Offenburg

Fischbestände in der Ortenau gehen zurück

Michael Müller
Lesezeit 4 Minuten
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17. April 2014
Seit April dürfen die Fischer wieder: An Acher, Rench, Kinzig und am Rhein hat die Angelsaison begonnen.

(Bild 1/2) Seit April dürfen die Fischer wieder: An Acher, Rench, Kinzig und am Rhein hat die Angelsaison begonnen. ©Iris Rothe

Für die Hobby- und Freizeitangler hat mit dem April die Saison begonnen. Allerdings gehen die Fischbestände in den Angelgewässern der Region zurück – trotz guter Wasserqualität. Das hat verschiedene Ursachen – es liegt jedenfalls nicht nur am Kormoran.

In den 1980er-Jahren war die Wasserqualität in den hiesigen Fischgewässern das Problem schlechthin. »Heute haben wir in dieser Hinsicht eigentlich nirgendwo mehr Schwierigkeiten«, berichtet Ingo Krämer, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes (LFV) Baden. Dieser ist für die Gewässer in der Ortenau zuständig.

Die Probleme liegen heute ganz woanders. »Etwa in den Querverbauungen und Hindernissen in Fließgewässern und der immer mehr zunehmenden Zahl kleiner Wasserkraftwerke«, stellt Krämer fest. Aufstau, Entnahme von Wasser, Betrieb einer Turbine: Wasserkraft-Nutzung sei mit erheblichen baulichen Eingriffen in die Gewässer verbunden – »und das bei dem bisschen grünen Strom«, meint Krämer.

Der Nährstoffgehalt in den Fließgewässern sei immer mehr gesunken. Eigentlich ist das ja was Gutes, wenn die Kläranlagen das Wasser immer besser reinigen und die Gewässerverschmutzung zurückgeht – etwa weil in Waschmitteln kaum noch Phosphate als Wasserenthärter enthalten sind. Doch auch die Fische müssen von etwas leben können. »Phosphate wirken wie Dünger«, so Krämer.

Dafür bereiteten die Phosphat-Ersatzstoffe Probleme, weil die chemischen Reaktionen zu einer Freisetzung von schädlichen Schwermetallen führen können. Und dann gibt’s noch Chemikalien, die Kläranlagen gar nicht entfernen können – etwa bestimmte Farbstoffe, die vor allem in Sporttextilien enthalten sind: Sie gelangen nicht nur bei der Herstellung, sondern auch beim Waschen in den Wasserkreislauf. Und dort wirkten sie wie Hormone. Es komme immer häufiger zu Geschlechtsumwandlungen, bemerkt der Geschäftsführer. So seien bestimmte Schneckenarten vom Aussterben bedroht, weil es zu viele Weibchen gibt und die Männchen fehlen. Ähnliches sei inzwischen auch bei bestimmten Fischarten zu beobachten – etwa bei Rotaugen.

Mit Blick auf die zahlreichen Seen wurden die Hausaufgaben gemacht. Früher waren Baggerseen gekennzeichnet durch tiefe Gruben und Strukturmangel. Es gab zu wenig Flachwasserzonen und Totholz, das den Fischen Brutmöglichkeiten und dem Laich Schutz bot. Doch »da hat sich in letzter Zeit viel getan«, freut sich Krämer – auch dank der Ortenauer Anglervereine, die mit der Pachtung der Fischereirechte auch die Pflicht zur Hege und Pflege der Fischgewässer übernehmen.

Insgesamt seien die Fischbestände in der Region leicht rückläufig, bemerkt Krämer. Vor allem der Aal gilt als hochgradig gefährdet, weil er vor allem in Fließgewässern lebt. Er genießt daher ganzjährige Schonzeit, und der LFV startet jedes Jahr große Besatz-Aktionen im Rhein. Der Bestand bei Hecht und Zander sei in der Regel gut, müsse aber durch Besatzmaßnahmen gestützt werden, fasst der Geschäftsführer zusammen.

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Ein ständiges Ärgernis für die Fischer ist nach wie vor der Kormoran. Er sei kein einheimischer Vogel, bemängelt Krämer, sondern erst Anfang der 1990er-Jahre eingewandert. Der Fraßdruck sei nach wie vor hoch – vor allem die Äsche hat unter dem Kormoran zu leiden. »Jeder Kormoran frisst täglich etwa 500 Gramm Fisch«, so Krämer. »Die muss er erst mal finden.«

 

Aber nur mit Schein: 

Ohne Sachkundenachweis darf inzwischen niemand mehr angeln. Einige »Schwarzfischer« tun’s dennoch. Sie sind vor allem deshalb ein Problem, weil sie sich oft nicht an Schonzeiten und andere fischereirechtliche Bestimmungen halten. Wer erwischt wird, muss mit einer Anzeige bei der Polizei rechnen.

Immerhin, freut sich Ingo Krämer, steigt die Zahl der Prüflinge bei den Fischerprüfungen. Viele Angelvereine bieten Vorbereitungskurse auf die Fischerprüfung an. Wer teilnehmen will, muss mindestens zehn Jahre alt sein; empfohlen wird die Teilnahme ab 14 Jahre – denn der Stoff der Prüfung ist ganz schön happig.

Eine inzwischen immer beliebter werdende Alternative ist das »begleitete Fischen«: Jugendliche können sich einen Jugendfischereischein besorgen und dann in Begleitung eines Sachkundenachweis-Inhabers angeln.
Jugendfischereischeine sind in den Rathäusern erhältlich.

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