Sasbachwalden

Flüchtlinge im »Bel Air«: Erneut 150 Helfer im Einsatz

Autor: 
Christine Marklewitz
Lesezeit 3 Minuten
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04. September 2015
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Seit zweieinhalb Jahren steht das Hotel »Bel Air« oberhalb Sasbachwaldens leer. Am Wochenende sollen 300 Asylsuchende dort einziehen.

(Bild 1/2) Seit zweieinhalb Jahren steht das Hotel »Bel Air« oberhalb Sasbachwaldens leer. Am Wochenende sollen 300 Asylsuchende dort einziehen. ©Roland Spether

Die Flüchtlinge haben die Notunterkunft in der Messe keine drei Tage verlassen, trommelt der Landkreis erneut Freiwillige zum Arbeitseinsatz zusammen: Diesmal wird das leerstehende Hotel »Bel Air« in Sasbachwalden als Bedarfsorientierte Erstaufnahmeeinrichtung (BEA) für Flüchtlinge hergerichtet. Der Krisenstab mobilisiert 150 Helfer

Wieder ist es ein Rennen gegen die Uhr, wieder hat das Regierungspräsidium (RP) Freiburg das Landratsamt an einem Mittwoch um Hilfe ersucht. In der seit zweieinhalb Jahren leerstehenden Immobilie hoch über Sasbachwalden sollen voraussichtlich ab Samstag 300 Asylsuchende untergebracht werden – die Maximalbelegung liegt bei 500 Menschen.

Der Betrieb der Unterkunft werde vom professionellen Betreiber »Caring Hand« übernommen, gibt Markus Adler, Pressesprecher des Regierungspräsidiums, Auskunft. Doch bis dahin sind die Helfer von Technischem Hilfswerk, Feuerwehr, Rotem Kreuz, Maltesern, Polizei und auch Ärzte gefordert. Das berichtet Kai Hockenjos, Pressesprecher im Landratsamt Ortenaukreis. Die Feuerwehr Sasbachwalden und das Technische Hilfswerk seien schon bei der Arbeit, das Mobiliar aus dem ehemaligen Hotel zu räumen und die Zimmer herzurichten. Die Stock- und Feldbetten, die noch vor kurzem in der Offenburger Messehalle 1 gestanden hatten, kommen aus der zum Zwischenlager auserkorenen Autobahnmeisterei und werden zum »Bel Air« gefahren.

Wegen seiner Randlage war das Hotel noch im Herbst vergangenen Jahres als kommunale Flüchtlingsunterkunft ausgeschieden. Die Verantwortlichen sahen keine Chance, die Bewohner im Ort zufriedenstellend zu integrieren. »Der Landkreis hat bei der Anschlussunterbringung ganz andere Parameter«, verweist Adler. Das RP müsse mit kürzestem Vorlauf einer großen Zahl an zugewiesenen Asylsuchenden ein Dach über dem Kopf bieten. Niemand in der Behörde wisse,  wann und wie viele Menschen kommen würden. Da kämen auch verworfene Immobilien in Betracht.

Eine von vier

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So zählt das ehemalige Hotel »Bel Air« zu vier BEAs im RP-Bezirk: weitere sind in Villingen-Schwenningen (Soldatenwohnungen), Donaueschingen  (ehemalige Kaserne) und Freiburg (Zelte auf der Polizeiakademie). Wie lang die noch nicht registrierten Flüchtlinge in der Ortenau untergebracht sein werden, kann keiner der Verantwortlichen zum jetzigen Zeitpunkt abschätzen. Hinter vorgehaltener Hand wird bei den Organisatoren aber bereits von »einigen Monaten« ausgegangen.

Kommen die Flüchtlinge am Samstag an, werden sie zuerst von den Ortenauer Helfern in Empfang genommen. Sie stellen die Versorgung wie vor einigen Tagen in der Messe sicher. So würden wieder Ärzte vor Ort sein und auch das Rote Kreuz, das die Bezugskarten ausgebe und dem Amt einen Überblick auf die Ankommenden gebe, zählt Hockenjos auf. »Nach dem Wochenende wird der Betrieb dann an den Betreiber übergeben.« Dann sei die Aufgabe des Landkreises getan. Er und die Verantwortlichen im Landratsamt hätten nicht gedacht, dass der Landkreis in Punkto Flüchtlingsunterbringung vom RP so rasch wieder um Hilfe ersucht werden würde, stellt Hockenjos fest. »Es ist natürlich eine enorme Belastung unserer Ehrenamtlichen«, gibt er zu bedenken. Die Mannstärke des Helfertrupps ähnle dem der Messeunterkunft: »Wir brauchen wieder an die 150 Helfer.« Der Krisenstab des Kreises um Reinhard Kirr hat die Abstimmung des aktuellen Hilfsein-satzes übernommen.

»In gutem Zustand«

Das »Bel Air« ist nach Auskunft des RP Freiburg »in gutem Zustand«. Lediglich mit Blick auf den Brandschutz müsse noch bis zum Wochenende nachgebessert werden, heißt es aus dem RP.

Hat die Übergabe des »Bel Air« stattgefunden, sind neben einem Sicherheitsdienst ein Caterer und der Betreiber »Caring Hand« für die Asylsuchenden da. Das RP schickt Personal in die Notunterkünfte – 20 bis 30 Sachbearbeiter müssen sich im kompletten Bezirk einteilen. Ziel ist es, die Menschen zur Registrierung in die Erstaufnahmestellen zu bringen – denn diese wird in der BEA nicht geleistet.

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