Leser helfen

Haus des Lebens: Eltern bauen Beziehung zu ihren Kindern auf

Autor: 
Ursula Gross
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11. Dezember 2017

Damit die Beziehung zwischen Mutter und Kind gelingt, überhaupt erst einmal gut begonnen wird, dafür steht das »Steep«-Programm im Haus des Lebens in Offenburg, das in diesem Jahr von »Leser helfen«, der Spendenaktion der Mittelbadischen Presse, unterstützt wird. Videoaufnahmen von alltäglichen Situationen zeigen die Interaktion zwischen Mutter und Kind. Ziel für die Mütter ist es, die Bedürfnisse des Kindes wahrzunehmen.  

»Schau mir in die Augen, Mama«, das fordern alle Kinder der Welt ein. Oder, »sprich mit mir, verstehe mich, dann weißt du, was ich gerade brauche«. Gerade die Allerkleinsten sind auf den innigen Kontakt zur ihrer ersten Person im Leben angewiesen. Was aber, wenn die Mutter nicht in der Lage ist, die Bedürfnisse ihres Kindes zu erfüllen? 

Auch das kommt im Haus des Lebens in Offenburg-Rammersweier vor. Mütter, die selbst wenig Elternliebe und Schutz, sogar Ablehnung oder Vernachlässigung ihres Umfeldes erfahren haben, werden durch ein spezielles therapeutisches Programm darin unterstützt, eine gelingende Mutter-Kind-Beziehung aufzubauen. Es nennt sich »Steep«, was für »Steps Toward Effective Enjoyable Parenting« (Schritte hin zu gelingender und Freude bereitender Elternschaft) steht. 

Das videogestützte Beratungs- und Frühinterventionsprogramm, das auf der Bindungstheorie basiert, wurde von Martha Erickson und Byron Egeland, University of Minnessota Center for early education and development,  entwickelt.  Sabrina (21) und Ben (sieben Monate) wurden seit ihrem Einzug in das Haus einer der neun für dieses Programm ausgebildeten Beraterinnen zugeordnet, die sie während ihres Aufenthalts konstant begleitet.

 

 

Vertrauen aufbauen

»Hm«, schaut Sabrina, Mutter von Ben, etwas fragend in die Gesprächsrunde. »Ich konnte mit dem Begriff ‹Steep› erst mal nichts anfangen.« Doch dann nickt sie: »Ja, auf jeden Fall hat mir die Arbeit mit den Videoaufnahmen sehr viel Spaß gemacht und mir geholfen, Ben besser zu verstehen.« An diesem Programm nehmen im Haus des Lebens alle Mütter und Schwangeren teil. Am Anfang stehe der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung, erklärt die Fachberaterin. Die Bewohnerinnen werden danach während ihrer Beschäftigung mit dem Kind in einer etwa zehnminütigen Videosequenz gefilmt. Das kann beim Baden, beim Füttern, beim Wickeln oder dem gemeinsamen Spiel sein. 

Im Anschluss schaut sich jede Mutter mit ihrer Beraterin, begleitet durch offene Fragen, die Aufnahmen an. Sabrina schilderte in einem Gespräch, dass Bens Badesituation in der großen Wanne etwas knifflig sei. Sie bat darum, dies beim nächsten Einzeltermin aufzuzeichnen, damit sich ihre Unsicherheit nicht auf Ben überträgt. Sie sei schon viel selbstsicherer beim Umgang mit dem Kind geworden, traue sich mehr zu. 

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»Die schönsten Momente sind für mich, wenn Ben mich anlächelt, wenn er versucht, sich mit mir durch Quietschen und Brabbeln zu unterhalten«, berichtet Sabrina. Nicht nur das Video, auch die Gespräche mit den Beraterinnen seien sehr hilfreich, findet die junge Mutter. Ergänzend zu den Einzelterminen gibt es im Haus des Lebens unterschiedliche Angebote in Gruppen. Dort erhalten die Mütter einerseits inhaltliche Anregungen bezüglich der Entwicklung ihres Kindes, andererseits haben sie Gelegenheit zum Austausch über Themen, die sie aktuell beschäftigen. Wenn Mutter und Kind das Haus des Lebens verlassen, bekommen sie die Aufnahmen auf einem USB-Stick als Andenken mit nach Hause.

INFO: Wie hoch der Spendenstand derzeit ist und was es genau mit der Benefizaktion auf sich hat, lesen Sie hier.

Hintergrund

Leser helfen

Seit zwei Jahrzehnten engagiert sich der Förderverein »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse in der Region. In all den Jahren war die Spendenbereitschaft unserer Leser mit zusammen fast 2,9 Millionen Euro riesig und kam von Herzen. Deshalb erhofft der Förderverein mit der diesjährigen Aktion das ehrgeizige Spendenziel von 150 000 Euro zugunsten des Haus des Lebens zu erreichen. Benötigt wird das Geld unter anderem für einen Kleinbus, der die Bewohner von den Wohngruppen ins Kinderhaus und zu Freizeitaktivitäten bringen soll. Außerdem sind die 20 Zimmer im Gebäude an der Offenburger Weinstraße arg in die Jahre gekommen und sollen saniert werden. Dringend ersetzt werden müsste auch die betagte Küchenzeile im Besucherraum. Sollte das Geld reichen, soll auch noch ein Kleinwagen für Besorgungen angeschafft werden.

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