Lahr

Falsche Angabe im Notruf: 19-Jährige ertrinkt im Waldmattensee

Autor: 
Bastian Bernhard / Klaus Fischer/ Yvonne Stolz
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
10. August 2020
Mehr zum Thema

Waldmattensee in Kippenheimweiler ©Archivbild: Achim Keiper

Eine 19 Jahre alte Nichtschwimmerin ist am Samstag im Baggersee in Kippenheimweiler ertrunken. Im Matschelsee in Kürzell geriet am Sonntag ein Taucher aus dem Elsass in Not. Er musste zur Behandlung ins Lahrer Krankenhaus. Der Chef der Lahrer Feuerwehr spricht bei seiner Bilanz von einer tragischen Verkettung unglücklicher Umstände.

Am Samstag ist eine 19-jährige Nichtschwimmerin im Waldmattensee in Kippenheimweiler ertrunken. Sie war an einer verbotenen Stelle im Bereich des Kieswerks ins Wasser gegangen. Nach ersten Erkenntnissen war die junge Frau über die Abbruchkante gekommen und damit vom flachen in einen tieferen Bereich, das gab das Polizeipräsidium Offenburg auf Hitradio-Ohr-Anfrage bekannt.

Fatalerweise enthielt der Notruf eine falsche Ortsangabe. Zudem behinderten Falschparker die Einsatzkräfte. Im Matschelsee in Kürzell geriet am Sonntag ein Taucher aus dem Elsass in Not. Er musste zur Behandlung ins Lahrer Krankenhaus.

Der Chef der Lahrer Feuerwehr, Thomas Happersberger, sagte, dass Taucher der Wasserwacht Ettenheim die Frau aus dem See bargen. Versuche, sie zu reanimieren, blieben erfolglos. Das Unglück hat sich im Bereich des Kieswerks ereignet, also nicht im teils von der DLRG überwachten Teil, der als offizielles Lahrer Badegewässer ausgewiesen ist.

Keine Sprachbarriere bei der Ortsangabe

Die Einsatzkräfte wurden gegen 16.30 Uhr alarmiert. Im Einsatz waren Polizei, DLRG, Rettungsdienst und Wasserwacht mit Rettungstauchern. Je ein Hubschrauber von der DRF Luftrettung und der Polizei waren vor Ort. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Die Ankunft der Rettungskräfte verzögerte sich wohl, weil diese zunächst zum Auwaldsee in Langenwinkel dirigiert worden waren. Das Unglück geschah aber am Waldmattensee in Kippenheimweiler. Nach Auskunft der Polizei hatten die Angehörigen, die den Notruf absetzten, den falschen Ort angegeben. Auch sie seien Nichtschwimmer.

Auch ein erster Einsatzwagen der Polizei sei an den Auwaldsee gefahren. „Als der zweite Einsatzwagen zum Waldmattensee kam, war der Rettungsdienst dort auch schon eingetroffen“, sagte ein Polizeisprecher.

Um eine Sprachbarriere dürfte es sich bei der falschen Ortsangabe nicht gehandelt haben. „Diejenigen, die den Notruf absetzten, sprachen Deutsch und waren nicht ortsfremd“, so die Polizei. Möglicherweise sei der falsche Ort aufgrund der Krisensituation genannt worden.

Erschwerte Zufahrt zum Einsatzort

Erschwerend wirkte sich laut Feuerwehrchef und Einsatzleiter Happersberger die Verkehrssituation vor Ort aus. Demnach wurden Halteverbotszeichen ignoriert, entlang der Hauptzufahrt zum Badesee parkten beidseitig Autos. „Die Kollegen mit dem Rettungsboot hatten links und rechts noch wenige Zentimeter Platz, um mit ihrem Einsatzfahrzeug zur Unglücksstelle vorzudringen“, sagte er. Er vermutet, die Falschparker könnten die Parkregelung ignoriert haben, weil die Arbeit im Kieswerk am Wochenende ruht.

Hier wolle man mit der Stadtverwaltung sprechen, so Happersberger. Denkbar sei, dass an der Zufahrt zum Waldmattensee Zusatzschilder aufgestellt werden, die auf Rettungswege für Einsatzfahrzeuge hinweisen. Ein verstärkter Kontrolldruck sei sinnvoll.

In seiner Einsatzbilanz sieht Happersberger eine tragische Verkettung unglücklicher Umstände: die Wahl der Schwimmstelle abseits der erlaubten Bereiche, dass die Verunglückte und ihre Begleiter Nichtschwimmer waren, die falsche Ortsbezeichnung im Notruf und die erschwerte Zufahrt zum Einsatzort.

Tauchunfall am Matschelsee

Auf die für Rettungskräfte hochproblematische Parksituation am Waldmattensee hatte erst vor wenigen Tagen Kippenheimweilers Ortsvorsteher Tobias Fässler hingewiesen. Weil ein Taucher am Sonntag am Ende eines Tauchgangs im Matschelsee nahe dem Meißenheimer Ortsteil Kürzell an die Oberfläche aufgestiegen war, geriet er in Not und verlor kurz das Bewusstsein. Rettungskräfte konnten ihn ins Lahrer Krankenhaus bringen. Laut Polizei schwebte er nicht in Lebensgefahr.

- Anzeige -

Am späten Sonntagvormittag waren zwei Taucher auf Tauchgang mitten im See. Dort sind Tauchgänge über 50 Metern Tiefe möglich. Beim Auftauchen sei es bei einem der beiden Taucher, einem 58-jährigen Elsässer, zu einer unkontrollierter Sauerstoffzufuhr gekommen. Auslöser war vermutlich ein technischer Defekt am Tauchgerät.

Der Taucher geriet in Panik und tauchte zu schnell auf. Der Tauchpartner konnte den Bewusstlosen an Land bringen und um 11.47 Uhr den Notruf absetzen. Die alarmierten Rettungskräfte brachten den Taucher ins Klinikum. Nach Informationen der Polizei habe der Mann nicht in einer Sauerstoffüberdruckkammer behandelt werden müssen.

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

Die juristische Aufarbeitung des Dieselskandals beschäftigt auch das Landgericht Offenburg. Zwischen 80 und 90 Prozent der Kläger gegen VW wurde hier Recht zugesprochen.
vor 16 Stunden
Klagewellen
Der Dieselskandal hat in den vergangenen Jahren das Landgericht Offenburg zusätzlich belastet. Etwa eine Richterstelle haben hier die Klagen von Kunden gegen Autohersteller beansprucht. 
Mit seiner an übereinandergefallene Baumstämme erinnernden Form soll sich das Besucherzentrum des Nationalparks Schwarzwald trotz einer Nutzfläche von 3000 Quadratmetern in die Landschaft am 900 Meter hohen Ruhestein einschmiegen.
vor 19 Stunden
Nationalpark Schwarzwald
Nach mehr als dreijähriger Bauzeit soll das Besucher- und Informationszentrum des Nationalparks Schwarzwald am 16. Oktober fertiggestellt sein. Die Mittelbadische Presse beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Bauwerks am Ruhestein.
Ein Kommentar von Simon Allgeier.
vor 22 Stunden
Kommentar
Das Ortenau-Klinikum hat seine in der Corona-Krise aufgestockten Beatmungsplätze wieder reduziert. Ein Kommentar dazu von Simon Allgeier.
Vermehrt junge Reiserückkehrer werden aktuell auf das Coronavirus getestet.
vor 22 Stunden
Aktuelle Zahlen des Klinikums
168 Menschen im Ortenaukreis wurden in den vergangenen vier Wochen positiv auf Covid-19 getestet, 85 von ihnen entwickelten Krankheitssymptome. Es gibt aber auffällige Veränderungen gegenüber den Krankheitsfällen im Frühjahr.
19.09.2020
#iloveortenau
Unsere Serie stellt Menschen aus der Ortenau vor – sechs Fragen, sechs Antworten. Diesmal: Die 51-jährige Ulla Reichmann ist Krankenschwester und Industriekauffrau.
18.09.2020
Aktuelle Zahlen
Wo in der Ortenau gibt es bestätigte Coronavirus-Infektionen und wie sind die aktuellen Zahlen? Unsere Karte gibt den kreisweiten Überblick.
18.09.2020
Auf dem Messegelände
Die Corona-Teststation auf dem Messegelände Offenburg verkürzt ihre Öffnungszeit um eine Stunde. Außerdem sind dort jetzt nur noch Tests bei Rückkehrern aus Risikogebieten möglich und kostenlos.
18.09.2020
Tipps fürs Wochenende
Wer wandernd die Weinreben rund um Durbach erkundet, kann sich dabei stellenweise fast wie in Südtirol fühlen. Darauf verweist unser dieswöchiger Tipp Nummer eins.  
18.09.2020
#iloveortenau
Unsere Serie stellt Menschen aus der Ortenau vor – sechs Fragen, sechs Antworten. Diesmal: Der 51-jährige Thomas Decker ist Sachgebietsleiter bei Finanzamt und Zunftmeiester der Althistorischen Narrenzunft.
18.09.2020
Breitbandausbau im Ortenaukreis
Die Breitband Ortenau GmbH und Vodafone haben am Donnerstag den Vertrag über den Betrieb des Glasfasernetzes im Ortenaukreis unterzeichnet. Jetzt steht fest, bis wann alle weißen Flecken getilgt sein sollen.
18.09.2020
Kein Beschluss
Das Oberkircher Klinikum soll im Rahmen der Agenda 2030 nicht früher geschlossen werden, sagt Landrat Frank Scherer – und widerspricht damit nun einer Äußerung von Oberbürgermeister Matthias Braun.
18.09.2020
Eröffnung von "Yullbe"
Die zum Europa-Park gehörende Mack Next hat am Donnerstag die neue und eigenständige Virtual-Reality-Attraktion „Yullbe“ eröffnet: Dank moderner Technik werden virtuelle Welten zum Leben erweckt – als wäre man wirklich dort. Die Mittelbadische Presse hat das ausprobiert.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Curvy Queen bietet trendy Mode bis Kleidergröße 60.
    16.09.2020
    Coole Looks bis Kleidergröße 60 / Drei tolle SSV-Shoppingtage
    Das Bekleidungsgeschäft Curvy Queen in der Offenburger Platanenallee bietet eine große Auswahl an Plus-Size-Mode. Vom 17. bis 19. September gibt es beim Sommerschlussverkauf die starke Mode zu reduzierten Preisen.
  • Voller Einsatz für die Patienten: Das Reha-Sport-Team vom Offenburger RehaZentrum - Sabrina Weidner, Sarah Figy, Mario Truetsch und Lars Bilharz (v. l.)
    15.09.2020
    Neue Kurse starten im Oktober – jetzt anmelden!
    Fit werden, fit bleiben: Dieses Ziel hat sich das Team des RehaZentrums in Offenburg für seine Kunden auf die Fahnen geschrieben. Hier bekommt jeder sein maßgeschneidertes Therapie- und Fitnessprogramm. Wer langsam wieder in Bewegung kommen will oder an einer Grunderkrankung, wie Rückenschmerzen...
  • Alexander Benz (von links), Michel Roche, Thomas Kasper, Erhard Benz und Erika Benz stehen an der Spitze des Top-Life.
    07.09.2020
    Top-Life Berghaupten: Die Adresse für Gesundheit und Fitness
    Gesundheit und Fitness haben eine Adresse in der Ortenau: Seit 1996 ist das Top-Life Gesundheitszentrum Benz KG in Berghaupten Ansprechpartner Nummer eins, wenn es in der Region um private Gesundheitsvorsorge, Wellness und medizinische Versorgungsangebote geht.
  • Die Vereine im ewo-Gebiet haben die Chance, für ihre Nachwuchsmannschaften zu gewinnen.
    28.08.2020
    Vereinsaktion #Ballwechsel: Energiewerk Ortenau und Partner suchen trickreiche Teams und deren Fans
    Ballkünstler gesucht! Das Energiewerk Ortenau (ewo) startet zusammen mit starken Partnern die Vereinsaktion #Ballwechsel: Wer seinen Club vorschlägt, eröffnet ihm die einmalige Chance, ein Fest und jede Menge Equipment im Gesamtwert von mehr als 5000 Euro zu gewinnen. Alles, was die meistgevoteten ...