Obmann über aktuelle Versorgungssituation

"Fürsorge für Kinder und Jugendliche statt Gewinnerzielung"

Autor: 
red
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
20. Januar 2020
Mehr zum Thema

©dpa

Als Reaktion auf unseren Artikel über Kinderärzte am Limit, meldet sich Markus Wössner, Kinder- und Jugendarzt in Achern und Obmann des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte für den Ortenaukreis, zu Wort. 

„Außer auf dem Papier war der Ortenaukreis in Bezug auf die Kinder- und Jugendärzte noch nie überversorgt“, schreibt Wössner in seiner Stellungnahme als Reaktion auf den im Dezember in der Mittelbadischen Presse erschienenen Artikel. Völlig veraltete Bedarfszahlen wurden demnach jetzt durch neue ersetzt, aber auch diese bildeten den tatsächlichen Bedarf nicht annähernd ab. 

In den letzten 20 Jahren habe sich die Zahl der allgemein empfohlenen Impfungen mehr als verdoppelt, vier neue Vorsorgeuntersuchungen seien geschaffen worden, die wichtige Jugendmedizin sei dazu- gekommen, und unabhängig davon habe sich aus einer ganzen Reihe von Ursachen der Beratungs- und Betreuungsaufwand pro Kind/Jugendlichem erheblich vergrößert, schreibt Wössner. 

„Umso mehr ist es deshalb ärgerlich, dass die Kassenärztliche Vereinigung jetzt innerhalb kurzer Zeit wiederholt in der lokalen Tagespresse fälschlicherweise den Eindruck erweckt, es gäbe im Ortenaukreis drei freie Kassenarztsitze für Kinder- und Jugendärzte, die wegen Ärztemangel nicht besetzt werden könnten“, heißt es weiter. 

Enorme Leistung 

Tatsache sei, dass durch die sogenannte neue Bedarfsplanung im Ortenaukreis Mitte Oktober 2019 erstmals wieder nach mehr als 20 Jahren drei neue Arztsitze entstanden sind, „die aber praktisch unmittelbar an Kolleginnen und Kollegen vergeben wurden, die schon seit Jahren als angestellte Ärzte oder in vergleichbaren Arbeitsverhältnissen in den Praxen im Ortenaukreis tätig waren“.

- Anzeige -

„In der Realität bedeutet dies, dass durch diese neue Bedarfsplanung im Ortenaukreis zunächst kein einziges Kind zusätzlich kinderärztliche Versorgung finden wird“, so der Obmann des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte für den Ortenaukreis.
„Meine Kolleginnen und Kollegen in Kehl behandeln aber an manchen Tagen 300 Patienten. Und auch viele Einzelpraxen sehen an manchen Wintertagen bis zu 100 Patienten“, heißt es in Wössners Stellungnahme.

Da sei es schon eine enorme Leistung der Ärztinnen und Ärzte und ihrer medizinischen Fachangestellten, dass die Patienten mit unseren Leistungen in der überwältigenden Mehrzahl hochzufrieden sind. „Wir können schlicht nicht noch mehr Patienten behandeln, auch wenn uns Kinder- und Jugendärzten die Not der hilfesuchenden Patienten wirklich sehr nahe geht.“ Laut dem Obmann bestehe leider wenig Hoffnung, dass sich dies in überschaubarer Zeit wesentlich bessern wird. 

Wössner fordert die Verantwortlichen im Kreis auf, das nötige Geld in die Hand zu nehmen und für eine gute kinderärztliche Versorgung der Neugeborenen im Krankenhaus in Achern zu sorgen. „Nach meiner Einschätzung ist das nur möglich, indem das Mutter-Kind-Zentrum in Offenburg personell so ausgestattet wird, dass Ärztinnen und Ärzte von dort die Betreuung in Achern mitübernehmen können.“

Daseinsfürsorge wichtig

Das werde Geld kosten. Das vielleicht größte Übel der aktuellen medizinischen Versorgung im Bereich Kinder- und Jugendmedizin sei, dass sie massiv  wirtschaftlichen Erwägungen unterworfen sei, so Wössner. „Was medizinisch notwendig ist, bestimmen heute weitgehend nicht mehr Ärzte, sondern Verwaltungsfachleute.“ Selbstverständlich müsse auch im Bereich Kinder- und Jugendmedizin vernünftig gewirtschaftet werden. „Zuerst allerdings dient kinder- und jugendmedizinische Versorgung der Daseinsfürsorge und nicht der Gewinnerzielung.“

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 17 Minuten
Steigender Gewinn
Die Krise in der Automobilindustrie macht dem PWO zu schaffen. Der Automobilzulieferer meldet einen Umsatzrückgang für das Jahr 2019. 
vor 2 Stunden
Verschwundener Hanfhechler in Marlen gefunden
Die verschollene Hanfhechler-Figur vom Marlener Narrenbrunnen ist wieder da. Eine Familie aus Marlen hat sie vor einigen Tagen beim Heckenschneiden in ihrem Garten gefunden. Nun soll sie wieder auf ihren angestammten Platz zurückkehren.
vor 8 Stunden
Hochschule Kehl
Die Gleichstellung von Männern und Frauen bei der Berufsfeuerwehr, die Einführung von neuem Personal bei einer Gemeinde, Kriminalprävention oder Interkulturalität: Über alle diese Themen haben Studierende bei Claudia Trippel an der Hochschule Kehl schon Bachelor-Arbeiten verfasst. Die 43-Jährige...
vor 11 Stunden
Ortenau
34 Anwesen leiten seit 2019 ihre Abwässer nicht mehr in Kleinkläranlagen, sondern sind jetzt an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Davon profitiert laut Landratsamt die Umwelt. 
vor 11 Stunden
Neue Regelung
Barbershopswaren in die Kritik geraten, weil sie den Friseuren angeblich das Geschäft wegnehmen. Eine Änderung brachte Ruhe ins Thema: Allein ein besonderes Konzept genügt nicht mehr, um einen Salon zu eröffnen.
vor 11 Stunden
Offenburg
Das Mercure-Hotel am Messeplatz hat seit wenigen Tagen mit Jens Voss einen neuen Direktor, der gleich eine weitere Überraschung mitbringt. Ab Anfang Mai soll wieder gebaut werden. Das hat der neue Direktor vor.
vor 12 Stunden
Alternative Mobilität
Der Kehler Gemeinderat hat am Mittwochabend Maßnahmen zum Erhalt des Carsharing-Angebots in Kehl beschlossen.
24.02.2020
Ortenau
Fahrgäste auf der Schwarzwaldbahn müssen zwischen Hausach und Villingen jetzt nicht mehr auf den Bus umsteigen. Dennoch warnt die Bahn, dass es zu Verspätungen kommen kann. Und das hat einen Grund.
24.02.2020
Kehl/Straßburg
Bei einer intensivierten Kontroll- und Fahndungsmaßnahmen im Grenzgebiet zu Frankreich, wurden in den vergangenen sieben Tagen eine Vielzahl an Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz festgestellt.
23.02.2020
Haus des Jugendrechts
Das Haus des Jugendrechts in Offenburg hat seine Arbeit aufgenommen. Es soll unter anderem dafür sorgen, dass Verfahren gegen junge Straftäter schneller abgeschlossen werden können. 
23.02.2020
Trend in ganz Deutschland
Die Ortenauer Maren Späth und Markus Mayer haben zwei Jobs gleichzeitig. Die Mittelbadische Presse hat mit ihnen über die Gründe für diese Entscheidung gesprochen. 
23.02.2020
Ortenau
Die Zahl der Mehrfachbeschäftigten in Deutschland ist mit 3,5 Millionen so hoch wie nie zuvor. Auch immer mehr Menschen aus der Ortenau gehen mehreren beruflichen Tätigkeiten nach – die Gründe für die zusätzliche Verpflichtung sind unterschiedlich.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...
  •  Der Freizeitpark "Funny World" in Kappel-Grafenhausen ist mit mehr als 50 Attraktionen ein ideales Ausflugsziel für groß und klein.
    07.02.2020
    Spiel, Spaß, Abenteuer in Kappel-Grafenhausen
    Der In- & Outdoor-Familienpark in Kappel-Grafenhausen wartet auch in diesem Jahr mit neuen Attraktionen, Workshops und vielen weiteren Aktivitäten für die gesamte Familie auf. Im Funny World können Kinder und Eltern ganzjährig einen Tag voller Spiel, Spaß und Abenteuer erleben.