Ortenau

Die Nitratwerte im Ortenauer Grundwasser sinken

Autor: 
Jens Sikeler
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
19. Juni 2017

©pixabay

Die Nitratbelastung des Grundwassers ist in der Ortenau offensichtlich geringer als in vielen anderen Regionen Deutschland. Das Landratsamt geht deshalb nicht davon aus, dass die Trinkwasserpreise steigen, weil die Versorger mehr in die Aufbereitung investieren müssen. 

Das Umweltbundesamt (UBA) hatte Alarm geschlagen. »Über 27 Prozent der Grundwasserkörper überschreiten derzeit den Grenzwert für Nitrat von 50 Milligramm je Liter«, fasst die Behörde das Ergebnis einer eigenen Studie zusammen. Der Preis für das Trinkwasser könnte dadurch um 45 Prozent steigen, »weil die Versorger zu teuren Aufbereitungsmethoden greifen müssen, um das Rohwasser vom Nitrat zu befreien«. »Eine vierköpfige Familie müsste dann bis zu 134 Euro im Jahr bezahlen«, hatte das UBA errechnet. 

Vetter gibt Entwarnung

Für die Ortenau gibt Bernhard Vetter, Leiter des Amts für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Landratsamt des Ortenaukreises, jetzt Entwarnung. »Die Nitratbelastung im Grundwasser des Ortenaukreises liegt mit Ausnahme eines kleinen Bereiches um Neuried unterhalb des Grenzwertes von 50 Milligramm pro Liter. Eine abnehmende Tendenz habe sich auch 2016 fortgesetzt.

»Für die örtlichen Wasserversorgungsunternehmen besteht insofern keine Notwendigkeit zusätzliche Reinigungs- und Aufbereitungsverfahren vorzusehen. Nitratbedingte Gebührenerhöhungen sind somit im Ortenaukreis nicht zu erwarten«, fasste Vetter die Situation zusammen. 

Überwiegend gut

- Anzeige -

Die Nitratbelastung lag 2016 laut Vetter in der Ortenau durchschnittlich bei 11 Milligramm pro Liter. 2004 waren es noch 13,5 Milligramm. Der Zustand des Grundwasser sei damit überwiegend gut, sagte der Experte. 

Der Problembereich um Neuried könnte in einigen Jahren keiner mehr sein. Das Amt von Vetter misst auch in diesem Bereich fallende Werte. Der Behördenleiter hofft, dass der Zustand des Wasser auch dort bis 2021 gut ist. »Grund für die Grenzwertüberschreitung im Bereich Neuried sind die zum Teil lange Jahre zurückliegende intensive Gabe von Mineraldüngern für landwirtschaftliche Intensivkulturen wie zum Beispiel Tabak und Mais«, erläuterte Vetter. 

Der Behördenleiter macht für die hohe Nitratbelastung im Grundwasser in anderen Bundesländern zumindest zum Teil die Intensivierung der Landwirtschaft verantwortlich. Als Beispiele nennt er das Ausbringen von Gülle oder Gärresten aus Biogasanlagen. Vetter betonte, die Agrarstruktur im Ortenaukreis sei nicht mit der in anderen Bundesländern vergleichbar. 

Vier Problemgebiete

Die Qualität des Trinkwassers in der Ortenau sei sogar sehr gut, betonte der Experte. Von den 139 Wasserschutzgebieten im Kreis seien lediglich vier als Nitratproblemgebiete eingestuft. Dabei  handle es sich um die Gebiete »Achern-Önsbach«, »Achern Rotherst«, »Mahlberg« und »Friesenheim«. Sie machen etwa fünf Prozent der Fläche der Wasserschutzgebiete aus. 

Dort liegt die Nitratkonzentration bei 25 bis 35 Milligramm je Liter und die Konzentration steige. Die Behörde von Vetter will durch gezielte Gegenmaßnahmen verhindern, dass der Grenzwert von 50 Milligramm überschritten wird. Dort bekommen die Landwirte zum Beispiel strengere Vorgaben bei der Düngung ihrer Felder.

Hintergrund

So gefährlich ist Nitrat im Wasser

Nitrat ist ein Pflanzennährstoff und wird als Dünger eingesetzt. Pflanzen nehmen das Nitrat auf oder es wird mit dem Regen ins Grundwasser gespült. Daher ist es in sehr geringer Konzentration im Grundwasser und in Gemüse vorhanden. Nitrat selbst ist nicht gesundheitsgefährdend. Es kann jedoch im Körper zu Nitrit umgewandelt werden, das den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Das ist vor allem für Säuglinge gefährlich. Außerdem steht es im Verdacht, über die Umwandlung zu Nitrosaminen indirekt krebserregend zu sein. Knapp drei Viertel des Trinkwassers werden im Land aus Grund- und Quellwasser gewonnen.

Kommentare

Damit Sie Kommentare zu diesem Artikel lesen können, loggen Sie sich bitte mit Ihren Zugangsdaten ein.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Nahrungsmittelunverträglichkeiten
vor 2 Stunden
Seit zehn Jahren besteht im Ortenaukreis die Selbsthilfegruppe Nahrungsmittelunverträglichkeiten in der Ortenau für Patienten mit Multi-Intoleranzen sowie Allergien oder Mastozytose. Marianne und Ricarda Bönisch haben sie gegründet - aus eigener Betroffenheit.
Achern scheint gerettet
vor 9 Stunden
Die Beratungsgesellschaft Lohfert & Lohfert hat ihr Gutachten zur künftigen Struktur des Ortenau-Klinikums am Donnerstag dem Krankenhausausschuss vorgestellt. Die Berater sehen keine Alternative zu einer Reduzierung der Zahl der Klinikstandorte auf drei oder vier.
Räuberische Erpressung 
vor 12 Stunden
Muss ein 40-Jähriger in die Psychatrie? Über diese Frage wird vor dem Landgericht Offenburg entschieden. Der Angeklagte soll letztes Jahr zwei Mal versucht haben, Bankfilialen zu überfallen und habe sich später selbst gestellt – weil er dringend Hilfe brauche. 
Vor dem Landratsamt in Offenburg hat sich Protest gegen mögliche Klinikschließungen formiert.
Ortenau-Klinikum
vor 16 Stunden
Wie geht es mit den Standorten des Ortenau-Klinikums weiter? Christian Keller, Klinikum-Geschäftsführer, hat am Donnerstagmorgen die Ergebnisse des Gutachtens der Hamburger Klinikberatung Lohfert & Lohfert vorgestellt. Vor allem für einen Standort hatte er gute Nachrichten. 
Umleitung war eringerichtet
vor 17 Stunden
Wegen eines liegengebliebenen Lkws war die Straße nach der B33-Abfahrt bei Berghaupten-Marktscheune am Donnerstag mehrere Stunden gesperrt. Eine Umleitung war eingerichtet.
Schlag gegen Menschenhändler
vor 22 Stunden
Bei der bundesweiten Razzia zur Entdeckung eingeschleuster thailändischer Frauen und Transsexuellen wurde auch ein Club in Offenburg durchsucht. Hinweise auf einen illegalen  Aufenthalt der Mädchen fanden die Beamten nicht, allerdings wollte eine Person aussagen.
Forstwirtschaftliche Vereinigung
19.04.2018
Die Forstwirtschaftliche Vereinigung Schwarzwald (FVS) traf sich zur Hauptversammlung in Fischerbach. Es ging um nichts Geringeres als die Zukunft des Waldes. 
Ortenau-Reportage
18.04.2018
Maximilian Krones hat eine Nacht im Zelt im Offenburger Wald verbracht. Was die Stunden in der Dunkelheit mit ihm angestellt haben, hat er in einer Reportage aufgeschrieben.
Bordell durchsucht
18.04.2018
Die Bundespolizei geht mit Razzien und Festnahmen gegen die Organisierte Kriminalität im Rotlichtmilieu vor. Hunderte Frauen sollen aus Thailand eingeschleust worden sein, um als Prostituierte zu arbeiten. Auch ein Bordell in Offenburg wurde durchsucht.
Fach Deutsch
18.04.2018
In den allgemeinbildenden Gymnasien im Südwesten haben am Mittwoch die Abiturprüfungen begonnen. Etwa 33 500 Schüler starteten mit dem Fach Deutsch. In der Ortenau sind es mehr als 1300 Schüler.
Gut zu wissen
18.04.2018
Nach ein paar Bier über den Durst muss das Auto stehen bleiben, das weiß jeder. Aber wie sieht es beim Fahrrad aus? Auch Radfahrer drohen strafrechtliche Konsequenzen – und schlimmstenfalls kann es sogar den Autoführerschein kosten.
Fußball-Roboter bei der WM
18.04.2018
Im Juni will die Forschergruppe um den Fußball-Roboter »Sweaty« der Hochschule Offenburg seinen zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft in Montreal verteidigen. Am Dienstag erläuterte Projektleiter Ulrich Hochberg, mit welchen Neuerungen »Sweaty« an den Start geht.