Oppenau-Hinter-Ibach
Dossier: 

Der Landwirt Martin Springmann engagiert sich für den Tourismus

Bernhard Huber
Lesezeit 6 Minuten
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19. November 2020

(Bild 1/2) Der Landwirt Martin Springmann versteht sich als Offenhalter der Landschaft. Den Springhansenhof im Oppenauer Hinter-Ibach hat er vor einem Jahr an die nächste Generation abgegeben. ©Ulrich Marx

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (23): Martin Springmann aus Oppenau-Hinter-Ibach. Der umtriebige 67-jährige Landwirt und Ortsvorsteher engagiert sich unter anderem für den Tourismus im Renchtal.

Ich bin Bauer und Offenhalter der Landschaft“. In diesem Satz von Martin Springmann vom „Springhansenhof“ in Hinter-Ibach schwingt eine gewisse Gewichtung für sein Lebenswerk und das seiner Frau Maria mit. Der 67-jährige Springmann ist aber auch Ortsvorsteher der Ortschaft Ibach-Löcherberg – und das bereits seit November 1989. Außerdem ist er Ehrenmitglied in drei Vereinen. 

Hof an die nächste Generation übergeben

Vor einem Jahr haben Martin und Maria Springmann den „Springhansenhof“ ihrem Sohn Andreas und seiner Frau Kathrin übergeben. Dazu auch den „Bautonihof“ in Oppenau. Der „Bautonihof“ ist die Heimat von Maria Springmann, ab 1981 bewirtschaftete ihn das Ehepaar zusätzlich. Dabei waren für Springmann die Anfänge als hauptberuflicher Landwirt alles andere als einfach. Schon als 20-Jähriger lastete auf ihm die ganze Verantwortung, als sein Vater Josef unerwartet viel zu früh verstarb. Umso mehr freut er sich heute, dass die Familie von Sohn Andreas die beiden Höfe weiterführt. „Es ist ganz wichtig zu wissen, für was man ein Leben lang gearbeitet hat“, betont er. 

Auf Mutterkuhhaltung umgestellt

Von der reinen Milchviehwirtschaft hat sich Springmann nach und nach zur Mutterkuhhaltung umorientiert. „Die Viehhaltung ist unbedingt notwendig, sonst frisst uns der Wald unsere schöne Landschaft auf – mehr als fünfundachtzig Prozent Bewaldung geht nicht“, so Springmann. Das sagt – wohlgemerkt – ein Mann, der sein Leben lang auf den beiden Höfen gut 60 Hektar Wald bewirtschaftet hat. Vor zehn Jahren wurde in einen neuen Stall investiert, „einen Laufstall für die tiergerechte Haltung“. 

Dreißig Rinder mit Jungtieren bevölkern die steilen Weiden. Dazu kommen zwei Pferde, Ziegen, Hasen, Hühner und neuerdings auch Zwergziegen. „Damit richtig Leben im Haus ist“, sagt Springmann – und schwenkt um auf das Thema „Ferien auf dem Bauernhof“ als „ganz wichtiges“ Standbein des „Springhansenhofes“. Für Feriengäste seien Tiere einfach ein Erlebnis. 

Tourismus liegt ihm am Herzen

Der Tourismus liegt Springmann am Herzen. Er engagierte sich ehrenamtlich von 2011 bis 2018 als Vorsitzender der Privatzimmervermieter des Renchtals. „Es ist wichtig, vorwärtszukommen, und dass nicht jeder sein eigenes Ding macht“. Diese Überzeugung leitete ihn als Gründungsmitglied der Renchtal-Tourismus GmbH und als deren Aufsichtsratsmitglied.

Neue Ideen sind wichtig

„Im Tourismus ist es ganz wichtig, neue Ideen zu entwickeln.“ Als Beispiele dafür führt Springmann etwa das Gleitschirmfliegen an oder die Einrichtung neuer Wandersteige. Und: „Es gilt, die bestehende Gastronomie zu erhalten und möglichst noch auszubauen.“ Er habe den Eindruck, dass die Region jetzt mehr frequentiert werde. Auch die Buchungszahlen bei den Ferien auf dem Bauernhof würden das belegen. „Viele Gäste sind überrascht, wie schön der Schwarzwald ist und ich hoffe sehr, dass noch mehr dauerhaft in unserem Tal hängenbleiben.“

Von dieser Schönheit hat sich vor vielen Jahren auch der spätere Bundespräsident Johannes Rau bei einer Kaffeepause auf dem „Springhansenhof“ überzeugt. Verwandtschaft des prominenten Politikers machte damals Ferien bei der Familie Springmann. Rau lernte in diesen wenigen Stunden Springmann als Gastgeber kennen, der sich liebend gerne mit anderen unterhält, „ein Schwätzle hält“. „Ich plaudere gerne mit Freunden, sitze mit ihnen zusammen und feiere in Gemeinschaft.“ Ob bei Feriengästen, im Verein oder nach einem kommunalpolitischen Diskurs, überall wird das hoch geschätzt.

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Das Gleitschirmfliegen hat Springmann immer unterstützt. „Es gibt dem Schwarzwald eine sportliche Note und es bringt ein junges Publikum.“ Der 67-Jährige schwärmt von seinen mehrfachen Tandemflügen. Vor der Landung auf der Wiese des Bruhansenhofes habe er seine Frau telefonisch angefunkt: „Schau schnell nach oben, ich fliege über unser Haus.“

Nostalgieradfahren

Springmann ist einer der beiden Väter des Ibacher Nostalgieradfahrens. Vor gut elf Jahren lernten sie sich kennen, er und der „Schwabe“ Reinhard Bosch. Und zwar im Unimog während des Winterdienstes. Da hatte „Bader“ Reinhard Bosch gerade einen stillgelegten Hof in Hinter-Ibach erworben, die Anfänge der heutigen „Bader-Alm“. Die Chemie stimmte sofort zwischen den beiden Männern: Reinhard Bosch als ein Mensch der Entschleunigung und Martin Springmann, auch nicht gerade ein „Spring-ins-Kraut-Typ“.

Die Ideen sprudelten nur so, was man gemeinsam anstellen könnte, etwa als Attraktionen im Tourismus im oberen Renchtal. Eine richtige „Gaudi“ sollte es sein. Ein winterliches Schlittenrennen den Braunberg runter war im Gespräch. Dagegen sprach aber die Schneesicherheit, die es beim Fahrradfahren nicht braucht. Damit war die Entscheidung gefallen. „Wir schwingen uns auf uralte Drahtesel und laden zur Fahrradrundfahrt von Oppenau in Richtung Ibach ein, über den Braunberg hinauf auf den Rollwasen und dann die Schlussabfahrt nach Hinter-Ibach zur Bader-Alm und dem Springhansenhof“, erzählt Springmann über das Nostalgieradfahren, das 2020 coronabedingt abgesagt werden musste.

In historischen Klamotten fein herausgeputzt

Auch wenn Springmann für das Nostalgieradfahren viel organisieren muss – er fiebert dieser Veranstaltung jedes Jahr neu entgegen. Die Langsamkeit des Tages, die festlich geschmückten alten Räder, Männer und Frauen in historischen Klamotten fein herausgeputzt, fetzige Musik, zur Bewirtung auch mal ein heimisches „Schnäpsle“.

Eine demgegenüber etwas ernstere Geschichte ist die „Flurbereinigung Oppenau-West“. Springmann war von Beginn an zweiter Vorstand der Teilnehmergemeinschaft, seit dem Tod von Bürgermeister Thomas Grieser ist er der Vorsitzende. „Es ist wichtig, dass Hofzufahrten ausgebaut und Waldwege geschaffen werden, das ist für die Bewohner eine Verbesserung der Infrastruktur und bringt für die Anwesen eine gewisse Erleichterung in der Bewirtschaftung der Steillagen“, sagt der 67-Jährige.

Früh in Vereinen aktiv

Springmann ist unter anderem Ehrenmitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr Oppenau, Abteilung Ibach, und beim Männergesangverein „Waldlust Ibach“. „Alles Alterserscheinungen“ kommentiert er die Urkunden dazu humorvoll, die in seinem Wohnzimmer hängen. Schon um das 18. Lebensjahr herum fand er den Weg zu den Floriansjüngern, wie auch zu den Sängern. „Als junger Mensch suchte man etwas um zusammenzukommen und Kameradschaft zu erleben, ich war richtig froh darüber.“

Ein weiteres Hobby: Die Jagd

Seit mehr als vier Jahrzehnten geht Springmann zudem einem weiteren Hobby nach – der Jagd. Er ist Pächter in der Jagdgemeinschaft Ibach. „Für einen Waldbauer ist das wichtig, es gilt den Mittelweg zu finden zwischen Wild und Wald.“ Das gemeinschaftliche Jagen hat für ihn einen hohen Stellenwert, „man trifft Freunde, man ist nicht nur Einzelkämpfer“. Generell ist der 67-Jährige überzeugt: „Es geht nur miteinander.“ Wo Ideen entwickelt werden, brauche es Unterstützung. „Nur mit Sturköpfen kommt man nicht weiter. Sehr dankbar ist Springmann seiner Frau Maria und der Familie: „Neben der beruflichen Arbeit waren die Zusatzaufgaben und Ehrenämter nur möglich, weil mir alle den Rücken freigehalten haben.“

Sein ganzer Stolz sind zudem die Familien der drei Kinder. „Jeder der drei Enkelbuben findet es einfach riesig, mit dem Opa auf dem Traktor unterwegs zu sein. Und ich freue mich darüber fast noch mehr als die Jungs.“ 

Zur Person

Martin Springmann

Martin Springmann wurde 1953 geboren. Er ist seit 1981 verheiratet und hat drei Kinder sowie drei Enkelkinder. Ab 1981 bewirtschaftete er neben dem „Springhansenhof“ auch den „Bautonihof“ – beide mit Land- und Forstwirtschaft und in schwieriger Topographie. Als weiteres Standbein hat Springmann ein Lohnunternehmen in der Landschaftspflege aufgebaut. 2019 erfolgte die Übergabe der beiden Höfe an Sohn Andreas und dessen Frau Kathrin. 

1989 kam Springmann auf der Liste der Freien Wähler in den Ibacher Ortschaftsrat und wurde anschließend vom Stadtrat zum Ortsvorsteher gewählt. Derzeit befindet er sich in der siebten Amtsperiode.

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