Ortenau

Die Bollenhüte sind für Einheimische reserviert

Autor: 
Klaus Körnich
Lesezeit 4 Minuten
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21. August 2006
Die Kuckucksuhr, Schwarzwälder Schinken und das berühmte Kirschwasser: Nirgendwo wuchern die Klischees mehr als im Schwarzwald. Doch einer überstrahlt in seiner Wirkung alle: Der knallrote Bollenhut. Die Kopfbedeckung mit den Kugeln aus Wolle, die sich türmen wie Brötchen im Korb, ist schon lange zum Markenzeichen des Schwarzwalds geworden, vor allem im Ausland. Auf keiner Postkarte, die nach Japan oder Amerika geschickt wird, darf er fehlen. Dabei ist der Trachtenhut tatsächlich ein Klischee, zumindest in den allermeisten Regionen des Schwarzwalds. Zu Hause ist der Bollenhut nämlich nur in den Dörfern Gutach, Wolfach-Kirnbach und Hornberg-Reichenbach. Niemand weiß das besser als Waltraud Kech, die im Kirnbachtal mit der typischen Tracht aufgewachsen ist. Die gelernte Damenschneiderin ist eine der letzten Bollenhutmacherinnen des Schwarzwalds. Sie näht als Einzige eine komplette Bollenhuttracht mit Originalstoffen und nach den Originalschnitten, vom Mieder über den Goller (Schulterkragen) bis hin zum Hut und der Brautkrone, die »Schäppel« genannt wird. Tradition erhalten »Mit dem Schneidern der Tracht will ich eine lieb gewonnene Tradition erhalten und weitergeben«, sagt die 47-Jährige. Ihre Oma trug noch täglich die einfache Arbeitstracht mit Kopftuch, an Sonn- und Feiertagen das Festgewand mit dem berühmten Bollenhut. Da die drei Gemeinden im Gegensatz zu anderen Schwarzwald-Orten bis ins Jahr 1804 zum protestantischen Württemberg gehörten, trugen die jungen Mädchen den weißkrempigen Bollenhut erstmals bei ihrer Konfirmation. Das ist bis heute so geblieben. Zu welchem Anlass welche Tracht getragen wird, ist eine kleine Wissenschaft für sich. Kaum jemand beherrscht sie so wie Waltraud Kech, die seit ihrer Kindheit das Brauchtum im örtlichen Trachtenverein pflegt. Mit ihrem geübten Auge erkennt sie sofort, aus welchem Tal eine Trachtenträgerin kommt. Die Details sind klein, aber fein. Doch eines kann auch der Tourist aus Fernost auseinander halten: Die Trägerinnen der schwarzen Hüte sind buchstäblich unter der Haube, während die Frauen mit den roten Bollen unverheiratet sind. Waltraud Kech hat diesen Wechsel mit 20 Jahren vollzogen. Damals fehlte ihr ein grüner Goller, der immer zu den schwarzen Bollen getragen wird. Und so versuchte sie sich als junge Frau zum ersten Mal an der Trachtenschneiderei: »Kaum hatte ich meinen ersten Goller fertig, wollte auch schon eine Nachbarin einen haben«, erzählt sie. Und so kam Stück um Stück dazu, bis sie alle Teile der Tracht selbst nähen konnte. Vor allem beim Bollenhut ein langwieriger Lernprozess: »Da ich niemanden hatte, der mir es beigebracht hat, habe ich zwei Jahre gebraucht, bis ich den ersten selbst gemachten Hut in den Händen hielt«, blickt Waltraud Kech zurück. Mittlerweile kennt sie alle Tricks und Kniffe, die bei der Herstellung notwendig sind. Das Geheimnis des berühmten Schwarzwälder Hutes fängt schon bei den Bollen an: »15 Stück müssen es sein, nur elf davon sind allerdings zu sehen«, erklärt die Schneiderin. Sie sind immer in Kreuzform angeordnet, was auf den christlichen Ursprung der außergewöhnlichen Kopfbedeckung hinweist. Die rote Farbe soll dabei, so heißt es, die Blutstropfen Christi symbolisieren. 300 Euro kostet der Hut Zwei Kilo Wolle stecken in den Bollen und etwa 15 Stunden Arbeit, in der auch der Unterbau präpariert werden muss, ein einfacher Strohhut. Damit der unter dem Gewicht der Bollen nicht die Krempe hängen lässt, wird er mit einer speziellen Gipsmischung bestrichen. Etwa 300 Euro kostet der fertige Hut, rund 2000 Euro die komplette Tracht. Doch eigentlich sei die Arbeit gar nicht zu bezahlen, so Waltraud Kech. 25 Stunden sitzt sie allein an der Herstellung eines Gollers, ein aufwändiges Meisterstück der Handwerkskunst, wie auch der Bollenhut selbst. Doch der wird nicht an jeden verkauft: »Nur die Einheimischen bekommen ihn – oder sie heiraten nach Kirnbach ein«, sagt Waltraud Kech und lächelt dabei verschmitzt.
Die Kuckucksuhr, Schwarzwälder Schinken und das berühmte Kirschwasser: Nirgendwo wuchern die Klischees mehr als im Schwarzwald. Doch einer überstrahlt in seiner Wirkung alle: Der knallrote Bollenhut. Die Kopfbedeckung mit den Kugeln aus Wolle, die sich türmen wie Brötchen im Korb, ist schon lange zum Markenzeichen des Schwarzwalds geworden, vor allem im Ausland. Auf keiner Postkarte, die nach Japan oder Amerika geschickt wird, darf er fehlen. Dabei ist der Trachtenhut tatsächlich ein Klischee, zumindest in den allermeisten Regionen des Schwarzwalds. Zu Hause ist der Bollenhut nämlich nur in den Dörfern Gutach, Wolfach-Kirnbach und Hornberg-Reichenbach. Niemand weiß das besser als Waltraud Kech, die im Kirnbachtal mit der typischen Tracht aufgewachsen ist. Die gelernte Damenschneiderin ist eine der letzten Bollenhutmacherinnen des Schwarzwalds. Sie näht als Einzige eine komplette Bollenhuttracht mit Originalstoffen und nach den Originalschnitten, vom Mieder über den Goller (Schulterkragen) bis hin zum Hut und der Brautkrone, die »Schäppel« genannt wird. Tradition erhalten »Mit dem Schneidern der Tracht will ich eine lieb gewonnene Tradition erhalten und weitergeben«, sagt die 47-Jährige. Ihre Oma trug noch täglich die einfache Arbeitstracht mit Kopftuch, an Sonn- und Feiertagen das Festgewand mit dem berühmten Bollenhut. Da die drei Gemeinden im Gegensatz zu anderen Schwarzwald-Orten bis ins Jahr 1804 zum protestantischen Württemberg gehörten, trugen die jungen Mädchen den weißkrempigen Bollenhut erstmals bei ihrer Konfirmation. Das ist bis heute so geblieben. Zu welchem Anlass welche Tracht getragen wird, ist eine kleine Wissenschaft für sich. Kaum jemand beherrscht sie so wie Waltraud Kech, die seit ihrer Kindheit das Brauchtum im örtlichen Trachtenverein pflegt. Mit ihrem geübten Auge erkennt sie sofort, aus welchem Tal eine Trachtenträgerin kommt. Die Details sind klein, aber fein. Doch eines kann auch der Tourist aus Fernost auseinander halten: Die Trägerinnen der schwarzen Hüte sind buchstäblich unter der Haube, während die Frauen mit den roten Bollen unverheiratet sind. Waltraud Kech hat diesen Wechsel mit 20 Jahren vollzogen. Damals fehlte ihr ein grüner Goller, der immer zu den schwarzen Bollen getragen wird. Und so versuchte sie sich als junge Frau zum ersten Mal an der Trachtenschneiderei: »Kaum hatte ich meinen ersten Goller fertig, wollte auch schon eine Nachbarin einen haben«, erzählt sie. Und so kam Stück um Stück dazu, bis sie alle Teile der Tracht selbst nähen konnte. Vor allem beim Bollenhut ein langwieriger Lernprozess: »Da ich niemanden hatte, der mir es beigebracht hat, habe ich zwei Jahre gebraucht, bis ich den ersten selbst gemachten Hut in den Händen hielt«, blickt Waltraud Kech zurück. Mittlerweile kennt sie alle Tricks und Kniffe, die bei der Herstellung notwendig sind. Das Geheimnis des berühmten Schwarzwälder Hutes fängt schon bei den Bollen an: »15 Stück müssen es sein, nur elf davon sind allerdings zu sehen«, erklärt die Schneiderin. Sie sind immer in Kreuzform angeordnet, was auf den christlichen Ursprung der außergewöhnlichen Kopfbedeckung hinweist. Die rote Farbe soll dabei, so heißt es, die Blutstropfen Christi symbolisieren. 300 Euro kostet der Hut Zwei Kilo Wolle stecken in den Bollen und etwa 15 Stunden Arbeit, in der auch der Unterbau präpariert werden muss, ein einfacher Strohhut. Damit der unter dem Gewicht der Bollen nicht die Krempe hängen lässt, wird er mit einer speziellen Gipsmischung bestrichen. Etwa 300 Euro kostet der fertige Hut, rund 2000 Euro die komplette Tracht. Doch eigentlich sei die Arbeit gar nicht zu bezahlen, so Waltraud Kech. 25 Stunden sitzt sie allein an der Herstellung eines Gollers, ein aufwändiges Meisterstück der Handwerkskunst, wie auch der Bollenhut selbst. Doch der wird nicht an jeden verkauft: »Nur die Einheimischen bekommen ihn – oder sie heiraten nach Kirnbach ein«, sagt Waltraud Kech und lächelt dabei verschmitzt.

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