"Leser helfen"

Familien sollen im Haus des Lebens zusammenwachsen

Autor: 
Ursula Gross
Lesezeit 3 Minuten
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04. Dezember 2017

Mutter Cathleen und Vater Alexander lernten im Haus des Lebens, auf ihre Tochter Samantha Acht zu geben und eine Familie zu bilden. ©Christoph Breithaupt

Auf die Einbeziehung von Vätern wird im Haus des Lebens Wert gelegt. Ziel ist eine Verselbstständigung der Familie. Beide Elternteile erhalten dazu Hilfe und Anleitung.

»Wir wünschen uns für Samantha (2) ein gutes Leben, viel Liebe und Gesundheit«, sagen Cathleen (23) und Alexander (30).  Eine kleine Familie mit Mama, Papa und Kind sitzt da am Tisch im Haus des Lebens in Offenburg-Rammersweier. Freilich, das wünschen sich eigentlich alle Eltern, doch der nachfolgende Satz lässt aufhorchen. »Und eine andere Kindheit, als wir sie hatten«, ergänzen die jungen Leute und schauen sich ein wenig hilfesuchend an. 

Es scheint schwer, über ihr Schicksal zu reden. Nur: »Wir hatten keinerlei Rückhalt, keine verlässliche Hilfe«, dafür Probleme, deuten sie an. Als Cathleen, ausgebildete Beiköchin, vom Jugendamt 2015 in das Haus des Lebens vermittelt wurde, war das Kind zwei Monate alt. Das sie es nun anders machen, als es ihren Eltern wohl möglich war, ist zu beobachten. 

Der Papa nimmt seine Kleine in den Arm, streicht ihr die Härchen glatt, die Mama lächelt ihre Zwei liebevoll an. Sie haben im Haus des Lebens gelernt, Verantwortung zu übernehmen und nicht zuletzt ganz praktische Hilfe erfahren, wie man mit einem Kind umgeht. Seit zwei Jahren, nehmen die Eltern an allen therapeutischen und pädagogischen Maßnahmen teil. Dafür kommt der Papa mehrmals pro Woche eigens von Donaueschingen mit dem Zug nach Offenburg. Er ist gelernter Holzfacharbeiter, arbeitet heute im Bereich Ausfahrdienst. »Morgens von 5 bis etwa 10 Uhr, abends von 16 bis 21 Uhr, zwischendurch komme ich zu Cathleen und Samantha.«

Gesprächsangebote

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Im Haus des Lebens wird Wert auf die Einbeziehung von Vätern gelegt. »Ziel ist die Verselbstständigung, das Leben als Familie«, erklärt Doreen Schwahl, Fachbereichsleiterin. Unterstützung bei allen Fragen und Klärung von Unsicherheiten, das steht auf dem Programm der Elternschule. Es gibt zudem die Möglichkeit von therapeutischen Einzelgesprächen für die Eltern.

»Ja, es hat Höhen und Tiefen gegeben«, seufzt die sonst fröhlich wirkende Cathleen. Aus der hilfesuchenden, unsicheren jungen Frau sei eine selbstbewusste, verantwortungsvolle Mutter geworden, bestätigen ihr die Fachbereichsleiterinnen. Cathleen übernimmt nicht nur Aufgaben im Haus des Lebens, sie radelt zwei- bis dreimal pro Woche zum Reiterverein Bühl. Dort hilft sie ehrenamtlich bei der Pferdepflege. »Stall ausmisten, Heu und Futter herrichten«, erklärt sie. »Ich mag Tiere.« 

Dass sie noch Französisch an der Volkshochschule lernt, erwähnt Cathleen mit glänzenden Augen. Sie sieht also gut aus, die Entwicklung von drei Menschen, die die Zeit und Hilfe im Haus des Lebens gut zu nutzen wissen. Hätten sie denn das alles auch alleine geschafft? »Ich bin dankbar«, meint Cathleen. »Wenn es Schwierigkeiten gibt, bekommen wir Hilfe im Haus des Lebens.« 

Geborgenheit, eine stabile Beziehung, zu lernen, wie wichtig für eine Familie zum Beispiel feste Rituale sind, oder ein geregelter Alltag, das sitzt bereits bei Cathleen und Alexander. Vater und Mutter teilen sich die Erziehung des Kindes. Die kleine Samantha hat sich vor dem Gespräch verabschiedet. Sie sauste zum Kinderhaus, umarmte vorher Manuela Blümel, Fachbereichsleiterin Bereich Wohnen. Die Zweijährige wirkt unbeschwert, aufgeweckt und gut gelaunt. Vielleicht wird Samantha einmal später erfahren, wie schwer es ihre Eltern hatten. Und wie viel Hilfe zur rechten Zeit damals von einem Haus des Lebens in Offenburg-Rammersweier kam.

Und wer weitere Informationen zum Projekt und den jungen Müttern möchte, die von der Aktion profitieren, findet die entsprechenden Artikel ebenfalls auf der Homepage von »Leser helfen«.

Hintergrund

Leser helfen

Seit zwei Jahrzehnten engagiert sich der Förderverein »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse in der Region. In all den Jahren war die Spendenbereitschaft unserer Leser mit zusammen fast 2,9 Millionen Euro riesig und kam von Herzen. Deshalb erhofft der Förderverein mit der diesjährigen Aktion das ehrgeizige Spendenziel von 150 000 Euro zugunsten des Haus des Lebens zu erreichen.  

Benötigt wird das Geld unter anderem für einen Kleinbus, der die Bewohner von den Wohngruppen ins Kinderhaus und zu Freizeitaktivitäten bringen soll. Außerdem sind die 20 Zimmer im Gebäude an der Offenburger Weinstraße arg in die Jahre gekommen und sollen saniert werden. Dringend ersetzt werden müsste auch die betagte Küchenzeile im Besucherraum. Sollte das Geld reichen, soll auch noch ein Kleinwagen für Besorgungen angeschafft werden. 

Spenden für »Leser helfen«

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