Ortenau

Demenzkranke sind auf die Hilfe der Leser angewiesen

Autor: 
Thomas Reizel
Lesezeit 3 Minuten
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04. November 2016

Für die Gäste des Cafés »Vergiss-mein-nicht« sind die Treffen wertvolle Stunden, angefüllt von Musik und Gesang, für die Angehörigen indessen sind sie wertvolle Verschnaufpause in der Pflege. Die Angebote des DRK-Kreisverbands Kehl sind beliebt – und stellen die Initiatoren vor Probleme, denn der Fuhrpark für Rollstuhlfahrer ist zu klein. ©Ulrich Marx

Die »Leser helfen«-Aktion der Mittelbadischen Presse bittet um Spenden für den DRK-Kreisverband Kehl. Mit einem Fahrzeug soll die Arbeit für insgesamt fünf Demenzgruppen auch in Willstätt und Rheinau deutlich verbessert werden.

Für Angehörige der von Demenz betroffenen Mitglieder ist das Café »Vergiss-mein-nicht« Entlastung wie Unterhaltung und damit ein positives Lebensgefühl. Der DRK-Kreisverband Kehl macht das Angebot schon seit einigen Jahren. Das Besondere ist, dass er als einzige Organisation die Gäste, so werden die Besucher des Cafés liebevoll genannt, kostenlos mittags zu Hause abholt und abends wieder zurückbringt. Doch das gestaltet sich immer schwieriger für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. 

Einen festen Tagesablauf
»Hatten wir früher einen oder zwei Gäste im Rollstuhl, sind es heute vier bis fünf«, informiert Alfred Armbruster, Geschäftsführer der DRK-Kreisverbände Kehl und Offenburg. Mit dem derzeit vorhandenen Fuhrpark sei das kaum noch zu schaffen.
Menschen mit Demenz brauchen vor allem eines: einen festen Tagesablauf. Deshalb gibt es im Café »Vergiss-mein-nicht« sich ständig wiederholende Rituale. Die Treffen beginnen für die Gäste mit Kaffee und Kuchen sowie einem Gedicht, das alle zur Begrüßung gemeinsam aufsagen. Danach werden Lieder gesungen, vor allem jene aus der Kindheit.

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Mittlerweile fünf Treffs
»Musik ist ein großes Thema, damit kann man die Menschen erreichen, denn alle erkennen Melodien und Texte wieder, die sie früher gesungen haben«, sagt Anita Reuter aus Willstätt-Eckartsweier. Sie hat vor Jahren die Demenzgruppen im Großraum Kehl initiiert. Die Erste sei mit großer Unterstützung von Bürgermeister Marco Steffens in Willstätt entstanden, weitere folgten in Kehl-Goldscheuer, Kehl-Bodersweier, Willstätt-Eckartsweier und zuletzt in Rheinau-Holzhausen.
Was einst aus Idealismus begonnen hatte und sich in kleinen Schritten entwickelte, erfreut sich mittlerweile großer Beliebtheit. Das hat die Vorzeichen geändert: »Allein in Goldscheuer haben wir jedes Mal um die zwölf Gäste«, berichtet Lucia Clauß, Leiterin dieser örtlichen Gruppe.

Zu kleiner Fuhrpark 
Gerade die große Beliebtheit stellt den DRK-Kreisverband in Kehl in allen fünf Gruppen vor eine Herausforderung. »Denn auch die Zahl derer, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ist damit gestiegen«, weiß auch Silvia Aust, die als geronto-psychiatrische Pflegefachkraft alle fünf Demenzgruppen betreut. Sie ist gleichermaßen Ansprechpartnerin für die Gäste des Cafés »Vergiss-mein-nicht« und deren Angehörige.
Den gestiegenen Anforderungen wird der Fuhrpark nicht mehr gerecht. Derzeit können pro Fahrt in der Regel nur zwei Rollstuhlfahrer abgeholt und heimgebracht werden. Für diejenigen Gäste, die noch warten müssen, sei das unverständlich. »Sie hören und sehen das Auto und denken, es geht wieder nach Hause«, erzählt Silvia Aust. Dass das dann nicht so ist, versetzt die Gäste des Cafés »Vergiss-mein-nicht« in Unruhe.
Das fordert auch die ehrenamtlich tätigen Fahrer, die mehrfach unterwegs sein müssen. Einer davon ist Fabian Faller (19), der sein Freiwilliges Soziales Jahr beim DRK absolvierte und Erste-Hilfe-Ausbilder ist. Auch für ihn wäre ein neuer Bus ein Segen: »Ich hoffe, dass das Geld dafür gespendet wird.«

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