Interview

Die Angst vor der »eingefrorenen Emotion«

Antonia Höft
Lesezeit 3 Minuten
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29. Oktober 2016
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©Kinder- und Jugendpsychiater Martin Teichert aus Offenburg

Es gibt einen beängstigenden und vor allem kriminellen Trend aus Amerika: »Horror-Clowns«. Sie greifen seit zwei Wochen deutschlandweit mit Waffen Menschen an. Doch woher kommt eigentlich diese Furcht, die sich Coulrophobie nennt? Kinder- und Jugendpsychiater Martin Teichert aus Offenburg ist überzeugt, dass die Übergriffe das Clownbild drastisch verändern.

Herr Teichert, zurzeit verbreiten in Deutschland sogenannte »Horror-Clowns« Angst. Sie attackieren Menschen mit Baseballschläger, Kettensäge oder Messer. Weshalb greifen die Täter wohl zur Clownsmaske?
Martin Teichert: Es gibt ja Filme, die Bankräuber mit Clownsmaske zeigen, das heißt, dass dieses Negativbild nicht neu ist. Der lustige Clown erscheint in einem anderen Kontext. Der Ursprung dieses Trends kommt jedenfalls aus den USA. Und an sich ist die Maskierung, vor allem an Halloween, ja nichts Schlimmes. Es geht um den Spaß beim Erschrecken.

Das geht bei den »Horror-Clowns« ja aber eindeutig zu weit. Clowns sollen doch für Lacher sorgen. Wieso fürchten sich so viele Menschen vor ihnen? 
Teichert: Ich denke, dass es da weniger um den Clown als Person geht, sondern noch mehr um die Maskierung. Manche Kinder haben ja auch an Fasnacht vor den Narrenmasken Angst. Menschen sind es gewöhnt, anderen Menschen ins Gesicht blicken zu können. Das kann man sogar mit verschleierten Frauen vergleichen. Die Leute fühlen sich provoziert, da sie nicht erkennen, was sich dahinter verbirgt. 

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Aber es gibt ja Coulrophobie, in der es um die Furcht vor Clowns geht. 
Teichert: Der Clown ist derjenige, der sich hinter der Maske mächtig und überlegen fühlt und Tabus brechen kann. Er lacht über andere und ist schadenfroh. Im Prinzip macht er alles, was nicht anständig ist. Und das kann angsteinflößend sein.

Eine Studie der englischen University of Sheffield, bei der 250 Kinder im Alter zwischen 4 und 16 Jahren befragt wurden, zeigt sogar, dass sie sich vor Clowns eher fürchten. Können Sie das als Kinder- und Jugendpsychiater bestätigen?
Teichert: Zur Rolle des Clowns gehört, dass er aus sozialen Rücksichtnahmen aussteigen kann und in seiner Rolle andere ärgern darf. Diese Handlungsweise außerhalb der üblichen Regeln macht allen anderen Angst. Neu ist die Qualität der Gewalt unter dem Deckmantel des Klamauk. Der Clown stellt im Grund szenisch unsere kindlichen Seiten dar. Menschen wollen Emotionen sehen und eine eingefrorene Emotion, wie es eine Clownsmaske auch hat, verunsichert und kann zur Furcht führen.

Wie wirkt sich dieser Horror-Trend wohl aus? Ist das Image des Clowns nun für immer dahin?
Teichert: Durch die kriminellen Übergriffe wurde das eigentliche Bild einer Clownfigur zerstört. Es gibt den Clown zwar in vielen Varianten – depressiv, leidend, feinfühlig –, aber was gerade passiert, ist eine Perversion. Vor Jahren wäre man Clowns mit einer anderen Grundhaltung begegnet, heutzutage fragen sich immer mehr Leute: Muss man sich vorsehen?

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