Ortenauer Unternehmen in der Corona-Krise

Deshalb fährt Armbruster Teigwaren aus Willstätt Sonderschichten

Michael Haß
Lesezeit 3 Minuten
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15. April 2020

Weil die Menschen jetzt mehr zu Hause essen, läuft die Nudelproduktion bei Teigwaren Armbruster in Willstätt auf Hochbetrieb. ©Armbruster W. Teigwaren

Armbruster Teigwaren gehört zu den systemrelevanten Unternehmen in der Ortenau. Die Nachfrage nach den Nudeln des Unternehmens ist immens, doch die Freude ist nicht ungetrübt. 

Nudeln stehen bei Deutschlands Verbrauchern hoch im Kurs. Mehr als die Hälfte hat einmal in der Woche ein Nudelgericht auf den Tisch. Rund sieben Kilogramm Teigwaren isst im Durchschnitt jeder Deutsche im Jahr. Damit liegen die Deutschen im Nudelkonsum europaweit mit an der Spitze. Zu Zeiten der Corona-Krise sind Nudeln besonders in den Mittelpunkt des Speiseplans gerückt und genießen eine besondere Nachfrage.

Sonderschichten gefahren

»Vergangene Woche haben wir Sonderschichten gefahren, um die Nachfrage bewältigen zu können“, erzählt Daniel Armbruster, Geschäftsführer der Armbruster Teigwarenfabrik aus Willstätt. Dass die Nachfrage gestiegen ist, liege nicht nur an den Hamsterkäufen, sondern auch daran, dass die Leute in der Corona-Krise mehr Zeit zu Hause verbringen und selbst kochen. »Restaurants, Kantinen, Mensen sind geschlossen. Jetzt essen die Menschen zu Hause.«

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Doch glücklich ist der 45-jährige Geschäftsführer von Armbruster Teigwaren in Willstätt mit der gestiegenen Produktionsmenge nur bedingt. »Wir haben bestehende Rahmenvereinbarungen mit unseren Kunden. Über die Preise wird jedes Jahr sehr ausführlich verhandelt. Jetzt, wo wir und alle anderen Nudelhersteller mehr produzieren, werden aber die Preise für unsere Rohstoffe teurer. Diese Mehrkosten können wir nicht an unsere Kunden weitergeben.« Ein Dilemma für Armbruster. Die Corona-Krise spürt Daniel Armbruster auch bei seinen Mitarbeitern. Elsässer und erkrankte Mitarbeiter bleiben vorsorglich zu Hause. »Hygiene wird bei uns als zertifizierter Betrieb groß geschrieben.« Neben Schutzkleidung und der Einhaltung von Hygieneregeln achtet Armbruster darauf, dass die Schichten sich nicht begegnen. »Eigentlich gibt’s immer eine technische Übergabe beim Schichtwechsel - darauf verzichten wir derzeit.« Die Arbeit der Politik in dieser Krisenzeit lobt Daniel Armbruster. »Ich glaube, dass die verantwortlichen Menschen die Tragweite sehen und alles Mögliche tun, um der Situation gerecht zu werden.«

1906 noch eine Bäckerei

Armbruster Teigwaren hat sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Teigwaren spezialisiert. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Schutterwald. 1906 wurde dort eine Dorfbäckerei eröffnet, die auch Teigwaren im Sortiment führte. Mitte der 1960er Jahre wurden Bäckerei und Teigwarenproduktion getrennt. 2005 hat Armbruster Teigwaren seinen Firmensitz nach Willstätt verlegt. Heute produzieren 85 Mitarbeiter 50 Nudelformen. Neben Spätzle, gewalzten Bandnudeln oder Bio-Teigwaren werden auch Teigwaren mit Gewürzen, Kräutern, Gemüse, Trüffeln oder Steinpilzen gefertigt. Sämtliche Erzeugnisse von Armbruster gibt es auch entsprechend den Anforderungen der EG-Bio-Verordnung mit Zutaten aus kontrolliertem Anbau. Generell kommen bei der Produktion aller konventioneller Teigwaren ausschließlich Hartweizengrieß und frische Eier der Güteklasse A zum Einsatz.

Der Betriebswirtschaftler hofft, dass nach der Krise ein Umdenken in der Gesellschaft entsteht. »Es freut mich ja, dass wir jetzt als systemrelevant bezeichnet werden«, so Armbruster. Derzeit rücken Aufgaben und Berufe in den Mittelpunkt der Wahrnehmung, die man sonst einfach als gegeben hinnimmt, wie etwa auch die Kassiererinnen in den Supermärkten, die LKW-Fahrer, Hebammen oder Krankenpfleger. »Ich würde mir wünschen, dass man sich an diese Leistungen auch nach der Corona-Krise in normalen Zeiten erinnert«. Die Kassiererin, die sonst dem Unmut der Kunden ausgesetzt ist, ist jetzt eine Heldin. Oder Krankenpfleger, die zwei Schichten am Stück arbeiten: Jetzt sind sie Helden. »Aber Applaus zahlt keine Rohstoffkosten und keine Miete.«

Info

Armbruster W. Teigwaren

  • Produktion und Vertrieb von Nudeln, rd. 50 Nudelsorten
  •  Beschäftigte: 85
  • Gründungsjahr: 1906
  • Geschäftsführer: Daniel Armbruster

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