Tausendsassa
Dossier: 

Ein abenteuerlustiger Künstler vom Rhein: Horst Schäfer

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 7 Minuten
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27. Mai 2021

(Bild 1/2) Mit seinen vielfältigen Talenten als Sänger, Maler und Mundart-Dichter fasziniert Horst Schäfer seine Zuhörer bei zahlreichen Auftritten. In dem 78-jährige aus Rheinau-Diersheim hat steckt viel Abenteuerlust. Seit Jahrzehnten unternimmt er wilde Kanufahrten, unter anderem auf dem Rhein, an dessen Ufern er aufgewachsen ist. ©Ellen Matzat

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (48): Der 78-jährige Horst Schäfer aus Rheinau-Diersheim ist talentierter Maler, Sänger und Mundart-Dichter. Seine Abenteuerlust führte ihn auf zahlreiche Kanutouren.

Ich bin so vielseitig, dass meine Hobbys zu keinem Höhepunkt geführt haben“, sagt der Tausendsassa Horst Schäfer aus Rheinau-Diersheim. Der 78-Jährige ist unter anderem als Künstler, Wassersportler und Sammler aktiv. Seine erste Kulisse malte er in der vierten Klasse in Honau, sein erstes Ölgemälde mit 18 Jahren zum 60. Geburtstag seines Opas. „Aus Blauknet formte ich als Kind eine Christusfigur, die mir wunderbar gelang. Als ich sie zum Trocknen ans Fenster stellte, warf sie mein Bruder herunter“, erinnert er sich. Sein Traumberuf wäre Steinmetz gewesen. Ob als Maler, Ideeneinbringer, Sprecher oder Sänger – er fand schon sehr jung zu den verschiedensten Gelegenheiten seinen Platz auf der Bühne.

Selbst in seiner zwölfjährigen Bundeswehrzeit brachte ihm seine Vielseitigkeit viele Vorteile, denn er bekam zahlreiche Sonderaufgaben, wie das Gestalten eines Mannschaftsraums, Bemalen eines Unteroffizierskellers und künstlerische Sondereinsätze bei den Amerikanern. Eine seiner Fähigkeiten, die heute nicht mehr viele Leute beherrschen, ist das Malen von Schriften. Bei Dorf- oder Vereinsjubiläen ist er für Ortsschilder, Bühnenschilder und Urkunden zuständig.

Ohne jeglichen Komfort

Seine zweite Leidenschaft gilt Abenteuern, vor allem im Wildwasser, der Natur und den Tieren. „Da kann ich nur dem Herrgott danken, dass mir nie etwas passiert ist, da ich immer die Gefahr suchte“, sagt der heute 78-Jährige, dessen letzte mehrtägige Kanutour von Worms bis Koblenz mit Wildcamping auf Rheininseln ohne jeglichen Komfort – Schlafsack und Kochgeschirr am Mann – mit seinen sechs über 70-jährigen Freunden und seinem Sohn noch kein Jahr her ist. Für Rheinschiffer Boldi, der nicht mehr dabei sein konnte, wurde eine Boldi-Gedächtnisminute eingelegt.

Dieses Jahr soll es wieder mit dem Kanu losgehen, in drei Tagen von Konstanz bis Schaffhausen. „Da ich am Rhein aufwuchs, war ich schon immer dem Wassersport verschrieben“, erklärt Schäfer. Sein erstes Boot war ein Fliegertank, mit dem er auf dem Rhein zwischen den großen Schiffen herumfuhr. Da seine Mutter aus Angst um ihn die Fischer beauftragte, das Teil zu versenken, musste er es immer gut verstecken.

Selbst gebaute Kanus

Mit 19 erwarb er die erste Bootsschale und baute anschließend nach Anleitung eines Freundes fünf bis sechs Kanus. Seine erste große Tour unternahm er aber mit Sohn Ralf und einem weiteren Verwandten mit dem Faltboot. In drei Tagen fuhren sie vom Taubergießen bis nach Diersheim. Ab dort gab es jährlich geplante Touren, als Erstes mit den Alten Herren des Sportvereins am Vatertag. Nach und nach bildete sich ein Kanuclub, der aber kein angemeldeter Verein war. Um bei anderen Kanuclubs preisgünstig übernachten zu können, gab sich Schäfer als Paddlergilde Kehl aus. Das ging so lange gut, bis ein Club zum Gegenbesuch kommen wollte, den er in seiner Verzweiflung zum Übernachten zu sich nach Hause einlud, um dort reinen Wein einzuschenken. Daraufhin wurde der eingetragene Verein „Ammerelche“ gegründet, der allerdings bis heute nicht Mitglied im Deutschen Kanuverband ist.

Leichtsinnige Touren

„Als Grünhörner und ohne Ahnung von der Gefahr befuhren wir im offenen Canadier nur mit dem Helm ausgerüstet die Ammer in Österreich“, erzählt er. Alle außer ihm kippten, alles Essen schwamm weg. „In einer Schlucht wurde es dunkel, ein heftiges Gewitter kam und ließ das Wasser steigen“, erinnert er sich weiter. Auf dem nächsten Campingplatz schlug der Besitzer ungläubig über so viel Unvernunft die Hände über dem Kopf zusammen, und Schäfer ist heute noch froh, die Ammer ohne weitere Schäden überstanden zu haben. Bis heute ist allerdings der Rhein mit all seinen Schikanen Schäfers Lieblingsfluss. Zum Jahresrhythmus gehörten fortan die Eistour, das Anpaddeln, die „Frauentour“ und die mehrtägige Jahres- und Männertour auf Wildwasser. Bei der Abschlussfahrt vor drei Jahren auf der Moder und dem Rhein waren zwei junge Kanufahrer dabei. Als die beiden eine Treppe herunterliefen, machte er von beiden ein Foto und erklärte, dass dies die neue Vereinsführung sei. Dirk Hähnel und Andreas Keck nahmen die Herausforderung 2019 an und führen den Verein bis heute.

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Leidenschaft für Tiere

Eine weitere Leidenschaft galt den Tieren. Schäfer hatte in seiner Jugend sprechende Elstern, Krähen und eine Seeschwalbe. Einmal musste er als Messdiener mit seiner Krähe auf dem Finger eine Trauerfeier verlassen, da sie diese mit ihren Sprachkünsten zum Lachen brachte.
Mit dem Schlauchboot rettete er trotz großer Gefahr bei Hochwasser ein Reh vor dem Ertrinken und päppelte es wieder aus. Bis heute unvergessen ist ihm, dass es drei Wochen später vom Jäger geholt wurde und es im Honauer Gemeinderat Rehessen gab. „Über meine Tiergeschichten und die damalige Jägerschaft könnte ich ein Buch schreiben“, sagt er und erzählt, wie er Fallen und Gifteier entfernte und Tiere vor dem tödlichen Schuss bewahrte.

Im Wald kannte er sich aus und in der Krone, der Wirtschaft seiner Mutter, bekam er die Vorhaben der Jäger, Jagd- und Wildhüter oft mit und konnte ihnen so zuvorkommen. Einmal wäre er dabei fast selbst mit der Hand in eine Falle geraten, als er eine Wildente rettete. Lachend erinnert er sich an den gellenden Schrei von s’Bode Anita, mit der er an Fasnacht tanzte, als plötzlich sein zahmes Frettchen aus dem Hemdkragen blinzelte, das sie für eine Ratte hielt.

In keiner Weise abgehoben

Schäfer ist in keiner Weise abgehoben. Er ist gerne unter Menschen und gestaltete mit Gerd Birsner einige Hanauer Abende. Als Duo „D’ Moler un de Schnieder“ machte er mit Werner Senger viele Gesangs-Auftritte in Altencafés sowie in Rheinauer und Kehler Gemeinden. Unvergessen ist auch sein Auftritt beim Messdigottesdienst in Honau, bei dem er mit seinen Messdiener- und Schulkameraden von damals in Reimform und im Hanauer Dialekt vom früheren Messdienerleben erzählte und so die ganze Kirchengemeinde zum Lachen brachte. Vier Auftritte mit Gedichten und Liedern absolvierte er bei der Stadtkultur Rheinau, unter anderem beim Literaturcafé im Foyer der Stadthalle.

In der Diersheimer Festhalle lud er zu seiner Messerausstellung mit Messern aus aller Welt ein. Im Honauer Rathaus gab es eine Ausstellung mit seinen gesammelten historischen Bildern, die auf so große Resonanz stieß, dass sie wiederholt wurde. Ein Teil seiner historischen Bilder zieren das Rathaus heute noch.

Versiert in der Versform

Kommunalpolitische Gegebenheiten nahm er oft in Versform aufs Korn, sei es der ideenlose und nüchterne Kreisverkehr in Freistett, der Hundekot im Plastikbeutel oder die holprige Strecke zwischen Honau und Diersheim. Seine Dichtkunst fand ihre Anfänge in Büttenreden bei der Fasnacht des Diersheimer Musik- und Sportvereins.

Leidenschaftlicher Sammler

Neben all den künstlerischen Talenten ist Horst Schäfer auch leidenschaftlicher Sammler. „Es gibt eigentlich nichts, was ich nicht sammle“, lacht er. Zu seinen Sammlungen gehören Mineralien, Münzen, alte Möbel und auch Messer und Waffen. Vieles gab er davon schon weiter. Aktuell fasziniert ihn die Serviettentechnik. „Auf jeden Fall reicht mein Leben für all meine Pläne und Vorhaben nicht aus“, ist er sich bewusst.

Zur Person

Horst Schäfer

Horst Schäfer wurde am 1. Dezember 1942 in Karlsruhe geboren. Seine Jugend verbrachte er in Rheinau-Honau, von 1957 bis 1960 absolvierte er seine Malerlehre und zog 1966 in den Nachbarort Rheinau-Diersheim um. Von 1965 bis 1976 war er bei der Bundeswehr, die er als Oberfeldwebel verließ. Die Meisterprüfung legte er 1977, sein Diplom 1978 ab. Seit 2013 ist Schäfer im Unruhestand. Aus seiner Ehe hat er zwei Söhne und ist seit 1966 mit Renate Kaiser zusammen. Beide zusammen freuen sich über vier Enkel.

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