Diakonie Kork

Epilepsiekranke Kinder: So profitieren sie von der Spielstation

Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 4 Minuten
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04. Dezember 2021
Die Heilerziehungspflegerin Dagmar Rahn betreut in einer Spielgruppe der Diakonie Kork Kinder, die an Epilepsie leiden.

Die Heilerziehungspflegerin Dagmar Rahn betreut in einer Spielgruppe der Diakonie Kork Kinder, die an Epilepsie leiden. ©ULRICH MARX

Die Spielgruppe der Diakonie Kork bedeutet mehr als nur spielen. Die Heilerziehungspflegerin Dagmar Rahn bietet den an Epilepsie erkrankten Kindern Förderung und Zuwendung.

Die Aktion Leser Helfen der Mittelbadischen Presse unterstützt in diesem Jahr die Kinder- und Jugendklinik im Epilepsiezentrum Kork. Heilerziehungspflegerin Dagmar Rahn ist dort Pädagogin in der Spielgruppe. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Kinder ganzheitlich mit allen Facetten des Alltags zu betreuen. „In der Spielgruppe, vor allem nach Stand ihrer Entwicklung, spielerisch zu beschäftigen und zu begleiten, sie am derzeitigen Entwicklungsstand abzuholen sowie den nächsten Entwicklungsschritt vorzubereiten und darin zu fördern“, erklärt Dagmar Rahn. Ausschließlich Kinder, die stationär in der Kinderklinik im Epilepsiezentrum aufgenommen sind, betreut sie in der Spielgruppe. Diese sind in der Regel zwischen sechs und zwölf Jahre alt, „wobei auch mal schon dreijährige Kinder auch Jugendliche stationär aufgenommen werden“.

Alle Kinder kämen wegen ihrer entweder bereits vorhandenen Epilepsie oder zur Abklärung, ob eine Epilepsie vorliege. „Manche Kinder haben weitere Beeinträchtigungen, wie Körperbehinderungen, Entwicklungsstörungen im körperlichen oder geistigen Bereich, Verhaltensauffälligkeiten, Autismus oder auch ADHS“, berichtet die Heilerziehungspflegerin.

Seit 1984 ist sie für die Diakonie Kork und seit 1988 in der Kinderklinik auf der Station Kruse des Epilepsiezentrums tätig. Sie ist außerdem Supervisionstrainerin für das Schulungsprogramm „famoses“ und Übungsleiterin für Reha­sport von Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung und ADHS.
Allgemeine Krankheitslehre, Psychiatrie, Neurologie, Heilpädagogik und Psychologie gehörten zu ihren Ausbildungsschwerpunkten. Dies komme ihr bei ihrer Arbeit mit den Kindern zugute. „Heilerziehungspfleger begleiten Menschen mit Unterstützungsbedarf sowie in behindernden Lebenssituationen“, beschreibt Dagmar Rahn. Das bedeute, dass sie Menschen mit physischen, psychischen und kognitiven Handicaps bei der Umsetzung von Lebensqualitätsvorstellungen assistiert, berät, bildet, aber auch pflegt.

Viel Geduld

Durch flexibles Handeln, Struktur, gute Einteilung der zu bewältigenden Aufgaben und viel Geduld sei es möglich, allen Kindern entsprechend ihres Entwicklungsstands gerecht zu werden. „Ich versuche mich jeden Tag aufs Neue, auf die sich schnell verändernden und aktuellen Situationen einzustellen“, sagt die Pädagogin.
Dies sei möglich durch adäquate Angebote, wie beispielsweise Spiele im Kreis, am Tisch oder Einzel-Beschäftigungen. Durch Snoezelen, kreative Angebote oder Sport werde der Tagesablauf so optimal wie möglich gestaltet.

„Gibt es irgendwelche unvorhersehbare Situationen, kann ich mir immer Hilfe von Kollegen auf der Station holen. Außerdem arbeiten wir sowieso sehr im Team. Keiner arbeitet hier allein“, berichtet sie. Zudem seien die Klinikaufenthalte der Kinder meistens durch Eltern oder Angehörige begleitet.

Kein normaler Kindergarten

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Kein Tag sei wie der andere. „Alles ist sehr abhängig, wie es den Kindern gerade in ihren Anfallssituationen, medikamentösen Umstellungen oder in ihrem Allgemeinzustand geht“, sagt Dagmar Rahn. Wichtig hierbei sei, immer eine erhöhte Aufsichtspflicht zu gewähren. Schon von daher könne man die Spielgruppen und Spielzimmerzeiten nicht wirklich mit einem „normalen“ Kindergarten vergleichen.

Außerhalb der Einrichtung in Kork sei es durch Integrationskräfte oder einem gut besprochenen Notfallmanagement für die Kinder durchaus möglich, an einem ganz normalen Alltag in „normalen“ Kindergärten und Schulen sowie Einrichtungen mit Inklusionsgedanken oder Behindertenhilfe, teilzunehmen.
Sehr individuell berät Dagmar Rahn die Eltern im Gespräch und durch Schulungsprogramme oder verweist sie an Kollegen mit weiteren fachlichen Kompetenzen, wie beispielsweise Psychologie, Sozialarbeit oder mit weiteren Therapieansätzen. Die Spielzimmer und -gruppen der Kinderklinik befinden sich auf den jeweiligen Stationen, von daher sei die Zusammenarbeit mit dem Epilepsiezentrum immer optimal und vor allem multiprofessionell.

In Kontakt bleiben

Dagmar Rahn bleibt mit einigen „ihrer“ Kinder und deren Familien in Kontakt, auch wenn sie nicht mehr stationär versorgt werden und Teil der Spielgruppe sind. „Die Kinder, die einmal stationär hier waren, nehmen meistens das Angebot an eine ambulante Anbindung wahr oder kommen einmal jährlich zur Untersuchung oder Therapieoptimierung. So sieht sie die Kinder auch immer wieder, erkennt Fortschritte oder auch Rückschritte in der Entwicklung, „je nach Grunderkrankung“.

Besonders schöne Begebenheiten sind es für die Heilerziehungspflegerin, wenn Kinder von ihren Anfällen befreit oder die Anfallssituation zumindest verbessert wurde, sodass eventuell Entwicklungsschritte möglich wurden. Aber es gab auch schon traurige Erlebnisse. „Leider bei prozesshaft verlaufenden Krankheiten, bis hin zum Tod. „Für mich ist es kaum ein Unterschied, ob die Kinder erkrankt sind oder nicht.“ Sie biete die Angebote, die notwendig sind. „Für mich ist jedes Kind einzigartig und darf jede Zuwendung und Förderung genießen. Ich habe dabei immer noch, auch nach langjähriger Berufserfahrung Freude und Zufriedenheit“, unterstreicht sie.

Die Aktion Leser Helfen sei sehr wichtig, da durch die Öffentlichkeitsarbeit viel Verständnis in der Bevölkerung geleistet werde. „Die Spenden helfen natürlich sehr weiter, unsere oft sehr teuren therapeutischen Spielgeräte und Hilfsmittel zu finanzieren.

Hier können Sie online spenden

Info

Dafür sammeln wir

  • für ein neues Therapiepferd für die Hippotherapie,
  • einen mobilen Snoezelen-Wagen (Snoezelen ist eine Entspannungsmethode aus den Niederlanden),
  • die erstmalige Anschaffung digitaler Aufklärungsmittel wie ­Videos für Betroffene und Angehörige
  • und die Existenz­sicherung der einzigen Epilepsieberatungsstelle in Baden-Württemberg.

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