Neue Serie: "Wir sind systemrelevant"

Das Offenburger BAV Institut testet jetzt auch auf Coronavirus

Autor: 
Michael Haß
Lesezeit 3 Minuten
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10. April 2020
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Buchstäblich unter die Lupe genommen werden in den Laboren des Offenburger BAV Institut Lebensmittel aller Art. Produkte wie Fleisch, Milch oder auch Feinkost werden nach Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilzen untersucht. Seit dieser Woche kann das Unternehmen übrigens auch Oberflächen auf Corona-Viren untersuchen. ©BAV Institut

Die Mittelbadische Presse stellt Ortenauer Firmen vor, die in der Corona-Krise unverzichtbar sind. In der ersten Folge: Das Offenburger BAV Institut sorgt für Hygiene- und Qualitätskontrollen.

Paul Andrei ist keiner, der so leicht aus der Ruhe zu bringen ist. Der 49-Jährige gründete 1997 sein Institut und zählt zu den systemrelevanten Unternehmen, die in der Corona-Krise für die Versorgung der Menschen unabdingbar sind.

Vielfältige Arbeit

„Wir untersuchen Produkte auf Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze“, erklärt der Lebensmittelingenieur und gibt einen Einblick in die vielfältige Arbeit seiner Mitarbeiter. Täglich werden im Labor mikrobiologische Parameter in diversen Lebensmitteln wie Fleisch, Milch, Feinkostprodukten, Mischsalaten, Speiseeis, Back- und Konditoreiwaren, Speisen und Getränken im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe genommen. Dafür braucht’s Fingerspitzengefühl, ein gutes Auge und topmoderne Ausstattung. Damit ist das Institut ein wichtiges Glied in der Qualitätssicherung von Lebensmitteln, Kosmetik und Arzneimittel.

BAV seht für „beraten – analysieren – verbessern“. Seit dieser Woche hat das Institut auch die Möglichkeit, Oberflächen auf Corona-Viren zu testen. Dabei werden Proben mit Tupfer oder Spezialschwämmen genommen. Nach ein bis zwei Tagen steht das Ergebnis fest. „Das gibt unseren Kunden Sicherheit.“

Gestiegene Ansprüche

Neben Laboruntersuchungen unterstützt das Team von Paul Andrei Kunden durch praxisnahe Beratungen und Schulungen rund um die Hygiene- und Qualitätskontrolle. „Wir haben ein topausgestattetes Labor und können schnell und zuverlässig Ergebnisse liefern.“ Mit modernsten Analysetechniken ermittelt das Labor die Zusammensetzung, Nährwerte oder ausgewählte Parameter zur Charakterisierung der Produktqualität, zur Überprüfung der Einhaltung von Produktspezifikationen sowie von gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten.

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Durch die Lebensmittelinformations-Verordnung ist die Angabe von Nährwerten zur Pflicht geworden. Dabei geht es um Nährwertanalysen wie Fette, Eiweiß, Zucker, Ballaststoffe sowie Analysen von Mineralstoffen, Spurenelemente sowie Vitamingehalten. „Das steigende Bewusstsein der Verbraucher für hochwertige, unbelastete und nahrhafte Lebensmittel hat unsere Arbeit unverzichtbar gemacht.“ Auch Kosmetika, Körperpflege- und Reinigungsprodukte sollen wirksam, gleichzeitig aber auch dermatologisch und ökologisch unbedenklich sein. „Das ist gleichermaßen der Wille von Verbrauchern und dem Gesetzgeber.“ Die Ansprüche an Inhalts- und Rohstoffe, die den Produkten zugrunde liegen, steigen dadurch ständig.

Führendes Kontrollinstitut

Als Paul Andrei 1997 das Institut im Offenburger Technologiepark gründete, hatte er nicht damit gerechnet, 23 Jahre später zu einem der führenden Qualitäts- und Hygienekontrollinstitute im Südwesten zu gehören. 2007 ist er mit seinem Unternehmen in die Hanns-Martin Schleyer-Straße umgezogen. 

Der Unternehmer beschäftigt Labor-Assistenten, Lebensmittelchemiker, Oecotrophologen und Lebensmittelingenieure. An Desinfektionsmitteln und Einweghandschuhe mangelt es bei ihm nicht. „Da haben wir glücklicherweise vor der Pandemie genügend bestellt.“

Auslastung geriner

Auch wenn BAV in der Krise als systemrelevant gilt: Die Auslastung seines Labors ist nicht so hoch wie vor der Krise. „Das liegt daran, dass unsere Kunden auch Schwierigkeiten haben, zu produzieren.“ Bei BAV arbeitet derzeit nur die Kundenbetreuung im Home-Office. Die Labormitarbeiter sind alle vor Ort. „Wir kümmern uns nach wie vor um Proben und Anfragen. Unser Ziel ist es, von der Probenabholung bis zur Interpretation der Ergebnisse schnelle und zuverlässige Lösungen anzubieten.“ 

Paul Andrei hofft, dass die Krise in ein bis zwei Monaten überstanden ist. „Es geht mir auch um das Wohl meiner Mitarbeiter und Kunden.“

Hintergrund

Korsettstangen des Gemeinesens

Spätestens seit der Finanzkrise 2008/2009  haftet dem Eigenschaftswort „systemrelevant“ ein negativer Beigeschmack an. Waren damit doch in Schieflage geratene Banken gemeint, die so groß waren, dass sie nicht untergehen durften und der Staat helfen musste.

Jetzt, in der historischen Corona-Krise, ist das gerade umgekehrt. Glücklicherweise. Systemrelevante Unternehmen, im Amtsdeutsch auch „Betreiber Kritischer Infrastrukturen“ genannt, sind nämlich die Korsettstangen des Gemeinwesens, welche die Versorgung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sicherstellen sollen.

2009 hatte die Bundesregierung eine „Nationale Stragie zum Schutz Kritischer Infrastrukturen“ beschlossen, in der neun Sektoren mit insgesamt 28 Branchen unterteilt wurden. Im einzelnen sind dies: Energie, Gesundheit, IT und Telekommunikation, Transport und Verkehr, Medien und Kultur, Wasser, Finanzen und Versicherungen, Ernährung sowie Staat und Verwaltung.
 

Hintergrund

Steckbrief BAV Institut

  • Hygiene und Qualitätssicherung GmbH, Offenburg
  • Beschäftigte: 100
  • Gründungsjahr: 1997
  • Auszubildende: 3
  • Geschäftsführer: Paul Andrei

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