Jugendamt

Getrennte Eltern setzen immer mehr auf wechselnde Betreuung

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red/klk
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22. August 2019

Ingrid Oswald, stellvertretende Leiterin des Jugendamts im Landratsamt Ortenaukreis. ©Landratsamt Ortenaukreis

Immer mehr getrennte Eltern im Ortenaukreis entscheiden sich für das Wechselmodell: Gemeinsame Erziehung birgt Chancen, aber auch Herausforderungen, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreises.

Dem bundesweiten Trend folgend, entscheiden sich auch im Ortenaukreis immer mehr getrennt voneinander lebende Mütter und Väter dafür, ihre Kinder nach einer Trennung weiterhin gemeinsam zu erziehen. Dieses Wechselmodell bedeutet, dass ein Kind von beiden Elternteilen in etwa gleichem Umfang betreut wird und diese die Verantwortung für das Kind miteinander tragen. 

Die Modelle

»Das heißt auch, dass ein Kind wechselseitig in beiden Wohnungen der getrennt lebenden Eltern lebt«, erklärt Ingrid Oswald, stellvertretende Leiterin des Jugendamts im Landratsamt Ortenaukreis. Obgleich es keine Statistiken dazu gebe, leben nach Oswalds Einschätzung heute rund 15 Prozent der getrennten Familien das Wechselmodell, während bis vor einigen Jahren das Residenzmodell gängiger war; danach halten sich Kinder hauptsächlich bei einem Elternteil auf. 

Ebenfalls zugenommen habe der sogenannte erweiterte Umgang: ein Modell zwischen dem Residenz- und dem Wechselmodell. »Wenn zwei Menschen sich trennen, bleiben sie dennoch Eltern der gemeinsamen Kinder«, so die Expertin. Wichtigster Maßstab bleibe daher, das Wohl des Kindes im Blick zu behalten. 

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Grundsätzlich sei die Teilung der Betreuung und der Verantwortung für die gemeinsamen Kinder zu begrüßen. »Doch für welche Form sich die Eltern nach einer Trennung entscheiden, muss individuell abgewogen werden und hängt vor allem von den Bedürfnissen der Kinder und den Möglichkeiten der Eltern ab«, erklärt Oswald. 

Gute Abstimmung

Beispielsweise sei ein Wechselmodell schwieriger umzusetzen, wenn die Wohnorte der Eltern weiter auseinander liegen. Entscheiden sich Eltern für das Wechselmodell, erfordere dies ein hohes Maß an Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft der Eltern. Eine gute Abstimmung zwischen ihnen sei wichtig, damit der häufige Wechsel zwischen zwei Lebensorten auch der persönlichen Situation des Kindes gerecht werde. Im Wechselmodell sind laut Oswald auch beide Eltern zum Unterhalt verpflichtet. Hier besteht neben dem Grundbedarf auch noch ein wechselmodellbedingter Mehrbedarf etwa für Wohnkosten oder Fahrtkosten. Auch die Anrechnung des Kindergeldes ist im Wechselmodell schwieriger. 

Entscheiden sich die Eltern für das Residenzmodell, wohnt ein Kind vorwiegend an einem Ort – meist bei den Müttern (zwei Prozent bei ihren Vätern).  Bei diesem Modell hat der andere Elternteil im Rahmen des Umgangs Kontakt zu seinem Kind und leistet Unterhalt – zur wirtschaftlichen Grundsicherung des Kindes. Soweit Kinder überwiegend bei nur einem Elternteil leben und Anspruch auf Unterhalt haben, kann dieser Elternteil eine Beistandschaft einrichten lassen.

Stichwort

Beistandschaften

Zum 31. Juli wurde das Jugendamt im Ortenaukreis mit der Führung von 3464 Beistandschaften betraut. Zu den Hauptaufgaben eines Beistands gehört die Feststellung der rechtlichen Vaterschaft und die Regelung der privatrechtlichen Unterhaltsangelegenheiten für Kinder, deren Eltern getrennt sind. Soweit Kinder überwiegend bei nur einem Elternteil leben und Anspruch auf Unterhalt haben, kann von diesem Elternteil eine Beistandschaft eingerichtet werden. Es kann auch eine Beratung und Unterstützung in Unterhaltsangelegenheiten durch den Beistand erfolgen. 
Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des Landratsamtes Ortenaukreis unter www.ortenaukreis.de.

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