Ortenau

Giftig: Auf dieses Kraut sollten Tierbesitzer achten

Autor: 
Antonia Höft
Lesezeit 3 Minuten
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17. Juli 2017

Handschuhe sollte bei jedem Pflicht sein, der das hartnäckige Jakobskreuzkraut samt Wurzel aus dem Boden zieht, um es zu beseitigen – denn es ist giftig. ©Ulrich Marx

Sie sind hartnäckig und vermehren sich rasend schnell: Die Kreuzkräuter kommen vermehrt auch in der Ortenau vor. Ein Grünlandberater erläutert, warum eine konstante Bekämpfung gegen die Pflanze mit der gelben Blütenpracht so wichtig ist.

»Es blüht so wunderschön. Ich würde es mir sofort in eine Vase stellen, wenn ich nicht wüsste, dass es giftig ist«, sagt Elfriede Dold (35) aus Bollenbach der Mittelbadischen Presse in Bezug zum Kreuzkraut. Der Pferdebesitzerin sei das Pflänzchen mit der goldgelben Blütenpracht, das in ganz Europa verbreitet sei, nicht nur an den Wegrändern und an der Bundesstraße B 33 Richtung Hausach dieses Jahr vermehrt  aufgefallen.

»Letztes Jahr habe ich auf der Weide meiner Eltern nur ein paar einzelne Pflänzchen gesehen, dieses Jahr zu selben Zeit konnten wir acht Säcke füllen«, erzählt sie besorgt.  Entlang der Bundesstraße wachse das hartnäckige Pflänzchen und lasse sich schwer beseitigen. 

Ein Hot-Spot

»Das vordere Kinzigtal ist ein Hot-Spot für das Kreuzkraut«, weiß Jürgen Neumaier, Grünland- und Tierhaltungsberater beim Amt für Landwirtschaft im Ortenaukreis, und bestätigt, dass das Kraut ein Problem, vor allem für Landwirte, darstelle. Denn es enthalte giftige Inhaltsstoffe, sogenannte Pyrrolizidinalkaloiden. Dies belaste die Leber und könne nicht abgebaut werden.

Die Dosis sei aber entscheidend, betont Neumaier. Pferde oder Rinder könnten bei zu hoher Menge sterben. Allerdings meiden die Tiere die Pflanzen oft, da sie bitter schmecken, sagt der Grünlandberater. Wenn es jedoch mit Heu vermischt werde,  würden die Tiere es nicht bemerken. »Dass das Gift über die Milch oder das Fleisch in den menschlichen Organismus gelangt, das ist ausgeschlossen«, versichert Neumaier – der Mensch könne das Gift lediglich über die Haut aufnehmen. »Handschuhe sind daher Pflicht beim Herausreißen.«

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Rasend Schnell

Ob bei ungepflegten Bauplätzen, Weiden, Bahndämmen oder am Straßenweg – »das  Pflänzchen verbreitet sich rasend schnell«. Auch auf dem Mittelsteifen der Autobahn Richtung Karlsruhe oder Freiburg ziehe sich ein gelbes Blumenmeer entlang. Verkehrswege würden den Verbreitungsmechanismus unterstützen, so Neumaier. »50 bis 70 Meter fliegen die Samen und vermehren sich. Wenn sie erst einmal im Boden sind, sind sie mindestens 20 Jahre keimfähig.« Dass sich die »Pionierpflanze« in diesem Jahr so schnell ausbreite, sei auf die Trockenheit und vielen Sonnenstunden zurückzuführen.

Elfriede Dold habe in diesem Jahr schon  viele Kreuzkräuter beseitigt. »Man muss die Pflanze mit der Wurzel herausgraben, um sie konsequent zu bekämpfen«, weiß sie. Zudem müsse die Blüte, ehe sie verwelkt, beseitigt werden. Und das möglichst in einem geschlossenen Behälter und keinem Korb – sonst unterstütze man das Pflänzchen bei der Verbreitung – »Teufelszeug, das schöne Kraut«, sagt sie.

Pflanze bekämpfen

Um die Verbreitung einzudämmen seien Behörden wie das Straßenbauamt immer aktiv, versichert Neumaier. Er empfehle Landwirten das Kraut bereits im Herbst mit Pflanzenschutzmittel zu bekämpfen. Anders als Dold ist Neumaier jedoch überzeugt, dass sich die Landwirte ihrer Verantwortung bewusst sind.

Elfriede Dold bedauerte allerdings, dass viele nicht so feinfühlig seien oder gar nicht wüssten, wie gefährlich das Kraut sei. »Einige reißen es ohne Handschuhe raus – und das über mehrere Hektar«, weiß die Pferdebesitzerin. Manche hingegen wüssten nicht einmal, dass es auf ihrer Weide wächst. »Die müssen sich dann nicht wundern, wenn ihre Rinder sterben.«
 

Hintergrund

Insekten schützen sich mit dem Gift

Die Kreuzkräuter spielen nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland eine wichtige Rolle in der Natur, etwa für Wildbienen, Schmetterlinge wie Kleiner Fuchs, Kleiner Feuerfalter, und das Ochsenauge.
Am bekanntesten dürfte der Blutbär mit seinen auffälligen Raupen sein. Diese ernähren sich fast nur  vom Jakobskreuzkraut und nehmen die giftigen Alkaloide auf. Dies macht sie für Vögel ungenießbar. Zudem leben vom Jakobskreuzkraut Blattkäfer aus der Unterfamilie der Erdflöhe. Auch sie schützen sich durch das Gift. Doch auch die anderen verwandten Kreuzkräuter bieten vielen Insekten Nahrung und Schutz.

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