Jahresbericht für 2018

Frauen helfen Frauen: Zahlen der Hilfesuchenden fast verdoppelt

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red/ba
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20. Mai 2019
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(Bild 1/2) Der Verein Frauen helfen Frauen Ortenau legt Jahresbericht vor. 2018 gab es eine große Spendenbereitschaft. ©Archivfoto: Ulrich Marx

Der Verein Frauen helfen Frauen hat den Jahresbericht für 2018 vorgelegt. Die steigenden Opferzahlen machen die Notwendigkeit der Arbeit der Ehrenamtlichen deutlich.

Der Verein Frauen helfen Frauen Ortenau hat seinen Jahresbericht  in einer Pressemitteilung veröffentlicht. Seit mehr als 36 Jahren macht sich der Verein in der Region für Frauen und deren Kinder, die physische und psychische Gewalt ertragen müssen, stark.

Zahlen fast verdoppelt

Die Zahl der hilfesuchenden Frauen stieg laut Pressemitteilung in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Mit insgesamt 364 Frauen haben 2018 fast doppelt so viele Frauen Hilfe bei der Fachberatungsstelle »Häusliche Gewalt« gesucht, wie noch vor vier Jahren, heißt es. 

Im Frauenhaus erhielten 41 Frauen mit 48 Kindern Schutz. Die Übergangswohnung, die dem Verein noch zur Verfügung steht, habe die beengte Situation etwas abfedern können. Dennoch konnten 109 Frauen mit 141 Kindern nicht aufgenommen werden. Daran, so schreibt der Verein weiter, werde deutlich, wie notwendig die Erweiterung des Frauenhauses und die personelle Aufstockung sind.

Auf Wunsch des Ortenaukreises wurde – nach langer Vorlaufzeit und vielen Gesprächen – die Finanzierung des Frauenhauses von der institutionellen Förderung auf Tagessatzfinanzierung umgestellt. Damit einher ging die Zusage des Sozialausschusses und des Kreistages für die Finanzierung von 20 Frauenhausplätzen für Frauen und ihre Kinder. Ohne diese Zusammenarbeit wäre die Arbeit nicht zu bewerkstelligen gewesen. 

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Die Kosten für die erforderlichen Renovierungsarbeiten und die Einrichtung des neuen Frauenhauses muss der Verein selbst tragen. Dafür seien schon viele Spenden eingegangen. Die Mittelbadische Presse hatte für ihre Benefizaktion »Leser helfen« Spenden von 180 000 Euro für den Verein gesammelt. Dadurch seien bereits die ersten Umbaumaßnahmen in Planung, auch die Einrichtungsplanung sei in vollem Gange. »Die Spendenbereitschaft und positive Resonanz, die wir erfahren haben, war beeindruckend«, zitiert der Verein Evelyn Krümmel. Sie ist derzeit die kommissarische Geschäftsführerin des Vereins, nachdem Monika Strauch nach zwei Jahren Amtszeit gekündigt hatte.

Die Zusammenarbeit der Netzwerkpartner und Unterstützer sei verbessert und optimiert worden. Im Ortenaukreis mit den Städten Offenburg, Lahr, Kehl, Achern und dem Kinzigtal gibt es Kooperationen, die institutionenübergreifend »Häusliche Gewalt« thematisieren. Der Verein wird außerdem unterstützt von Firmen, Vereinen, Künstlern und Privatpersonen, die das teilweise seit mehr als 35 Jahren tun, heißt es.

Als wichtiges Aufgabenfeld hat sich der Verein die Prävention auf die Fahnen geschrieben, über Fachtage, Infocafés und andere Veranstaltungen. Bundesstatistiken sagen laut der Mitteilung, dass lediglich 20 Prozent der Frauen, die häusliche Gewalt erleben, Hilfe suchen würden. Ziel sei es daher, mehr Frauen zu erreichen und ihnen Beratung, Unterstützung und Schutz anbieten zu können. 

Das »Frauenhaus-Lädele« und die Bücherflohmärkte sind feste Bestandteile zur Mitfinanzierung der Vereins-Arbeit geworden. Die Menschen geben zahlreiche wertvolle Spenden aus ihrem Speicher, der Küche oder der Schmuckschatulle als Spende ab, berichtet der Verein. Es bleibe aber  eine Herausforderung, die Arbeit finanziell zu stemmen. 2018 seien 36,63 Prozent mit Eigenmitteln finanziert worden – dazu zählen Spenden, zugewiesene Bußgelder, Mitgliedsbeiträge und Erlöse aus dem Lädele und Bücherflohmarkt.

Kinder weiter im Fokus

Die Arbeit mit den Kindern soll ein Herzstück der Vereinsarbeit bleiben. Denn wird das Erleben häuslicher Gewalt nicht aufgearbeitet, sei es höchstwahrscheinlich, dass die erwachsen gewordenen Menschen das Erlebte übernehmen. Mädchen würden eher zu Opfern und Jungen eher zu Tätern. Die Begleitung der Kinder sowie Präventionsangebote sollen zentrale Aufgaben für die Zukunft bleiben. 

Hintergrund

Zahlen aus dem Frauenhaus

  • 79 Prozent der Frauen kommen aus dem Ortenaukreis.
  • Bei 73 Prozent waren die Ehemänner oder Lebensgefährten die Täter.
  • Von 33 Frauen, die 2018 ausgezogen sind, waren 15 zwischen einem Tag und 30 Tagen im Haus.
  • 16 Frauen waren einen Monat bis 12 Monate dort; zwei etwas länger als ein Jahr.
  • Junge Frauen waren am stärksten vertreten: 36 Frauen waren zwischen 18 und 39 Jahre alt.

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