"Leser helfen" sammelt

Verfolgt und belästigt: Stalking-Vorfälle im Frauenhaus

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
20. Dezember 2018
Verknüpfte Artikel ansehen
Wie ein – oft unsichtbarer – Schatten verfolgen Stalker ihre Opfer. Im Ortenauer Frauenhaus sind bedrückende Geschichten zu diesem Thema zu hören.

Wie ein – oft unsichtbarer – Schatten verfolgen Stalker ihre Opfer. Im Ortenauer Frauenhaus sind bedrückende Geschichten zu diesem Thema zu hören. ©dpa

Wie dringend der Verein »Frauen helfen Frauen Ortenau« Spenden für ihr großes Erweiterungsprojekt gebrauchen kann, zeigt die Geschichte dieser 55-jährigen Frau. Von ihrem »Ex« wurde sie verfolgt, belästigt, zermürbt. Deshalb ist es fantastisch, dass bis dato 112.000 Euro an Spenden eingegangen sind. Benötigt werden jetzt noch 40.000 Euro.

Die leitende Angestellte, 55 Jahre alt, erfolgreich und anerkannt im Beruf,  zuhause aber – eine ganz arme Frau. Jede Nacht, tagsüber stündlich, egal, wo sie ist, klingelt das Telefon, ist ihr Mail-Account gefüllt. Mit Hasstiraden, Beleidigungen oder Drohungen. 

Sie hat es mit einem Stalker zu tun. Sie kennt ihn, es ist ihr Expartner. Bevor sie aus dem Büro zum Auto geht, sieht sie sich um. Steht er irgendwo?  Fährt er ihr nach? Es gab einen Fall, wo eine Frau von einem Stalker auf der Autobahn abgedrängt wurde. »Wenn ich jetzt das Licht in der Wohnung anmache, weiß ich, dass er unten steht und mich die ganze Nacht beobachtet.« 

Immer wieder Stalking

Was die 55-jährige Frau erlebt, ja erleidet, ist einer von unzähligen typischen Fällen von Stalking, erklären die Mitarbeiterinnen des Vereins Frauen helfen Frauen. »Kein Krimi hat so viel Fantasie wie die Realität«, beobachtet Gertrud Rose, seit vielen Jahren Fachberaterin der Beratungsstelle des Vereins Frauen helfen Frauen. »Im Rahmen der häuslichen Gewalt taucht immer wieder Stalking auf«, bestätigt ihre Kollegin, Fachberaterin Anna Staiger. 

Das beginne meist schleichend, so ihre Erfahrung. Er möchte ein Gespräch, beschwört nach der Trennung die alten Zeiten. Wenn sie aber wirklich nicht mehr will, dann folge eine Steigerung des Bedrängens bis zur allgegenwärtigen Überwachung und Belästigung. Das mache den Frauen wirklich Angst. War er in der Wohnung, wieso liegt da etwas auf meinem Bett? Hat er die Schlüssel nachmachen lassen. Wird er mir etwas antun?  Sie wird zunehmend panisch, leidet und fühlt sich nahezu hilflos ausgeliefert. 

- Anzeige -

Selbst wenn es eine betroffene Frau polizeilich oder anwaltlich schafft, ein Kontakt- und Annäherungsverbot zu erwirken, macht der Verfolger weiter. Er fühlt sich beachtet. »Stalker deuten die Signale ihrer Verfolgten zu eigenen Gunsten um«, so Anna Staiger. In heutigen Zeiten nimmt Stalking noch ganz andere Formen an, das Internet habe ungeahnte Möglichkeiten für Cyberstalking eröffnet. 

Eigene Medien schützen

Alisa Mielke, Frauenhaus-Praktikantin der Evangelischen Hochschule Freiburg, erklärt das. »Ein Stalker, der Ex-Partner war, hat heimlich intime Fotos gemacht. Nun droht er mit der Veröffentlichung dieser Bilder.« Sie rät daher dringend, die eigenen Medien mit geänderten Passwörtern zu schützen. Ein Stalker aber findet alles. Denn sein Verhalten ist eine krankhafte Obsession von Macht und Kontrollzwang. »Dabei übertritt er sämtliche Persönlichkeitsrechte«, so Staiger.

Ganz schrecklich wird es, wenn Kinder in die Jagd auf Kontakte einbezogen werden. Manche Männer lauern den Kleinen vor dem Kindergarten oder auf Spielplätzen auf, versuchen, die größeren Kinder auszuhorchen. »Wo war die Mama denn gestern?«

»Wir beraten, wie sich Frauen verhalten sollen«, so Staiger und Rose. Auf keinen Fall sollten sie auf eine letzte Aussprache eingehen. Das sei nicht nur gefährlich, sondern treibe das Aufschaukeln weiter. Frauen müssen aus der Opferrolle herausfinden können, lernen, Grenzen zu setzen, wird unter anderem in den Beratungsgesprächen  vermittelt. 

Ende Oktober waren bereits 409 Kinder mitbetroffen bei den 309 Neufällen von häuslicher Gewalt, so die Statistik der Fachberatungsstelle »Frauen helfen Frauen Ortenau«.  Darunter war ein hoher Anteil von Stalking-Vorfällen. Stalking ist ein Straftatbestand.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.
27.12.2018
Abenteuer-Indoor-Spielplatz
Wer möchte seinen Kindern zum Geburtstag nicht gern etwas ganz Besonderes bieten? Im Kiddy Dome in Schutterwald ist das möglich. Denn nicht nur an ihrem großen Tag sind die Kinder in diesem Abenteuer-Indoor-Kinderspielplatz die Könige. 
27.12.2018
Wie wir nachts schlafen bestimmt, wie unser Tag verläuft – und deshalb ist gesunder Schlaf auch so wichtig. Das eigene »Bett nach Maß« klingt fast wie ein Traum – doch Leitermann Schlafkultur ist Spezialist auf diesem Gebiet und macht es möglich.
18.12.2018
Eine Mission im Team
Ein verschlossener Raum, ein kniffliges Rätsel und nur 60 Minuten Zeit, um es zu lösen und so wieder nach draußen zu gelangen: Willkommen bei Escape Rooms Exitpark in der Ortenau.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 43 Minuten
Polizei beschlagnahmt zwei Verstärker
Der Bewohner eines Mehrfamilienhauses in Offenburg hatte am Freitagmorgen gegen 3 Uhr so laut Musik gehört, dass seine Nachbarn sich bei der Polizei beschwerten. Der betrunkene Mann zeigte sich jedoch nur wenig einsichtig, sodass die Polizei ihn und seine zwei Anlagen mit auf das Revier nahmen. 
vor 2 Stunden
So überleben Tiere im Winter
Der Leiter des Nationalpark Schwarzwald Wolfgang Schlund führt Besucher am Freitag, 25. Januar, durch die Winterlandschaft. Mit der Exkursion will der Nationalpark zeigen, wie Tiere überleben.
vor 4 Stunden
Im Vergleich
Während sich der Müll in den benachbarten Landkreisen Ortenau und Rottweil nicht unterscheidet, tun es die Abfallbeseitigungsysteme, Abfuhren und Gebühren sehr wohl. Baden Online zieht einen Vergleich bei Hausmüll.
Fordern mehr Informationen und die Einhaltung der Kreistagsbeschlüsse: die Förderverein-Vorstandsmitglieder Markus Bernhard (Mitte), Meinrad Heinrich (rechts) und Martin Armbruster (links) mit Oberbürgermeister Matthias Braun.
vor 5 Stunden
Runder Tisch beim Förderverein
Der Förderverein Ortenau Klinikum Oberkirch beklagt den »systematischen Abbau der medizinischen Versorgung« im Renchtal und fordert von Landrat und Klinikleitung in Offenburg die Umsetzung der gefassten Kreistagsbeschlüsse. Nicht nur die »Verstümmelung der Notfallambulanz« müsse ein Ende haben.
vor 5 Stunden
Landgericht Offenburg
Weil er seine zwölfjährige Nachbarin vergewaltigt haben soll, steht ein heute 41-Jähriger seit Donnerstag vor dem Offenburger Landgericht. Der Mann gestand die Straftaten.
vor 6 Stunden
Neue Laden-Idee
Einem Ettenheimer Paar ist es wichtig, dass seine Lebensmittel unter fairen Bedingungen produziert wurden. Sie möchten ein Sortiment mit Waren zusammenstellen, das Transparenz liefert. Ob es ein Laden für alle wird, hängt von den Menschen ab, die sich bei dem Projekt einbringen wollen.
Die Freizeitbusse der Panorama- und der Naturerlebnislinie bringen Fahrgäste zum Mummelsee und bis hoch zur Hornisgrinde.
vor 9 Stunden
Panorama- und Naturerlebnislinie
RVS Südwestbus bilanziert eine erfolgreiche Saison für die Freizeitbusse der Panorama- und Naturerlebnislinie. Rund 8,5 Prozent mehr Gäste seien bis November mit den Linien mitgefahren, die über den Mummelsee bis hoch zur Hornisgrunde verkehren. 
vor 21 Stunden
Anzahl der Staus gestiegen
Die A5 im Rheintal belegt Platz drei der stauträchtigsten Autobahnen Deutschlands. Das geht aus der Staubilanz des ADAC hervor. Der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß fordert nun vom Bundesverkehrsministerium, den sechsspurigen Ausbau der Autobahn zwischen Freiburg und Offenburg schneller...
vor 21 Stunden
Fernzug von Karlsruhe nach Straßburg
Ein 43-jähriger Rumäne ist von einer gemeinsamen Streife von deutscher Bundespolizei und französischer Grenzpolizei in einem Fernverkehrszug von Karlsruhe nach Straßburg festgenommen worden. Gegen den Mann bestand ein Haftbefehl. Er wurde ins Gefängnis gebracht, um seine Restfreiheitsstrafe zu...
vor 23 Stunden
Polizei gibt Tipps
Vermehrt haben sich Betrüger in Lahr und Kehl in den vergangenen Tagen am Telefon als Polizisten ausgegeben. Ihr Ziel: Sie wollten an Geld der Angerufenen gelangen. Die Polizei warnt nun vor den Unbekannten und gibt Tipps, wie man sich in einem solchen Fall verhalten sollte. 
Das Amt für Waldwirtschaft gibt Tipps, um den Borkenkäferbefall im Frühjahr zu begrenzen.
17.01.2019
Amt für Waldwirtschaft warnt
Das Amt für Waldwirtschaft warnt in einer Mitteilung vor Eis- und Schneebruchschäden in den Höhenlagen des Ortenaukreises. Waldbesitzer sollen Schadholz baldmöglichst beseitigen – allerdings sind viele Straßen und Waldwege zum Teil noch nicht passierbar.
17.01.2019
Schuttermündung
Nach acht Jahren hat beim Zweckverband »Hochwasserschutz Schuttermündung« das Amt des Vorsitzenden gewechselt. Der bisherige Stellvertreter, Schutterwalds Bürgermeister Martin Holschuh, wurde am Dienstagabend einhellig gewählt.