man in der Ortenau eine Krankmeldung wegen Corona nur nach erfolgtem Test. Ob das die Pandemiebeauftragten in anderen Landkreisen ähnlich handhaben, vermochte Reinhardt allerdings nicht zu sagen. 

Immerhin: Im Vergleich zum Frühjahr haben die Labore laut Bressau ihre Testkapazitäten deutlich aufgestockt. Sie könnten momentan sogar noch mehr testen. 

Welche Rolle spielen Pendler aus Frankreich für die Infektionszahlen? 

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Scherer äußert sich dazu unmissverständlich: „Der Grenzverkehr ist kein besonderer Pandemietreiber.“ DerLandrat macht sich eher darüber Sorgen, was geschieht, wenn Frankreich vom Robert-Koch-Institut zum Risikogebiet erklärt werden sollte. In diesem Fall könnte die 24-Stunden-Regelung wegfallen, die etwa Berufspendlern aus Frankreich die Einreise ohne negativen PCR-Test erlaubt, wenn sie sich weniger als einen Tag in Deutschland aufhalten. „Wir sind auf die Pendler aus Frankreich etwa im Pflegedienst angewiesen“, betonte Scherer. Er forderte stattdessen ein „einheitliches Vorgehen am Oberrhein“.  

Welche Rolle spielt die Mutation des Coronavirus für das Infektionsgeschehen im Landkreis? 

65 Fälle der Mutation hatte das Gesundheitsamt bis Dienstag registriert, wie Landrat Frank Scherer erläuterte. Im Landkreis Breisgau Hochschwarzwald waren es bis zum Sonntag  42. Allerdings wohnen dort auch nur knapp 263 000 Menschen und nicht knapp 430000 wie in der Ortenau. 

Das mutierte Coronavirus hat bislang, so Scherer, allerdings nur einen Anteil von 7,17 Prozent an den registrierten Neu-Infektionen. „Alle positiven Proben werden auf die Mutation getestet“, erläuterte Bressau. Bislang handle es sich bei allen entdeckten Mutationen um die Großbritannien-Variante. Neben einem  großen Ausbruch im Oberkircher Pflegeheim St. Josef (wir berichteten), gebe es viele kleine Ausbrüche. 

Zwei Erkenntnisse hat Bressau bislang gewonnen: „Wir dürfen davon ausgehen, dass wir die Mutationen schon länger in Baden-Württtemberg  und in der Ortenau haben.“ Die Expertin beruft sich dabei auf Personen, die bereits vor Wochen positiv getestet wurden und bei denen die Labore jetzt die Mutation entdeckt haben. 

„Wir gehen davon aus, dass die Mutation sechsfach infektiöser ist“, machte Reinhardt deutlich. Sowohl die Ärztin als auch die Leiterin des Gesundheitsamts betonten deshalb die Bedeutung der Schutmaßnahmen, wie das Tragen von FFP2-Masken und das Abstandhalten. Bressau appellierte außerdem an die Eltern, darüber nachzudenken, ob deren Kinder wirklich die Notbetreuung besuchen sollten. 

Wie laufen die Impfungen in den Pflegeheimen und Kreisimpfzentren? 

64 stationäre Pflegeeinrichtungen gibt es nach Angaben von Reinhardt in der Ortenau. In 40 von ihnen hätten die mobilen Impfteams Bewohnern und Pflegern zumindest die erste Impfdosis verabreicht. Die Hausärztin geht davon aus, dass bis Ende Februar alle Pflegeeinrichtungen abgedeckt sein sollten. 
Von einem „Start mit angezogener Handbremse“ sprach dagegen Diana Kohlmann, beim Landratsamt die zuständige Dezernentin für die beiden Kreisimpfzentren in Lahr und Offenburg. Für jedes Impfzentrum habe das Land in den kommenden sechs Wochen nur 42 Impfdosen vorgesehen. 

In den Krankenhäusern Lahr und Ettenheim mussten in der vergangenen Woche nach einem Corona-Ausbruch Stationen gesperrt werden. Wie ist die Lage jetzt? 

Klinikgeschäftsführer Christian Keller geht davon aus, dass sich die Lage an den beiden Standorten in den kommenden Tagen stabilisieren wird. Das Klinikum habe auf den Ausbruch unter anderem mit vermehrten Tests reagiert. Die Zahl der Corona-Patienten stellt das Kinikum aber vor keine Probleme, betonte der Geschäftsführer. Trotz der deutlich höheren Infektionszahlen als im Frühjahr seien aktuell die Patientenzahlen geringer, ergänzte Christian Schröder, der leitende Krankenhaushygieniker. 

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