1500 Horste gezählt

Der Weißstorch erobert das Elsass

Autor: 
Reinhard Reck
Lesezeit 3 Minuten
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22. September 2021
Auf Futtersuche ist dieser Weißstorch bei Ungersheim im Elsass. Die Zahl der langbeinigen Vögel ist in der französischen Grenzregion stark gestiegen. Rund 1500 genutzte Nester wurden gezählt. 

Auf Futtersuche ist dieser Weißstorch bei Ungersheim im Elsass. Die Zahl der langbeinigen Vögel ist in der französischen Grenzregion stark gestiegen. Rund 1500 genutzte Nester wurden gezählt.  ©Ecomusée d’Alsace

Noch nie wurden im Elsass so viele Nester von Weißstörchen gezählt. 1974 waren es im gesamten Elsass gerade neun Nester, heute 1500. Viele überwintern sogar manche in Ostfrankreich.

Das Elsass ist das Storchenland par excellence. In Souvenirläden kann man den Vogel als Schlüsselanhänger oder beliebtes Motiv auf Tellern kaufen. Zahlreiche Restaurants nennen sich „La cigogne“ oder „À la cigogne“. Man sieht Storchennester auf Kirchtürmen und Dächern von schmucken Fachwerkhäusern.

Ein Höchstwert

Der Ruf des Elsass als Paradies für die langbeinigen Vögel dürfte künftig noch gestärkt werden, denn deren Zahl ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. „Noch nie gab es im Elsass so viele Weißstörche wie in diesem Jahr“, erklärt Yves Muller, Präsident der elsässischen Vogelschutzorganisation Ligue de Protection des Oiseaux Alsace (LPO). Rund 1500 von Storchenpaaren genutzte Nester wurden jetzt bei einer Aktion der LPO, die im Elsass gut 2500 Mitglieder hat, gezählt.

„Für manche ist diese Zahl schon fast zu hoch“, gibt Muller zu. Aber er selbst ist erfreut, dass sich diese geschützte Tierart wieder so stark vermehren konnte. Denn vor einigen Jahrzehnten war Meister Adebar in der französischen Grenzregion fast ausgestorben. Während man zu Beginn der 1950er-Jahre noch rund 150 Weißstorchpaare gezählt hatte, sank deren Zahl 1974 auf neun.

In dieser Situation entschloss man sich, mit einem gezielten Programm die Zukunft des elsässischen Symboltiers und Wahrzeichens zu sichern – beispielsweise in einem Park in Hunawihr bei Ribeauvillé, der heute „NaturoParc“ heißt. Das Prinzip: Man setzte die „Storchenkinder“ nicht sofort, sondern erst nach mehreren Jahren in Freiheit. So war man in der Lage, nach und nach die Zahl der selten gewordenen Tiere zu erhöhen.

Fliegen weniger weit

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Mit diesem Programm hatte man Erfolg, wie LPO-Präsident Muller ausführt. So wurden bereits im Jahr 2000 255 Weißstorchpaare gezählt. Und heute hat man einen Stand erreicht, von dem man früher wohl kaum zu träumen wagte. Wie Muller hinzufügt, dürften auch geänderte Gewohnheiten beim Überwintern in hohem Maße zum Storchenboom beigetragen haben. Früher zogen die Wandervögel häufig Tausende von Kilometer etwa nach Äquatorialafrika, wenn es in Europa kalt wurde – und viele kamen dabei zu Tode. „Nun ziehen die Störche oft nach Südfrankreich, Spanien oder Portugal“, so Muller. Die Überlebenschancen seien jetzt deutlich gestiegen. Viele würden sich auch ein Winterquartier im Elsass selbst suchen.

Kann die hohe Zahl der Weißstörche auch schädlich sein? Kann es zur Verdrängung anderer Tierarten kommen? Die Weißstörche sind keine Pflanzenfresser, sondern ernähren sich unter anderem von Fröschen, Insekten und kleinen Vögeln. Yves Muller sieht die Gefahr einer Artenverdrängung zumindest im Moment nicht. „Man sollte in das Wirken der Kräfte der Natur nicht eingreifen“, meint der Vogelschützer.

Bei den Schwarzstörchen gibt es übrigens keine Vermehrung wie bei ihren „Geschwistern“, den Weißstörchen. Wie Muller erläutert, sind die Schwarzstörche außerordentlich scheu und deswegen kaum zu zählen. Er schätzt, dass in ganz Frankreich wohl nur zwischen 50 und 100 Paare dieser Tierart leben, im Elsass dürften es zwischen drei und acht Paare sein.

Der Weißstorch, der auch beim Tourismus als offensichtlich wirksames Werbemittel eingesetzt wird, dürfte dem Elsass auf jeden Fall noch lange erhalten bleiben.

Stichwort

Weißstörche in Baden-Württemberg

Auch in Baden-Württemberg hat die Zahl der Weißstörche in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Nach Angaben des Stuttgarter Umweltministeriums wurden 802 sogenannte „Horstpaare“ (Brutpaare und Nichtbrüter) im Jahr 2014 gezählt. 2020 waren es mit 1495 fast doppelt so viele. Dabei gehört der Ortenaukreis zu den Regionen im Land mit den meisten Störchen. Die Zahl der Horstpaare stieg von 99 im Jahr 2014 auf 200 im vergangenen Jahr. Diese Zahl wird nur noch vom Landkreis Karlsruhe übertroffen, in dem 2020 240 Horstpaare gezählt wurden. Auch im Bodenseekreis (Friedrichshafen) wurde im vergangenen Jahr mit 147 eine große Population gezählt.

Wie das Ministerium erklärt, sind die Gründe für den Anstieg der Zahl der Weißstörche noch nicht vollständig geklärt. Ausschlaggebende Parameter für die Bestandsentwicklung seien neben dem Reproduktionserfolg die Überlebensrate, das Erstbrutalter sowie die Zu- und Abwanderung von Brutstörchen.

Der Anstieg der Weißstörche in Westdeutschland sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Tiere zunehmend in Spanien überwintern würden – unter anderem weil dort ausreichend Nahrung zur Verfügung stehe, so das baden-württembergische Umweltministerium.

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