Brief als Dankeschön

Eine Frau berichtet, wie sie im Frauenhaus Zuflucht fand

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 4 Minuten
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08. Dezember 2018
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Milena* hat nach einem mehrmonatigen Aufenthalt im Frauenhaus Ortenau Dank der Unterstützung wieder in ein geregeltes Leben zurückkehren.

Milena* hat nach einem mehrmonatigen Aufenthalt im Frauenhaus Ortenau Dank der Unterstützung wieder in ein geregeltes Leben zurückkehren. ©Ulrich Marx

Frauen, die Zuflucht im Frauenhaus gefunden haben, zeigen ihre Dankbarkeit oft mit Briefen. Sie machen den zahllosen anderen Hilfesuchenden Mut. Für die Aktion »Leser helfen« schildert Milena*, wie ihr der Verein Frauen helfen Frauen wieder auf die Beine geholfen hat. Für ein zweites Frauenhaus werden 150 000 Euro benötigt.

Manchmal gibt es Freude und Glück im Frauenhaus Ortenau. Ein besonderes Kapitel im Buch des Vereins Frauen helfen Frauen hat den Titel »Danke«. Viele Ehemalige kommen zurück, um  sich ehrenamtlich an ganz unterschiedlichen Aufgaben im Verein einzubringen. Wenn es finanziell möglich ist, dann werden sie Fördermitglieder. 

»Wenn eine Frau nicht den Jahresbeitrag von 36 Euro zahlen kann, dann zahlt sie einfach so viel, wie sie in der Lage ist. Jeder kleine Betrag hilft uns«, sagt Monika Strauch, Geschäftsführerin des Vereins. Was wirklich zu Herzen geht, sind die Briefe, Mails oder die Kleinigkeiten, die die Frauen vorbeibringen. Oft auch nur eine Tafel Schokolade, ein Stück Kuchen oder eine nette Bastelarbeit. Das zeigt auch, wie fest sie wieder im Leben stehen. Dass sie durch die Zeit im Frauenhaus Ortenau an Leib und Seele heil geworden sind,  ein Stück Vertrauen und Zuneigung zurückgeben können. 

»Ich verlasse das Frauenhaus mit meinem wahren Ich … ich bin selber überrascht, was ich hier alles geschafft habe und was ich für mich jetzt mitnehmen kann.« Dieser Brief (Foto) stammt von Milena* und ist an die Frauen gerichtet, die nach einer Zuflucht im Frauenhaus suchen müssen. Der Brief mit den zwei Herzen hängt eingerahmt an der Wand. 

Für Milena gab es diese glückliche Wendung. Nach dem mehrmonatigen Aufenthalt im Frauenhaus Ortenau konnte sie eine Wohnung finden, ihre Berufsausbildung wieder aufnehmen und ohne Angst mit ihren beiden Kindern leben. »Ich gehe wegen der Kinder ins Frauenhaus«, hatte sie damals bei der Aufnahme erklärt. »Die beiden Kleinen bekommen ja alles mit. Nachts, wenn es losgeht mit den Schlägen, wenn ich vor Schmerz schreien muss. Dann liegen sie in ihren Bettchen und weinen«. 

Kinder sind verunsichert

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Wie soll eine Mutter ihren Kindern erklären, warum der Papa sie auf den Boden wirft, ihr die Haare büschelweise ausreißt? Das immer und immer wieder. Man kann ihnen zwar sagen, dass Mama und Papa auch mal streiten, aber warum geht die Mama mit uns von zu Hause weg? Kinder haben einen Loyalitätskonflikt gegenüber ihren Eltern, wissen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses. Sie sind zutiefst verunsichert. 

Milena schilderte zwei Schlüssel-Situationen, die sie letztlich bestärkten, »die Kinder und ich müssen hier raus«.  Ihr Ehemann hatte sie gestoßen, Milena fiel auf das Kind. Ein anderes Mal hatte sie »unerlaubt« Geld für den Kindergartenausflug ausgeliehen. Schon längst hatte sie keinen Cent mehr, weder Ausweis, Kreditkarte noch Handy in der Tasche. »Das alles hatte er mir weggenommen«. Als er das Ausleihen bemerkte, wendete er Gewalt an. »Ich wurde verprügelt und das richtig, die Kinder haben es mit ansehen müssen«. Die kleine Familie war zu diesem Zeitpunkt in den Ortenaukreis umgezogen. Eltern, Freunde, Verwandte wohnten weit entfernt. 

Der Fall »Milena« ist im Verein Frauen helfen Frauen leider exemplarisch für unzählige Schicksale. In Baden-Württemberg kam es 2017  zu 27 Tötungsdelikten durch häusliche Gewalt (23 Frauen, vier Männer). In 12 016 Fällen kamen Verletzungen vor, die Opfer häuslicher Gewalt wurden vergewaltigt oder gegen ihren Willen festgehalten (9 966 Frauen und 2 050 Männer). Die Polizei geht von einer enormen Dunkelziffer aus. (Statistik aus Landtagsanfrage vom 12. März 2018).

Seit drei Jahrzehnten

Beim Auszug aus dem Frauenhaus bemühen sich fast alle Frauen, ihre Zimmer blitzsauber zu hinterlassen, weiß Monika Strauch. Sie wissen, es kommt jemand, der vor Leid und Kummer kaum in der Lage ist, den Alltag zu bewältigen. Schutzfunktion, Stabilisieren, Befähigen, damit Frauen, Männer und Kinder ein gewaltfreies Leben führen können, das alles ist Aufgabe des Vereins Frauen helfen Frauen seit nunmehr über drei Jahrzehnten. Der Erlös der Spendenaktion »Leser helfen« geht unmittelbar an den Verein Frauen helfen Frauen Ortenaukreis.

*Name von der Redaktion geändert.

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