Internationale Berühmtheit
Dossier: 

Die "Teufelszunge" aus Achern: Trompetenstar Walter Scholz im Porträt

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03. August 2022
Acherns Startrompeter Walter Scholz ist schon vielen Prominenten aus Politik, Kultur und Sport begegnet. Davon zeugen die Widmungen in seinem Flur (großes Foto). Schauspielerin Claudia Cardinale ist auf den Tag genauos alt wie Walter Scholz (kleines Foto). Unten rechts ist er zu sehen bei einem Konzert im Acherner Feuerwehrgerätehaus 2012.

(Bild 1/3) Acherns Startrompeter Walter Scholz ist schon vielen Prominenten aus Politik, Kultur und Sport begegnet. Davon zeugen die Widmungen in seinem Flur (großes Foto). Schauspielerin Claudia Cardinale ist auf den Tag genauos alt wie Walter Scholz (kleines Foto). Unten rechts ist er zu sehen bei einem Konzert im Acherner Feuerwehrgerätehaus 2012. ©Stephan Hund

In unserer Serie "Ortenauer Originale" porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (100): Startrompeter Walter Scholz ist eine lebende Legende und hat in aller Welt Verehrer seiner Musik.

Man muss einfach gebannt zuhören, wenn Walter Scholz aus dem Nähkästchen plaudert. Der Acherner Startrompeter hat bereits viele Jahrzehnte im Musik- und Showgeschäft hinter sich und viel – oft auch Kurioses – erlebt.

Natürlich darf bei seinen Erzählungen die von ihm sehr geschätzte Verleger-Familie Burda nicht fehlen. Senator Franz Burda erlebte Walter Scholz erstmals bei einer Veranstaltung, bat ihn, sein Lieblingstrompetenstück, den „Trompeter von Säckingen“, zu spielen und habe, so erzählt der Musiker, bei dessen Vortrag Tränen in den Augen gehabt.

Sofort habe ihn der Senator für das am folgenden Wochenende anstehende Betriebsfest mit prominenten Gästen aus Show und Politik von Ivan Rebroff bis Franz Josef Strauß verpflichtet. Und das, obwohl Walter Scholz eigentlich schon eine Konzertzusage anderenorts für diesen Abend gegeben hatte.

Franz Burda habe dann den Veranstalter entschädigt, der sich über das Ausfallhonorar gefreut habe, und Walter Scholz spielte beim Betriebsfest gegen Mitternacht den „Trompeter von Säckingen“ und den „Dessauer Marsch“, begleitet vom Werksorchester. Dass der Geräuschpegel trotz der vielen Gäste und der angeregten Unterhaltungen in der Oberrheinhalle für den Musikbeitrag auf null runtergefahren wurde, dafür sorgte der Gastgeber mit energischer Ansage.

Eigene Fotogalerie

Die Verbindung zur Familie Burda ging auch über den Tod hinaus: Bei der Beisetzung von Aenne Burda im November 2005 spielte Walter Scholz ihr zu Ehren.

Hochzeiten, Geburtstage, Trauerfeiern: Walter Scholz begleitet Freunde, Bekannte oder einfach Anhänger seiner Musik bei besonderen Anlässen – und dies ohne Berührungsängste. Besonders schwer fiel es ihm, bei Fußballlegende Fritz Walter zu spielen. Der hörte besonders gerne das Stück „Il Silenzio“, das durch Nino Rosso weltbekannt wurde.

Als Musiker lernte der Wahl-Acherner viele Prominente kennen, wie man auch an seiner Fotogalerie im Hausflur sehen kann. Dabei ist dies nur ein Ausschnitt von Widmungen, wie Silvia Scholz erzählt. Ein Foto mit Fußball-Legende Fritz Walter, der Trauzeuge des Paars war, darf natürlich nicht fehlen. Viele der auf den Widmungen abgebildeten Personen sind inzwischen verstorben, wie Gert Fröbe, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Franz Josef Strauß, Hermann Prey, Helmut Zacharias und Gilbert
Bécaud. 

Viele Anekdoten

Selbstverständlich hat Walter Scholz zu jedem der Fotos die entsprechende Episode parat und noch weitere Anekdoten und Geschichten aus seiner langen Musikerkarriere. Dreimal, so erzählt er, ist er bei „Verstehen Sie Spaß?“ reingelegt worden. Einmal sollte er aus einem Flugzeug Trompete spielend springen, ein anderes Mal offenbarte er angeblich, dass Fische, als Reaktion auf seine Musik, sprechen können. Er war dazu nach Düsseldorf in die Universität eingeladen. Beim Flugzeug-Streich legte ihn Kurt Felix rein, im Versuchslabor mit den Fischen war Frank Elstner derjenige, der schließlich in die Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ einlud. Walter Scholz nahm die TV-Streiche mit Humor.

Angefangen hat die Musikerkarriere eigentlich schon am Kinderbett im hessischen Bad Arolsen. Die Liebe zur Musik wurde Walter Scholz quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater spielte ihm allabendlich auf dem Flügelhorn das Wiegenlied („Guten Abend, gut’ Nacht“) von Johannes Brahms vor, wie sich der 84-Jährige erinnert. Nach seinen ersten Erfahrungen als kleiner Bub mit der Blockflöte äußerte er alsbald vehement den Wunsch, Trompete zu spielen. So nahm der Weg zur „Teufelszunge“ und zu einem der bekanntesten nationalen und internationalen Solotrompeter seinen Lauf.

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Der gebürtige Hesse ist seit 1987 mit ganzem Herzen Wahl-Acherner. Hier lebt er mit seiner zweiten Frau Silvia. Nach Stationen am Landestheater in Detmold oder auch an den Staatstheatern in Darmstadt und Mainz sowie bei den Münchener Philharmonikern wechselte er 1962 zum Sinfonieorchester des Südwestfunks Baden-Baden als erster Solotrompeter. Dort lernte er Rolf Schneebiegl kennen, mit dessen Unterstützung als Arrangeur er einen neuen Sound kreierte und mit den Original  Schwarzwaldmusikanten volkstümliche Weisen erfolgreich präsentierte.

Auf Grund seiner Zungentechnik wurde Walter Scholz zur „Teufelszunge“ und landete mit seinem Titel „Sehnsuchtsmelodie“ einen großen Hit – dies alles ohne Fan-Club, wie Walter Scholz betont. Eine derart organisierte Anhängerschaft wollte er nicht, wohl auch weil er ein bodenständiger Künstler ohne Allüren ist.

Berühmter Kinnbart

„Als Künstler muss man ein bisschen eitel sein“, meint er aber, wenn man auf sein äußeres Kennzeichen zu sprechen kommt, den charakteristischen Kinnbart. Der sei so gar nicht geplant gewesen. Vor vielen Jahren sei er von einer Reise, auf der er den Rasierer nicht benutzte, mit einem Vollbart zurückgekommen.

Sein Friseur hat ihm dann einen Oberlippen- und Kinnbart stehen lassen. Da aber der Oberlippenbart beim Trompetespielen störte, blieb letztendlich der Kinnbart übrig. Der Bart war dann auf Plattencovern und Plakaten zu sehen und musste bleiben – bis heute.

Walter Scholz ist schon in über 80 Ländern aufgetreten. Anhänger hat er in der gesamten Welt, wie er immer wieder bei Fernreisen feststellen muss, wenn er von Musikfans angesprochen wird. In seiner Heimatstadt Achern tritt er nur ab und an auf. Unvergessen ist das grandiose Konzert im Feuerwehrgerätehaus in Achern im Jahr 2012, als er zusammen mit dem Männerchor Hanauerland und dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Achern-Önsbach das Publikum begeisterte.

Die Auftritte des Startrompeters sind indes inzwischen weniger geworden. Auch er müsse langsam dem Alter Tribut zollen, meint er. Aber er spielt natürlich weiterhin tagtäglich, gibt Seminare und Unterrichtsstunden. Seine Sammlung an Trompeten hat er verkleinert. Statt einst rund 100 Trompeten nennt er nun rund 15 sein Eigentum. Je älter eine Trompete sei, umso besser klinge sie, meint Walter Scholz.

Wenn er auf seine lange Karriere zurückblickt, stellt der 84-Jährige fest: „Ich habe immer Glück gehabt.“ Zu seinem enormen Fleiß und Ehrgeiz kamen die richtigen Begegnungen mit wichtigen Weggefährten wie Rolf Schneebiegl. Dass er zweigleisig gefahren ist, die Klassik hier und die volkstümliche Musik da, war sicherlich anfangs teils verpönt, aber auch andere Musiker haben diesen Schritt gewagt. Und ohne diesen wäre Walter Scholz heute nicht die Legende, die er nicht nur unter Freunden der Trompetenmusik ist.

 

Zur Person

Walter Scholz

Walter Scholz wurde noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs geboren, und zwar am 15. April 1938 im nordhessischen Bad Arolsen. Als 17-Jähriger wurde er Solotrompeter am Landestheater in Detmold. Er war Meisterschüler des bekannten Trompetenvirtuosen, Dirigenten und Komponisten Franz Willy Neugebauer (1904 – 1975) und legte das Staatsexamen für klassische Musik ab. 

Nach mehreren Stationen wechselte er 1962 nach Baden-Baden. Dort wirkte er 36 Jahre lang als erster Solotrompeter im Sinfonieorchester des Südwestfunks Baden-Baden. 

Parallel zu seiner Karriere als klassischer Solotrompeter widmete er sich der volkstümlichen Unterhaltungsmusik. Zusammen mit Rolf Schneebiegl entstaubte er so manche alten Stücke. Meistens schrieb Walter Scholz die Variationen selbst. Mit seinem Titel „Teufelszunge“ gewann er 1974 beim Deutschlandfunk den „Wettstreit nach Noten“. Und zehn Jahre später landete er dann mit der „Sehnsuchtsmelodie“ seinen größten kommerziellen Erfolg. Zahlreiche Goldene Schallplatten zeugen von seiner Beliebtheit beim Publikum.

Seit 1962 wohnte Walter Scholz mit seiner Familie im Raum Baden-Baden. 1987 zog er nach Achern, 1989 heiratete er seine zweite Frau Siliva, eine Sängerin der Fischerchöre, mit der er auch nach über 30 Jahren Ehe glücklich zusammenlebt und einen gemeinsamen Sohn hat.

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