Ortenau

FDP: Lager kämpfen weiter

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22. Oktober 2011
Foto: Iris Rothe - Johannes Huber bleibt FDP-Kreisverbandsvorsitzender.

Foto: Iris Rothe - Johannes Huber bleibt FDP-Kreisverbandsvorsitzender.

Die Ortenauer FDP hat am Donnerstag zwar ihren Vorsitzenden Johannes Huber im Amt bestätigt. Dass aber ihre Reihen noch immer nicht geschlossen sind, darüber konnten die Liberalen an diesem Abend nicht hinwegtäuschen.

Offenburg-Griesheim. Auch rund ein Jahr nach der Ablösung der umstrittenen Kreisverbandsvorsitzenden Sibylle Laurischk ist noch keine Ruhe in die Reihen der Ortenauer Liberalen eingekehrt. Er habe sich »lange überlegt, noch einmal zu kandidieren«, erklärte wohl auch deshalb Johannes Huber zum Auftakt der Mitgliederversammlung im Griesheimer »Adler«. Vor elf Monaten war er als »Mann des Neuanfangs« gestartet. Sein Ziel: die Parteibasis nach dem monatelangen Zwist zwischen der Bundestagsabgeordneten Laurischk und dem Ortenauer Ex-Landrat Klaus Brodbeck wieder zu einen. Die Anhänger des einen, die Freunde des anderen – 66 an der Zahl – hatten sich am Donnerstagabend in der »Adler«-Stube versammelt, um über ihren Vorstand abzustimmen. Selbst die Wahl eines Protokollführers für den Abend geriet so zur Zitterpartie: Ex-Schatzmeister Walter Urbancik, der derzeit einen Zivilprozess um eine Aufwandsentschädigung gegen Laurischk führt, setzte sich mit denkbar knapper Mehrheit durch.
Herausforderer Peters
Die Kampfabstimmung fand ihre Fortsetzung bei der Wahl des Kreisverbandsvorsitzenden. Einen Herausforderer fand Johannes Huber im Offenburger Rhetoriktrainer Stephan Peters, bisher Schriftführer. Seine Kandidatur stützte er vor allem auf seine unverhohlene Sympathie für Hubers Amtsvorgängerin, die an der Versammlung nicht teilnahm: »Es ist nicht richtig, dass so sehr über Laurischk gelästert wird, wo sie für uns ihren Kopf hinhält«. Der 42-jährige Peters unterlag Huber mit 27 zu 38 Stimmen.
Der bisherige Schriftführer bewarb sich anschließend für den ersten Stellvertreterposten, denn Carsten Erhard, Bürgermeister von Nordrach, verzichtete nach neun Jahren auf eine erneute Kandidatur. Allein schon für seine Bewerbung erntete Peters harsche Kritik. Sie kam von Klaus Brodbeck: »Ich habe Sie als jemanden erlebt, der gegen den jetzigen Vorsitzenden gearbeitet hat. Wie wollen Sie sich da die Zusammenarbeit vorstellen?«, wollte er wissen.
Peters gestand die »Zwistigkeiten« ein, man habe sich aber »ausgesprochen«. Er unterlag gegen den 44-jährigen ehemaligen Lahrer Landtagskandidaten Matthias Kappis mit 26 zu 38 abgegebenen gültigen Stimmen.
Auf eine weitere Kandidatur für den zweiten Stellvertreterposten verzichtete Peters anschließend – die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Alleinige Kandidatin blieb die 36-jährige Vertriebsleiterin Amalia Lindt-Herrmann aus Willstätt-Eckartsweier, nachdem der nicht anwesende Offenburger Roland Müller ausrichten ließ, er wolle bei der jetzigen Zusammensetzung des Vorstands nicht als Stellvertreter antreten. Lindt-Herrmann wurde mit 45 von 66 abgegebenen Stimmen gewählt. Der ehemalige zweite Stellvertreter Ulrich Schramm vom Acherner Ortsverband hatte seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit mitteilen lassen.
Provokantes Papier
Diskussionen über die Rechtmäßigkeit von Satzungsänderungsanträgen hatten den Abend in die Länge gezogen. Für die Diskussion eines provokanten Thesenpapiers, das der Offenburger Ortsverband vorbereitet hatte, blieb so nicht mehr viel Zeit.
In dem Papier geht die Basis mit der in den Meinungsumfragen auf niedrigem Niveau verharrenden Bundespartei ins Gericht. Kritisiert werden unter anderem »das mangelnde Einlösen der Versprechen aus dem Bundestagswahlkampf« und die aus Sicht der Basis verloren gegangene Glaubwürdigkeit der Liberalen.
Der alte und neue Kreisverbandsvorsitzende Huber war es, der den Parteifreunden an der Basis neuen Mut zusprach: »Hinfallen ist keine Schande, wenn man wieder aufsteht.«

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Stichwort: Vorstand
Die Vorstandswahlen erbrachten folgendes Ergebnis:
Vorsitzender: Johannes Huber (Ortsverband Oberkirch)
1. Stellvertreter: Matthias Kappis (Lahr)
2. Stellvertreterin: Amalia Lindt-Herrmann (Kehl)
Schatzmeister: Bernhard Conrad (Offenburg)
Schriftführer: Karl-Heinz Bayer (Oberkirch)
Beisitzer: Jan Sachs (Offenburg), Tobias Erhardt (Kehl), Carsten Erhard (Kinzigtal), Hans-Jürgen Schneider (Kinzigtal), Timo Stern (Lahr), Hedwig Jundt (Oberkirch), Hans Baas (Oberkirch).

Kommentar: Nicht Wort gehalten
Wohin führt der Weg für die Ortenauer FDP? Der vor einem Jahr ins Amt gelangte Vorsitzende Johannes Huber hat darauf wohl keine Antwort. Jedenfalls ist es ihm ganz nicht gelungen, seinen Kreisverband zu befrieden. Er hat auch nicht Wort gehalten mit der Ankündigung, nicht mehr anzutreten, falls ihm kein Neuanfang gelingt. Damit die Partei wenigstens im Kreis wieder punktet, muss er endlich dafür sorgen, dass das Laurischk- mit dem Brodbeck-Lager die Friedenspfeife raucht. (Martin Egg)

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