4,3 Millionen Tonnen

Der Kehler Hafen verbindet Schiff, Bahn und Lkw miteinander

Michael Haß
Lesezeit 3 Minuten
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24. Juni 2020

Umschlagplatz Kehler Hafen: Auf dem 320 Hektar großen Gelände wurden 4,3 Millionen Tonnen Güter im vergangenen Jahr transportiert. Zwei Drittel davon waren Eisen- und Stahlwaren. ©Hafen Kehl

In der Serie „Wir sind systemrelevant“ stellt die Mittelbadische Presse Firmen vor, die in der Corona-Krise unverzichtbar sind. Der Kehler Hafen ist für den Warenverkehr immens wichtig. 

Der landeseigene Rheinhafen Kehl ist nach Mannheim und Karlsruhe der drittgrößte Binnenhafen Baden-Württembergs. Im vergangenen Jahr wurden rund 4,3 Millionen Tonnen Güter wasserseitig umgeschlagen. Damit leistet der Kehler Hafen einen wichtigen Beitrag für den Transport von Waren.

Vor allem Eisen und Stahl

65 Prozent der per Schiff transportierten Güter sind Eisen- und Stahlwaren. Im Ranking folgen Mineralölprodukte (9,6 Prozent), Baustoffe (9,1 Prozent) und Zellulose (5,2 Prozent). Die Transportmenge bei der Hafenbahn liegt bei 2,3 Millionen Tonnen. Dennoch fällt es Hafendirektor Uwe Köhn schwer, den Kehler Hafen als »systemrelevant« zu bezeichnen und erklärt auch warum: »Der Begriff wurde in der Finanzkrise im Jahr 2008 für große, aber wirtschaftlich kaum überlebensfähige Kreditinstitute verwendet.« 

Mittlerweile bezeichnet man verallgemeinernd Unternehmen oder Berufe als systemrelevant, wenn sie eine derart bedeutende volkswirtschaftliche oder infrastrukturelle Rolle in einem Staat spielen, dass ihre Insolvenz nicht hingenommen werden kann oder ihre Dienstleistung besonders schützenswert ist. »Letztlich geht‘s darum, das Funktionieren wesentlicher Bereiche des öffentlichen Lebens aufrechtzuerhalten. Für die Hafenverwaltung selbst finde ich in der aktuellen Situation den Begriff „versorgungsrelevant“ zutreffender.«

Der Kehler Hafen ist mit seinen zwölf Kilometer Uferanlagen an drei Hafenbecken, 16 Kilometer Straßen und 42 Kilometer Schienen jedenfalls unverzichtbar für die Aufrechterhaltung des Warenverkehrs. Die etwa 120 Unternehmen im Hafengebiet brauchen diese Verkehrsträger für ihre Logistik. Darunter sind große Betriebe wie die Badischen Stahlwerke, die Papierfabrik Koehler, die Herrenknecht AG, die Bürstner GmbH und Co KG sowie die Spedition Klumpp + Müller.  Insgesamt sind im Rheinhafen über 4500 Menschen beschäftigt. Rund 70 Prozent dieser Arbeitsplätze entfallen auf die Produktion. Über 800 Mitarbeiter kommen aus dem benachbarten Elsaß.

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Wichtiger Beitrag

Der Kehler Hafen leistet einen wichtigen Beitrag für den Transport von Waren weltweit. Dies gilt, so Uwe Köhn, für die Versorgung mit Mineralölprodukten durch die im Hafengebiet gelegenen Tanklager oder mit zur Nahrungsproduktion erforderlichen Düngemitteln durch die hafeneigenen Düngemittellager. Das Erfassen von Getreide und die Weiterverarbeitung zu Futtermitteln gehören dazu. »Aber auch bei der Aufrechterhaltung der Produktion von Baustahl, der für die Bauwirtschaft elementar ist, leistet die Hafenverwaltung als Partner des Stahlwerks mit ihrem Umschlagsbetrieb einen wichtigen Beitrag.« Zudem ist der Kehler Hafen Trinkwasserlieferant für die Unternehmen im Hafengebiet und kommt so dem Versorgungsauftrag nach.
Seit der Corona-Krise hat sich die Arbeit im Kehler Hafen verändert. 

Überhaupt gelten derzeit in Verwaltung, Umschlagsbetrieb und Werkstatt der Hafenverwaltung weitreichende Kontaktbeschränkungen. Die Schichten im Umschlagsbetrieb wurden organisatorisch so getrennt, dass sich die Mitarbeiter nicht mehr begegnen. Zwischen den Schichtwechseln werden die Sozialräume desinfiziert. In der Verwaltung wurden gemeinsam genutzte Büros weitgehend aufgelöst und Homeoffice-Arbeitsplätze geschaffen. Die Nutzung von Umkleide- und Wascheinrichtungen wurde stark eingeschränkt, um persönliche Kontakte möglichst zu vermeiden. Für externe Dienstleister, wie Lkw-Fahrer, wurde ein Sanitärcontainer aufgestellt, sodass die Nutzung der eigenen Anlagen durch Fremdpersonal vermieden wird. Dienstfahrzeuge dürfen nicht mehr gemeinschaftlich genutzt werden.

Krisengewinner?

Ist die Logistik-Branche der Gewinner der Krise? Für Uwe Köhn passt der Begriff „Gewinner“ nicht zur dramatischen Situation der wirtschaftlichen Lage, die letztlich alle Branchen trifft. »Logistik bleibt ein wichtiger Faktor für Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Wohlstand, besonders in einer arbeitsteiligen Wirtschaft. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen und des öffentlichen Lebens.«

Hintergrund

Hafenverwaltung Kehl

  • Geschäftsführung: Uwe Köhn
  • Beschäftigte: 67
  • Gründungsjahr: 1951
  • Standort: Kehl

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