Ortenau

Nach Hitzesommer: Finden Tiere genug Futter im Herbst?

Autor: 
Ines Schwendemann
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. Oktober 2018

Die Eichhörnchen haben genug Futter für ihren Vorrat. ©dpa

Die Vorbereitung auf den Winter beginnt für die Tiere in der Ortenau bereits im Herbst. Doch der lange Sommer hat seine Spuren hinterlassen: Gerade für manche Vögel gibt es ein dürftiges Angebot an Beeren und Körnern.

Der Sommer ist vorbei und die Nächte werden kälter. Viele Tiere und Vögel ziehen in Richtung Süden. Doch es gibt auch Tiere, die sich im Herbst vorbereiten müssen, um die kälteren Tage zu überstehen. Schwierig könnte es nach dem diesjährigen Hitze-Sommer für die Tiere werden, die über den Winter hier bleiben.

Standvögel, so nennt man die Vögel, die über den Winter in Europa bleiben, haben momentan keine große Nahrungsauswahl. »Beeren und Körner könnten etwas knapper sein als sonst«, meint Petra Rumpel vom BUND Offenburg. »Problematischer könnte es für die Samenfresser wie Stieglitze werden, denn die Samenstände vieler Stauden und Wildkräuter sind früh verblüht und im Sommer vertrocknet«, bestätigt auch Stefan Bosch, Fachbeauftragter für Ornithologie und Vogelschutz im NABU-Landesverband Baden-Württemberg.  

»Auch für Amphibien dürfte es durch die hohen Temperaturen ein schwieriger Sommer gewesen sein. Allerdings orientieren die sich nicht nur an den Temperaturen, sondern auch an der Tageslänge, so dass der Herbst sie nicht komplett überrascht hat und sie größtenteils schon in ihr Winterquartier umgesiedelt sind«, teilt Petra Rumpel mit. »Ein abrupter Temperaturwechsel, bei dem Fische und Amphibien von der Kälte überrascht werden, lässt sich derzeit nicht erkennen. Sie können sich also in ihre Überwinterungsquartiere beziehungsweise tiefere Wasserbereiche zurückziehen«, bestätigt auch Verena Kasper, Biologin und hauptamtliche Naturschutzfachkraft im Amt für Umweltschutz. 

In manchen Gegenden Deutschlands scheinen Nüsse und Bucheckern knapp geworden zu sein, die vor allem Eichhörnchen für ihren Wintervorrat und Siebenschläfer für ihren Winterspeck sammeln. In der Ortenau müsse man sich aber keine Sorgen machen.  »Trotz des Hitzesommers gibt es viele Eicheln, Bucheckern, Hasel- und Walnüsse, so dass für viele Arten, die sich - wie Buchfink, Buntspecht, Kernbeißer, Rabenkrähen und Kleiber - von Nüssen und Früchten ernähren, der Tisch reich gedeckt ist«, erklärt Bosch. »Nüsse, Eicheln und Bucheckern hat es zumindest im Wald bei mir vor der Tür eine ganze Menge«, bestätigt auch Petra Rumpel. 

- Anzeige -

Genug Nüsse vorhanden

Verena Kasper hat keine Bedenken: »Der vergangene Sommer war durch die andauernde Trockenheit zwar belastend für Tiere und Pflanzen, dennoch konnten sich viele Beeren, Früchte und Nüsse in ausreichender Menge entwickeln. 2018 ist ein sogenanntes Mastjahr bezüglich »Nussfrüchten«. So tragen Hasel-, Walnuss, Buche und Eiche derzeit, wie alle drei bis vier Jahre, besonders viele Früchte.« Wichtig für die Überwinterung der Tiere sei es, dass sie sich rechtzeitig eine Fettreserve anlegen und auf Futterreserven zurückgreifen können. Aus naturschutzfachlicher Sicht sei ein Futtermangel für überwinternde, gesunde Tiere aufgrund des heißen Sommers nicht zu befürchten, gibt Kasper Entwarnung. Aufgrund des andauernden »Goldenen Oktobers« mit warmen Tagen würden sich die Tiere weiter auf den kommenden Winter vorbereiten können.  

Futterstellen helfen

Igel müssen sich die nötigen Fettreserven als Kälteschutz und Nahrungsvorrat für den Winterschlaf anfressen, teilt der BUND Ortenau mit. Dabei bevorzugen sie Insekten, Asseln, Würmer und Schnecken. »Wenn das Nahrungsangebot für Igel knapp wird, kann auch eine Futterstelle helfen«, teilt Petra Rumpel mit. Sobald es friert und schneit, darf jedoch nicht mehr zugefüttert werden, denn der Nahrungsmangel sei ein wichtiger Auslöser für den Winterschlaf. Füttert man die Igel weiter, hält man sie künstlich wach, warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz. 

Info

Futterstelle für Igel einrichten

Wer den Tieren in der Ortenau helfen möchte, kann beispielsweise den Igeln eine Futterstelle einrichten, teilt der BUND Ortenau mit. 

Dafür eigne sich Katzen- und Hundedosenfutter, ungewürztes Rührei, gekochtes Geflügelfleisch oder durchgegartes Hackfleisch. Auf keinen Fall dürfe man Essensreste oder Milch dazustellen, denn der darin enthaltene Milchzucker ist unverdaulich und die Igel bekommen Durchfall. Schlimmstenfalls verlieren sie dadurch so viel Flüssigkeit, dass sie austrocknen und sterben, warnt die Pressestelle des BUND Baden-Württemberg.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Elektro-Event
vor 6 Stunden
Das Kamehameha-Festival geht 2019 in die sechste Runde. Jetzt ist der Termin bekannt: Am 15. Juni darf wieder den ganzen Tag lang auf dem Offenburger Flugplatzgelände der elektronischen Musik gefrönt werden.
Sozialausschuss
vor 7 Stunden
Im Ortenaukreis sollen mehr Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge geschaffen werden. Außerdem fehlt es langfristig an Kurzzeitpflegeplätzen. Das waren unter anderem die Themen im Sozialausschuss. 
Seit dem Wochenende verschwunden
vor 9 Stunden
Seit dem vergangenen Wochenende ist er verschwunden, seit Mittwoch sucht die Polizei offiziell nach dem 52-jährigen Markus Geißler aus Achern. Die Beamten bitten nun um Hinweise von Zeugen.
Prozess am Amtsgericht Emmendingen
vor 15 Stunden
Das Schöffengericht Emmendingen verhandelt nächsten Mittwoch, 9 Uhr, gegen einen 51-jährigen nigerianischen Staatsangehörigen. Diesem wird Vergewaltigung zur Last gelegt.
Archivfoto: Der Medienrummel war groß, als Felicitas Rohrer (links) im Dezember 2015 in Waldshut-Tiengen gegen Bayer vor Gericht zog. Sie ist überzeugt, dass die Anti-Baby-Pille »Yasminelle« von Bayer ihre doppelte Lungenembolie ausgelöst hat.
Interview mit Felicitas Rohrer
vor 16 Stunden
Felicitas Rohrer aus Willstätt hat einen langen Kampf hinter sich: Seit rund sieben Jahren klagt sie vor dem Landgericht Waldshut-Tiengen gegen den Pharmariesen Bayer wegen einer möglichen Gesundheitsgefahr durch die Anti-Baby-Pille. Sie fordert Schadenersatz sowie Schmerzensgeld in Höhe von...
Wohnungssuche
vor 19 Stunden
Vor einem Jahr hat der Ortenaukreis um Wohnraum für junge Flüchtlinge geworben. Diesen hätte die Obdachlosenunterkunft gedroht. Die Suche sei schwierig, hieß es damals, doch in Lahr, Kehl und Offenburg wäre kein Flüchtling obdachlos geworden. In unserer Serie »Nachgehakt« geht die Mittelbadische...
Netzwerk
16.10.2018
Sterbebegleitung war am Samstag Schwerpunkt beim Palliativtag am Ortenau-Klinikum St. Josefsklinik. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter trafen sich, um neue Impulse mitzunehmen und sich auszutauschen. Klar wurde, dass sie ihre Netzwerke weiter vertiefen wollen.  
Haltingen
16.10.2018
Weil es bei Haltingen eine Oberleitungsstörung gibt, haben auch Züge auf der Rheintalbahn Verspätung. Wann die Störung behoben ist, kann die Bahn noch nicht sagen.
Polizei gibt Tipps
16.10.2018
Herbst oder Winter sind bekanntlich anfälliger für hohe Einbruchzahlen. In der Ortenau gab es seit Ende September mehr als 20 Einbrüche. Die Polizei gibt Tipps, auf was Bürger achten sollten.
Strafverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr
16.10.2018
Die Polizei hat am Montagabend eine 55-jährige BMW-Fahrerin auf der A5 an der Anschlussstelle Ettenheim im Mahlberg angehalten. Eine Zeugin hat die Beamten auf das Auto hingewiesen. 
Unfallflucht in Appenweier
16.10.2018
Ein LKW-Fahrer hat am Dienstagmorgen einen Schaden von etwa 10.000 Euro auf einem Rastplatz der A5 in Appenweier zurückgelassen. Die Polizei ermittelt nun wegen Unfallflucht.
Weiß und Fechner
16.10.2018
Nach dem für die CSU und die SPD desaströsen Ergebnis der Landtagswahl in Bayern sieht der Christdemokrat Peter Weiß die Große Koalition in Berlin im Kern nicht gefährdet.