»Leser helfen«-Interview

»Die Strapazen sind erheblich«

Autor: 
Thomas Reizel
Lesezeit 4 Minuten
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29. Oktober 2014
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Martin Pohl leitet als Oberarzt die Kinderdialyse am Universitäts-Klinikum in Freiburg.

Martin Pohl leitet als Oberarzt die Kinderdialyse am Universitäts-Klinikum in Freiburg. ©Ulrich Marx

Martin Pohl leitet als Oberarzt die Kinder­dialyse am Universitäts-Klinikum Freiburg. Ein mobiles Ultraschallgerät wäre für die Patienten, aber auch das Personal eine qualitative Verbesserung, sagte er der Mittelbadischen Presse. »Leser helfen« bittet dafür um Spenden.

Ein mobiles Ultraschallgerät – das klingt eigentlich selbstverständlich für ein Universitäts-Klinikum. Warum gibt es das nicht?
Martin Pohl: Wir haben ein stationäres Ultraschallgerät im Hause. Für die Kostenträger ist das ausreichend, für uns aber nicht. Wir behandeln pro Jahr 2400 kleine Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten, davon rund 300 aus der Ortenau. Von allen Patienten müssen rund 1000 regelmäßig mit einem Ultraschallgerät untersucht werden. Das stationäre Gerät ist häufig belegt und von weit entfernten Stationen nur mit großem Aufwand erreichbar. Das bedeutet für die Kinder erhebliche Strapazen.

Welche Strapazen?
Pohl: Die Gänge, durch die die Kinder im Bett oder Rollstuhl geschoben werden müssen, sind 150 bis 200 Meter lang, sehr eng und – wegen der Enge –  oft verstellt. Außerdem müssen wir mindestens dreimal einen Aufzug benutzen. Das ist für die Patienten sehr anstrengend, vor allem, wenn sie nicht aufstehen können und viele Infusionen laufen müssen.

Gibt es weitere Probleme beim Transport?
Pohl: Für immungeschwächte Patienten ist er riskant, weil sie sich auf dem Weg  mit Krankheitserregern anstecken können. Auch für die Pflegekräfte ist das belastend, weil es sehr viel Zeit kostet, die Patienten zu transportieren. Manchmal müssen wir kranke Kinder sogar wegschicken. Wir verfügen leider nicht über 80 000 Euro für ein Ultraschallgerät. Deshalb hoffen wir, dass die Leser-helfen-Aktion ein Erfolg wird, zumal wir dieses Ultraschallgerät auch interdisziplinär, etwa für tumorkranke Patienten, nutzen könnten.

Nierenkrank, was bedeutet das eigentlich?
Pohl: Wer einmal nierenkrank ist, bleibt es meist ein Leben lang. Es gibt die verschiedensten Ursachen. Kinder können schon mit Fehlbildungen auf die Welt kommen. Zum Beispiel können Kinder anstatt zweier normaler Nieren nur eine schlecht entwickelte oder zwei unterentwickelte Nieren haben. Auch entzündliche Krankheiten können die Funktion der Organe dauerhaft schädigen. Gleichzeitig gibt es Defekte wie sich immer weiter ausbreitende Nierenzysten, Krebs oder Stoffwechsel-erkrankungen, die die Nieren
regelrecht verstopfen.

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Ist Heilung in Sicht?
Pohl: Die Forschung hat zwar in Teilbereichen gute Erfolge erzielt, wenn es um das Verstehen der Krankheiten geht. Allerdings hat dieses Verständnis leider noch nicht dazu geführt, dass die meisten dieser Krankheiten auch besser behandelt werden können.

Aber es gibt doch Transplantationen und Dialyse.
Pohl: Wir sind noch sehr weit davon entfernt, damit verlorengegangene Nierenfunktionen dauerhaft zu ersetzen. Eine transplantierte Niere hat im Durchschnitt eine Lebensdauer von zehn bis fünfzehn Jahren und funktioniert fast immer schlechter als eine eigene Niere. Die Wartezeit für eine neue Niere liegt bei etwa fünf bis acht Jahren, in denen die Patienten dialysiert werden müssen. Eine Dialyse kann die Funktion einer intakten Niere nur zu einem kleinen Teil ersetzen. Deshalb müssen Patienten drei- bis viermal  pro Woche zur Blutwäsche und fühlen sich trotzdem nicht gut. Die Dialysezeit schadet dem Körper und verschlechtert die Aussichten auf eine gesunde lebenswerte Zukunft erheblich.

Kann man als Erwachsener eine Niere für Kinder spenden?
Pohl: Grundsätzlich können Eltern eine Niere für ein Kind spenden, auch wenn diese deutlich größer ist. Chirurgisch stellt das nur bei sehr ausgeprägtem Größenunterschied ein Problem dar.

Welche Rolle messen Sie dem Förderverein »Hilfe für nierenkranke Kinder und Jugendliche« bei?
Pohl: Unsere kleinen Patienten und ihre Familien benötigen auch viel Hilfe bei der Bewältigung der alltäglichen, auch finanziellen, Probleme. Erfahrene Ansprechpartner tragen sehr viel zu einer erfolgreichen Betreuung bei. Kindergärtner, Lehrer oder Arbeitsamtbetreuer der Patienten können diese Hilfe unmöglich leisten. Die soziale Betreuung ist für die Kinder  mindestens so wertvoll wie die ärztliche Behandlung an sich. Der Verein finanziert dafür eine Vollzeitstelle.

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