Reportage

Ein Landwirt aus Sasbachwalden macht Kohle wie im Regenwald

Autor: 
Bettina Kühne
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
13. April 2017
Bildergalerie ansehen

Josef Vierthaler hat den Kessel selbst gebaut. Damit produziert er Holzkohle, ohne dass es dabei zu Rauchentwicklung kommt. ©Ulrich Marx

Familie Vierthaler stellt in einem selbstgebauten Kessel Holzkohle zur Bodenverbesserung her. Die Methode stammt von Ureinwohnern aus dem Amazonasgebiet.

An Ostern lodert das Feuer wieder auf dem Hof der Vierthalers in Sasbachwalden: Aus dem riesigen Kessel züngeln die Flammen, wenn Josef Vierthaler noch eine Schicht Holz auflegt. Doch im Gegensatz zu den anderen Osterfeuern wird man bestenfalls ein paar Funken sehen, wenn der Winzer sein Feuer mit einem langen Metallschieber ein bisschen bearbeitet. Rauch steigt keiner auf: Die Methode, die Vierthaler anwendet, setzt das alte Sprichwort außer Kraft: Von wegen, wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Das beeindruckt auch die Gäste, die an diesem Abend gekommen sind, um von Josef Vierthaler und seiner Frau Susanne mehr über die Herstellung eines humusreichen Bodens zu erfahren. Nun staunen die rund 40 Gäste darüber, wie im speziellen Verkohlungsofen, Holzkohle zur Bodenverbesserung hergestellt wird.

Möglich macht es der spezielle Kessel, den der Landwirt selbst gebaut hat. Der sieht von außen aus wie eine ganz normale Tonne. Im Inneren verbirgt sich allerdings eine Art Trichter. Darin schichtet Josef Vierthaler das Holz sowie Reste und Schnittgut aus der Landwirtschaft auf. Nur wenn er die Methode Zuschauern vorstellt, kommt auch mal ein Feuerholzscheid darauf. Dann wird der Prozess anschaulicher: Familie Vierthaler will – zusammen mit der evangelischen und katholischen Erwachsenenbildung sowie dem Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) Ortenau – die Methode bekannter machen, mit der im Amazonasgebiet der Boden schon vor Jahrhunderten erfolgreich verbessert 
wurde.

Natürliche Nährstoffe

»Terra Preta« (Schwarzerde) heißen die Böden im Regenwald, die unter anderem mit dieser speziellen Art von Holzkohle durchzogen und damit sehr fruchtbar sind. Auch in der hiesigen Landwirtschaft bietet sie Vorteile, sagt Familie Vierthaler. Die Pflanzenkohle, mit natürlichen Nährstoffen gefüllt, setzen sie seit Längerem im eigenen Obst- und Weinbau ein. Dadurch bildet sich eine äußerst ertragreiche, nachhaltige und tiefgründige Humusschicht. Die Pflanzen werden so auch widerstandsfähiger und vitaler, die Früchte schmackhafter und gesünder.

Auf gut 1000 Grad Celsius bringt es das Feuer im Kessel, doch am Außenrand des Feuerkessels ist nichts davon zu spüren. Man kann ihn anfassen, er hat ja einen doppelten Rand – und zudem praktische Griffe. Josef Vierthaler schaut seit dem Nachmittag nach dem Feuer, stapelt neues Holz auf. »Es brennt von oben nach unten«, sagt er. Damit es neuen Platz gibt, stoppt er den Prozess im unteren Teil des Ofens. Über einen roten Schlauch kommt die Abkühlung: Er lässt Wasser aus der eigenen Quelle dazu – die Ernte beginnt. 

- Anzeige -

Vierthaler öffnet ein Türchen unten am Ofen. Auf dieses Extra ist er stolz: Er hat seinen Verkohlungsofen selbst entworfen und angefertigt. Mit seinem Schieber fasst er nun nach und befördert Holzkohle in einen Eimer. Sie fühlt sich schon kalt an, kaum zu glauben, dass sie eben noch in der Gluthitze lag. Die Kohlestückchen werden herumgereicht. Leicht liegen sie in der Hand. Die Stücke splittern aufgrund ihrer speziellen Porenstruktur. Und genau auf die kommt es an: Denn somit kann ein riesiges Speichervolumen erzielt werden, pro Gramm ergibt sich dann eine Oberfläche von 300 Quadratmeter.

Doch fürs Erste kommt die ganze Kohle in große Drahtkörbe, denn sie alleine macht noch keinen Boden gut. Deshalb wird sie klein gemahlen und gefüllt mit Effektiven Mikroorganismen (EM) sowie mit natürlichen Nährstoffen. So kann die Kohle dann in den Boden eingearbeitet werden. Wo die Pflanzenwurzeln ihre Nährstoffe nach Bedarf abzapfen können.

Sobald sich alle von der Feuerstelle losgeeist haben, wird Susanne Vierthaler erklären, welche Elemente noch dazu gehören. Doch bevor es soweit ist, zeigt das Ehepaar mit einem Film, was es überhaupt antreibt: Dass es immer weniger fruchtbares Land gibt. 1000 Jahre braucht es, bis unter normalen Bedingungen zehn Zentimeter Humus entstanden sind. Verdammt lang. Der Verbrauch dagegen beschleunigt sich immer mehr, wie in dem Clip zu sehen ist: Häuser und Straßen, Industrie und die Gewinnung von Bodenschätzen und nicht zuletzt die Überdüngung durch die Landwirtschaft zerstören die fruchtbare Erdschicht. Und da wollen die beiden gegensteuern – mit schnell reifendem Kompost.

Effektive Mikroogranismen am Werk

Susanne Vierthaler vergärt ihre Küchenabfälle wie Sauerkraut. Sie sammelt alles, was tagsüber beim Kochen so anfällt. Abends packt sie ihre Küchenabfälle in ein luftdichtes Gefäß. Alles wird mit der zermahlenen Kohle bestreut. Zugesetzt werden noch sogenannte Effektive Mikroorganismen, die den Prozess der Umwandlung in Gang setzen – der Gärprozess wird angeregt. Sie lässt ein Eimerchen davon durch die Reihen gehen, die Gäste schnuppern. Es riecht angenehm säuerlich, aber Einzelteile wie Bananenschale oder Ähnliches lassen sich noch gut erkennen. Macht nichts, sagt die Expertin. Erst muss der gefüllte Eimer zwei Wochen ruhen. Die Flüssigkeit, die dabei entsteht, lässt sie über einen kleinen Hahn im Eimer ab. »Es eignet sich als Dünger oder als Abflussreiniger«, verblüfft sie ihre Zuhörer. 

Nach 14 Tagen schließlich setzt sie den Kompost aus. Am besten in einem umgedrehten Blumentopf, denn dann können sich die Bodenorganismen ungestört bedienen – etwa die Regenwürmer. »Diese fressen schließlich keine Erde«, sagt sie schelmisch. Aber sie wandeln den Kompost blitzschnell in solche um: Nach weiteren vier Wochen ist kein Fitzelchen der Obst- und Gemüsereste mehr zu sehen.

Wer noch einen Beweis sucht, ob die Methode funktioniert, wird im Garten der Vier-thalers fündig. Wer in diesen hineinspickt, kann sehen, wie der so gewonnene Boden wirkt: Weil die Nährstoffe nicht ausgewaschen werden, und sich die schwarze Erde zudem schneller erwärmt, gedeiht alles prächtig.
 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 12 Stunden
Der Mann sollte nicht ihr einziges Opfer werden
Eine falsche Stromableserin war am vergangenen Freitag in Ortschaften in der Nähe von Lahr unterwegs. Ein Rentner fiel auf sie hinein, andere Täschungsversuche blieben dagegen erfolglos. Die Polizei sucht nun Zeugen.
vor 12 Stunden
Bei Appenweier
Eine 22-Jährige ist zu Fuß entlang der A5 zu einem Rasthof gelaufen, weil sie nicht genug Kraftstoff im Tank hatte. Ihr Auto blieb auf dem Standstreifen bei Appenweier liegen. Eine Streife sammelte die junge Frau auf.
Während Lukas‘ Krebstherapie hat seine Mutter mit den drei Geschwistern monatelang im Elternhaus gewohnt. Heute geht es dem Jungen wieder gut. Die diesjährige „Leser helfen“-Aktion der Mittelbadischen Presse läuft zugunsten des Fördervereins für krebskranke Kinder. Für den Bau eines neuen Elternhauses ist der Verein dringend auf Spenden angewiesen.
vor 18 Stunden
Ortenau
Das erste Ziel haben die Spender der Leser-helfen-Aktion geknackt: Für das Elternhaus, das der Förderverein für krebskranke Kinder in Freiburg neu bauen wird, wurden bereits über 10 000 Euro gespendet. Jetzt hat „Leser helfen“ die nächste Etappe im Blick. 
vor 20 Stunden
3,2 auf der Richter-Skala
Gab es im Raum Kehl am Dienstag ein Erdbeben? Laut Erdbebendienst Südwest ja! Der Grund dafür scheint aber kein natürlicher, sondern ein von Menschen gemachter zu sein.
vor 20 Stunden
Fußball
Es ist Länderspielpause – und diese wird von Fußball-Proficlubs gerne zu Testspielen genutzt. Eine attraktive Begegnung findet am Donnerstag (15 Uhr) im Kehler Rheinstadion statt, wenn Zweitligist Karlsruher SC auf den Schweizer Traditionsverein FC Aarau trifft.
vor 20 Stunden
Zoff am Ratstisch
30 Euro pro Quadratmeter für die künftige Klinikfläche, 2,50 Euro fürs angrenzende Ackerland: Für das Angebot der Stadt an die privaten Grundstücksbesitzer gab der Haupt- und Bauausschuss am Montagabend einstimmig grünes Licht. Vorher ging es allerdings hoch her, weil Grünen-Stadträtin Maren...
vor 21 Stunden
Sieger beim Innovationspreis
Eine Maschine, die beim Pressen von Holzspänen jede Menge Energie spart, kommt auf Platz eins beim Innovationspreis des Landes – sie stammt aus Hinterseebach in der Ortenau. Was steckt dahinter? Ein Besuch beim Erfinder.
Das Programm (wie das Kochstudio) stieß auf ­eine gute Resonanz.
vor 21 Stunden
Lahr/Schwarzwald
Wie lief die Chrysanthema in diesem Jahr? Die Stadt zieht eine Bilanz – und die fällt positiv aus. Die Zahl der Reisebusse ging nach oben. Erstmals kamen auch welche aus England nach Lahr.
vor 21 Stunden
Ausbau der Hochspannungsleitung bei Schutterwald
Zum Abschluss eines Raumordnungsverfahrens zur Verstärkung des Stromnetzes von Nord nach Süd soll die 220-Kilo-Volt-Hochspannungsleitung über dem Gewerbegebiet Schutterwald zurückgebaut werden. Die neue Trasse soll an die A5 verlegt und mit anderen Hochspannungsleitungen gebündelt werden. 
vor 22 Stunden
Wegen Baumfällarbeiten auf dem Schönberg
Zwischen Lahr und dem Kinzigtal ist noch bis Samstag kein Durchkommen. Wegen Maßnahmen am Waldbestand ist die Strecke zwischen der Ortsausfahrt Lahr-Reichenbach und der Abzweigung auf die B33 nach Biberach noch bis Samstag, 16. November, vollgesperrt. 
WRO-Geschäftsführer Dominik Fehringer (von links), die Landtagsabgeordnete Marion Gentges, Dominik Bösl und der Vorstandsvorsitzende des WRO-Wirtschaftsbeirates Helmut Hilzinger thematisierten die Automatisierung.
vor 23 Stunden
Ortenau
Robotern sollen in der Zukunft immer wichtiger für die Menschhheit werden. Dominik Bösl vom Weltmarktführer „Kuka“ erklärt, warum man sich vor künstlichen Intelligenz nicht fürchten muss.
Von links: Barbara Münnig (Leitung Therapeutikum), Georg Benz, Sylvia Schlotthauer mit Klara, Angela Kälble mit Ben, Anita Göppert, Mirjam Weisserth, Silke Martens (Geschäftsführerin Verein Frühberatung).
12.11.2019
Ortenau
Familien mit behinderten oder entwicklungsverzögerten Kindern, können sich im Ortenaukreis an die Frühförderstelle wenden. Dort gibt es Therapie, Beratung und Diagnose unter einem Dach – das Konzept existiert schon seit 40 Jahren.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 11.11.2019
    Bewegung analysieren
    Die moderne Arbeitswelt kann krank machen. Körperliche Unterforderung und psychische Überforderung resultieren in Rückenschmerzen, Gelenkproblemen, Burnout und Stoffwechselstörungen. Stinus Orthopädie bietet Unternehmen Bewegungsanalysen für Beschäftigte an – die auch im Betrieb durchgeführt werden...
  • 08.11.2019
    Medizinische Therapie und Fitness-Training
    „Fit werden – Fit bleiben“ – das ist das Motto des Rehazentrums Offenburg. Darum bietet es in familiärer und freundlicher Atmosphäre vielfältige Therapiemöglichkeiten an. Egal, ob chronische Schmerzen oder Beschwerden nach einer Operation – das Rehazentrum Offenburg findet die individuelle Hilfe...
  • 05.11.2019
    "Maschinen-Wagner" lädt ein
    Ob drehen, fräsen, bohren oder schleifen – „Maschinen-Wagner“ in Renchen ist der Experte auf dem Gebiet der Metallverarbeitung. Im November lädt das Unternehmen zur Hausmesse ein. Hier können sich die Besucher rund um die Themen Innovative Technologien, 5-Achs-Fräsen und Automatisierung informieren...
  • 04.11.2019
    Ausbildung und Praktikum
    Hermann Uhl KG in Schutterwald: Seit über 85 Jahren steht die Firma UHL aus Schutterwald für hohe Qualität rund um Sand, Kies, Beton und Betonerzeugnisse. Ohne gute Mitarbeiter geht so etwas nicht. Genau deshalb investiert UHL viel in die persönliche berufliche Entwicklung und in die Ausbildung...