Ortenau

Gesundes Essen aus der Kiste

Autor: 
Kay Wagner
Lesezeit 5 Minuten
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13. Januar 2011
Foto: Ulrich Marx - Bio-Händler Matthias Zipf aus Mahlberg: »Die Leute sollen Spaß haben, das Obst und Gemüse zu erhalten.«

Foto: Ulrich Marx - Bio-Händler Matthias Zipf aus Mahlberg: »Die Leute sollen Spaß haben, das Obst und Gemüse zu erhalten.«

Die Bio-Kiste hat auch in der Ortenau ihre Abnehmer gefunden: Meist einmal pro Woche bekommen sie eine Mischung aus Bio-Gemüse und -Obst direkt vom Hof ins Haus geliefert. Doch die Kundschaft scheint noch ausbaufähig.

Ortenau. Frisch, bunt und gesund: So sieht die Bio-Kiste aus, die Matthias Zipf jede Woche einmal für seine Kunden zusammenstellt. »Die Leute sollen Spaß haben, das Obst und Gemüse zu erhalten«, begründet der Inhaber des Bio-Lieferdienstes Zipf in Mahlberg, warum er und seine Mitarbeiter sich auch bei der Präsentation der Kiste Mühe machen.
»Denn man soll ja nicht den Eindruck erhalten, wir hätten da nur die Reste vom Hof zusammengekehrt und in eine Kiste getan – solch ein Image hängt uns nämlich oft noch an«, schiebt Zipf eine weitere Begründung hinterher.
Erstaunlich bei einem Modell, das es schon seit Mitte der 80er Jahre in Südbaden gibt. Bio-Bauer Peter Berg aus Binzen bei Lörrach war 1983 wohl der erste, der diese Art der Gemüse- und Obstlieferung anbot. Eine Kiste, in der verschiedene Bio-Gemüse der Saison pauschal zusammengelegt und den Kunden direkt ins Haus geliefert werden.
250 Kisten
In der Ortenau fing es Mitte der 90er Jahre an, dass dieses Modell langsam Fuß fasste. Die beiden zurzeit größten Anbieter der Bio-Kiste – Zipf und der Demeter-Gemüsebau Schneider in Appenweier-Urloffen – fingen damals mit den ersten Auslieferungen an.
Heute fahren Schneider sowie Zipf wöchentlich jeweils rund 250 Kisten zu Kunden, wobei die Gebiete aufgeteilt sind. »Schneider bedient die nördliche Ortenau, wir die südliche und den nördlichen Teil des Kreises Emmendingen«, erzählt Zipf im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse.
Das Pionier-Modell aus den 80er Jahren haben Schneider und Zipf seit längerem verfeinert. Eine gleiche Kiste für alle gehört der Vergangenheit an. »Wir stellen eine Standardkiste zusammen, deren Inhalt jeder Kunde einen Tag vor der Auslieferung im Internet anschauen und nach Bedarf ändern kann«, erklärt Zipf. Also ein Service à la carte. Wer keine Möhren mag, kann sie ersetzen durch zum Beispiel Radieschen. Keiner soll bekommen, was er nicht mag. Und wer doch die Überraschung möchte, schaut nicht ins Internet.
Grundsätzlich bietet Zipf unterschiedliche Körbe an. Wer überhaupt keinen Sellerie mag, kann ihn dauerhaft abbestellen. Man kann Kunde der Rohkostkiste oder der Schonkostkiste werden. Letztere ist gerade für junge Mütter mit Kindern zu empfehlen, weil mit ihr kein Gemüse kommt, das Blähungen verursacht.
Ein Nischengeschäft
Junge Familien machen einen großen Teil von Zipfs Kundschaft aus. »Aber auch Leute, die keine Lust haben, selbst in den Laden zu gehen«, sagt er. Neue Kunden zu gewinnen sei schwer. »Der Bekanntheitsgrad dieser Bezugsform von Bio-Gemüse ist nicht sehr groß«, sagt er.
So sieht das auch Heinz Roth, Bio-Landwirt in Neuried-Altenheim. Als »Nie­schengeschäft« für eine Kundschaft, die bereit sei, sich auf neue Gemüseabenteuer einzulassen, bezeichnet er den Verkauf der Bio-Kiste: »Das sind Leute, die sich freuen, wenn sie Süßkartoffeln vorfinden, obwohl sie die gar nicht kennen.«
Und wer so ein unbekanntes Gemüse in seiner Kiste liegen hat, findet manchmal auch ein Rezept dabei, das erklärt, was man mit der seltenen Naturfrucht so alles machen kann.
Die Form der Abo-Kiste, die es bei Zipf und anderen Anbietern gibt, ist meist kein starres Modell. Wer in den Urlaub fährt oder eine Woche nicht da ist, bestellt die Kiste für diese Zeit einfach ab. Wenn Besuch zu erwarten ist, lässt sich der Inhalt erweitern, auch 14-tägige Lieferungen sowie Probekisten vor Abschluss eines Abos sind möglich. »Es muss den Leuten gefallen, und das kann man erst sagen, wenn man es mal probiert hat«, sagt Zipf.
Bei ihm ist man mit 11 Euro plus 2 Euro Liefergebühr dabei. Umfasst das Abo oder die Bestellung mehr als 20 Euro – zum Beispiel wenn man für sich und den Nachbarn die Kiste zusammen anliefern lässt – entfallen die Liefergebühren.

Die Betriebe im Internet:
www.bioland-zipf.de/
www.gyschneider.de/

HINTERGRUND
Warum Bio-Gemüse?

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Die Bio-Varianten bieten dazu den Vorteil, mit weniger Schadstoffen aus dem landwirtschaftlichen Anbau belastet zu sein, als »normales« Gemüse und Obst. Ganz frei von chemischen Rückständen sind die meisten Bio-Produkte zwar auch nicht. Aber oft sind in ihnen nur rund zehn Prozent der Rückstände enthalten, wie in nicht-biologisch angebautem Obst und Gemüse. kw

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