Leser helfen

Glücklicher Doppelstart ins Berufsleben

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 3 Minuten
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14. Dezember 2015
Sarah und Sandra Lienert machen ihren Weg – dank der individuellen Förderung im Christlichen Jugenddorf Offenburg. Sarah (links) ist im dritten Lehrjahr als Verkäuferin...

Sarah und Sandra Lienert machen ihren Weg – dank der individuellen Förderung im Christlichen Jugenddorf Offenburg. Sarah (links) ist im dritten Lehrjahr als Verkäuferin... ©CJD-Jugenddorf

Sarah und Sandra Lienert erhalten im CJD-Jugenddorf in Offenburg die Möglichkeiten, die sie für ihren Lebensweg benötigen. »Leser helfen«, die Spendenaktion der Mittelbadischen Presse, unterstützt das CJD-Jugenddorf. Das Internatsgebäude »Haus Gengenbach« soll behindertengerecht umgebaut werden.

Die Überraschung ist perfekt, doch das kennen Sarah und Sandra Lienert: Erst beim zweiten Hinschauen wird klar, dass die 24-Jährigen Zwillingsschwestern sind. Sarah mit den dunklen Haaren, Sandra mit blonder Ponyfrisur wechseln sich ab beim Erzählen. Sie haben schon eine längere Reise hinter sich, voller Enttäuschung, Zweifel und Unsicherheit. Denn Sarah und Sandra fiel es schwer, sich in der Gemeinschaft durchzusetzen.

Hoch empfindsam, schüchtern und zurückhaltend, machte ihnen der Schulalltag geradezu Angst. Es war nicht der Wille, der fehlte, die Noten fielen sehr gut aus. »Es hat einfach nicht gepasst«, sagt Sarah, »als wir nach der Hauptschule den Realschulabschluss machen wollten.« Und auch die Bewerbungen um Ausbildungsplätze gingen schief.

Der nächste Gang zum Arbeitsamt war ernüchternd, wie Mutter Ulrike Lienert schildert. Kindergeld wurde gestrichen, die Mädchen blieben ohne Arbeit. »Ich weiß nicht, wo wir heute wären, ohne die Hilfe des Christlichen Jugenddorfs«, sagt sie. Hier erfuhren ihre Mädchen ein professionelles Eingehen auf ihre besondere Art. Die Ausbilder des CJD erkannten, was in den beiden steckt. Langsames Heranführen an den Unterricht, den Schülern Zeit geben, sie aufmerksam in allen Lebenssituationen zu begleiten, ist hier Programm.
Und noch ein Kunststück brachte das Betreuerteam bei den Zwillingen zustande. Wollten zuerst beide den gleichen Beruf erlernen, ist es gelungen, sie als Einzelpersonen zu fördern. Sandra befindet sich im dritten Lehrjahr als Bürokauffrau, Sarah lernt im dritten Jahr Verkäuferin. Ziel ist jeweils die Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer.

Praxis und Unterricht

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Das duale System der CJD-Ausbildung beinhaltet berufliche Praxis und Unterricht. »Ich arbeite während meiner externen betrieblichen Phase in einem Edeka-Markt«, schildert Sarah. Sie ist verantwortlich für Bestellungen und das Auffüllen von »ihren« Regalen, außerdem unterstützt sie an der Kasse. Sogar im anstrengenden Weihnachtsgeschäft habe sie es problemlos geschafft, zu kassieren. Etwas worauf sie besonders stolz sei, denn an der Kasse könnten Kunden schnell ungeduldig werden, was sie früher sehr eingeschüchtert habe.
Sandra arbeitet während ihrer externen betrieblichen Phase bei den Technischen Betrieben Offenburg (TBO), dort hat sie bereits alle Stationen der Verwaltung durchlaufen. Am meisten mache ihr der Bereich Personalwesen Spaß. Noch einmal blicken die Schwestern zurück. Sie erinnern sich mit Dankbarkeit an die Lehrkräfte der Berufsvorbereitung (BVB). »Besonders an Frank Graf«, lächelt Sandra, »der hat uns beigebracht, selbstbewusster zu sein.« Alle hier hätten nie aufgegeben, »das schafft ihr«.

»Das funktioniert prima«

Sie haben es geschafft, mittlerweile haben sich Mamas Zwillinge mit einer kleinen Wohnung selbstständig gemacht. »Das funktioniert prima«, lächelt Ulrike Lienert. Zustimmend nickt Ausbilder Jürgen Beier. »Das war eben auch solch eine Situation, wo wir die Familie nicht alleine ließen.«

Hilfe ist bei der Sozialisation durch die Fachleute des CJD jederzeit abrufbar. Unterstützung durch die Ausbilder Jürgen Beier und Alfons Bruder ebenso. Auch praktische. Wie zum Beispiel beim Abschluss eines Mietvertrages zur Seite zu stehen, ist hier nicht als Bevormundung gedacht, sondern als Hilfe zum Schritt in ein eigenständiges Leben.

Das CJD kooperiert mit zahlreichen Betrieben, wirbt um Verständnis für die besondere Situation seiner Schützlinge und berät die Arbeitgeber. Allerdings wird kein Schonraum für die Leute angestrebt. Ziel ist immer der vollwertige Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt. Sandra und Sarah Lienert haben gute Perspektiven. Denn mit wieviel Mut und Ausdauer sie ihr Handicap überwinden konnten, das alleine bedeutet eine Qualifikation für das Leben draußen.

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