Offenburg

Arzt mit Messer getötet: 26-jähriger Somalier festgenommen

red/kst/ba/sab
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
16. August 2018
Video starten
Mehr zum Thema

(Bild 1/8) ©Benedikt Spether

Ein Mann ersticht einen Arzt in dessen Praxis, verletzt eine Mitarbeiterin und flüchtet. Die Polizei fahndet in der ganzen Offenburger Innenstadt nach dem Mann, ein Hubschrauber kreist lange über der Stadt. Dann wird ein Tatverdächtiger gefasst – ein 26-jähriger Somalier. Die Hintergründe sind noch völlig unklar.

Laut Polizei ist am Donnerstag ein Arzt in seiner Offenburger Praxis mit einem Messer tödlich verletzt worden. Zuvor wurde der Polizei eine Messerattacke in der Arztpraxis gemeldet. Gegen 8.45 Uhr sollen dort der Arzt sowie eine Helferin von einem Mann mit einem Messer angegriffen worden sein. Der Mediziner erlag kurz darauf seinen Verletzungen, die Mitarbeiterin wurde leicht verletzt. 

Aus Bekanntenkreisen des Arztes ist Baden Online berichtet worden, dass es sich bei dem Hausarzt in der Aenne-Burda-Allee um Joachim Tüncher gehandelt haben soll.

Großaufgebot der Polizei fahndete nach Täter

Die Polizei fahndete mit einem Großaufgebot von über 20 Polizeistreifen aus Offenburg und dem Umland. Unter anderem waren die Polizeihubschrauberstaffel, die Hundestaffel sowie die Bundespolizei beteiligt. Aufgrund von Zeugenaussagen habe die Polizei nach einem jüngeren dunkelhäutigen Mann mit einer Mütze auf dem Kopf gesucht.

Kurz nach 10 Uhr fiel einer Streife der Bundespolizei ein Mann auf, auf den die Personenbeschreibung zutraf. Der Tatverdächtige wurde an der Einmündung Freiburger Straße/Straßburger Straße festgenommen – etwa 1,5 Kilometer vom Tatort entfernt, wie die Polizei mitteilt.

Laut Polizei ist der Mann 26 Jahre alt und stammt aus Somalia. Der Asylbewerber, der 2015 in die Bundesrepublik Deutschland einreiste, macht gegenüber den Ermittlern bislang keine Angaben, teilt die Polizei mit. Aktuell verfügt er über einen Wohnsitz in Offenburg.

Nachdem die Spurensicherung aktuell noch läuft und auch die Ermittlungen gegen den Mann noch andauern, habe sich der Tatverdacht gegen den vorläufig festgenommenen Mann erhärtet. Zeugen, die die Festnahme gesehen hatten, berichteten gegenüber Baden Online, dass der Tatverdächtige aus dem Offenburger Stadtbild bekannt sei.

 

- Anzeige -

 

Arzt sofort mit Messer attackiert

Der Angreifer habe laut Polizei angegeben, ohne Termin in die Arztpraxis gekommen zu sein. Er habe den Arzt sofort mit einem mitgebrachten Messer attackiert. Der Arzt erlitt tödliche Verletzungen und verstarb noch in seiner Praxis. Eine Arzthelferin wurde bei der Messerattacke leicht verletzt. Sie wurde vor Ort vom Rettungsdienst ambulant behandelt. Das Messer blieb laut Polizei am Tatort zurück.

Die genauen Hintergründe der Tat seien bislang noch unklar. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermitteln zur Aufklärung des Verbrechens weiterhin auf Hochtouren. Einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge untersuchen Gerichtsmediziner nach Angaben eines Staatsanwalts nicht nur den Leichnam, sondern auch die verletzte Frau und den Verdächtigen auf verwertbare Spuren.

Ganz Offenburg spricht darüber

Den Polizeihubschrauber, der am Donnerstagvormittag über Offenburg gekreist ist, hat auch die Offenburger Bevölkerung nicht übersehen. Viele schauten aus dem Fenster und schossen Fotos. Vor allem ehemalige Patienten Joachim Tünchers zeigten sich betroffen und machten sich teilweise sogar auf den Weg zur Praxis. Dilan Aktas aus Offenburg hat den Hausarzt seit vielen Jahren aufgesucht – und auch ihre Mutter war schon vor ihr Patientin bei ihm gewesen. „Er war ein lieber Mann. Ich kann mir nicht erklären, warum das passiert ist“, sagte sie gegenüber Baden Online. Sie habe die Praxis auf einem Bild im Internet wiedererkannt und sei zum Tatort, um sich selbst davon zu überzeugen. „Ich bin geschockt.“

Helena Heren wohnt in der Nähe der Praxis und hat eigenen Angaben zufolge um 9.30 Uhr ein Kind draußen weinen gehört. So sei sie auf die Tat aufmerksam geworden, berichtet sie. „Ich wollte eigentlich ins Schwimmbad, aber das habe ich abgesagt“ - der Schock und die Aufregung seien zu groß gewesen, erzählt die 80-Jährige. Bestürzt zeigte sich auch der Anwohner Stefan Gruninger, der Tüncher nach eigenen Angaben fast jeden Morgen beim Bäcker oder später beim Mittagstisch getroffen hatte und ihn persönlich kannte. Der 55-Jährige wohnt seit elf Jahren in der Nähe der Praxis. Bei seiner Rückkehr aus der Autowerkstatt um 9.15 Uhr habe er plötzlich die Rettungsfahrzeuge, Kriminaltechnik und das Absperrband vor der Praxis gesehen. Insgesamt sei er nur eine halbe Stunde weg gewesen - die Betroffenheit sitzt auch bei ihm sichtlich tief.

Auf Online-Bewertungsplattformen wird der Allgemeinmediziner als sehr freundlich beschrieben. Tüncher galt bei Patienten demnach als sympathisch, viele besuchten seine Praxis gerne. Wie Anwohner Stefan Gruninger berichtet, auch viele vermeintlich Geflüchtete.

Gewalttaten in Arztpraxen

Wie die dpa schreibt, gab es in Deutschland in den vergangenen Jahren mehrfach Gewalttaten in Arztpraxen. So erschoss zum Beispiel 2016 ein Rentner in einer Berliner Klinik einen Kieferorthopäden und 2015 tötete ein 44-Jähriger in einer Saarbrücker Praxis seine Psychiaterin mit acht Schüssen.

Hintergrund

Gewaltverbrechen in der Ortenau

In der Ortenau sind in diesem Jahr neben dem am Donnerstag getöteten Arzt bereits drei weitere Menschen Opfer eines tödlichen Gewaltverbrechens geworden.

Am 11. Mai wurde ein 43-Jähriger leblos nahe eines Kreisels zwischen Offenburg und Ortenberg tot aufgefunden. Ein Ehepaar steht unter Tatverdacht.

Ein zur Tat 20-Jähriger soll am 13. Januar dieses Jahres in Offenburg nach einem Familienstreit seinen 56-jährigen Vater mit einem Messer umgebracht haben.

Unter Mordverdacht steht außerdem ein zum Tatzeitpunkt 48-jähriger Mann aus Bad Peterstal-Griesbach. Ihm wird vorgeworfen, seine Ehefrau am 26. April nach einem vorangegangenen Streit mit einem Messer getötet zu haben. Die Polizei hatte ihn kurz nach der Tat blutverschmiert festgenommen.

Info

Polizei sucht Zeugen

Sollte es noch Zeugen der Tathandlung oder der Flucht des Verdächtigen geben, werden Hinweise telefonisch von der Kriminalpolizei unter: 0781 212820 entgegengenommen. 

Der Verdächtige, der sich zwischen 8.45 Uhr und 10 Uhr im Bereich zwischen der Oststadt und der Einmündung Freiburger Straße /Straßburger Straße bewegte, wird folgendermaßen beschrieben:  

  • 26 Jahre alt
  • Etwa 170 Zentimeter groß
  • Dunkle Hautfarbe
  • Kurze, schwarze Haare
  • Schlanke Statur

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 1 Stunde
Ortenau
Nach dem Angriff eines Hundes am Dienstagmorgen in Oberkirch-Haslach, hat sich ein schwerverletzter Rehbock in einen Keller geflüchtet. Die nächsten Tage entscheiden über sein Schicksal.
vor 3 Stunden
Ortenau
Der für sechs Tage angesetzte Streik der Lokführergewerkschaft wird die Rheintalbahn laut GDL-Mitgliedern voraussichtlich weitgehend lahmlegen. Die SWEG will hingegen planmäßig fahren.
Über 80 Vertreter aus der Politik lauschten gestern Abend beim Neujahrsempfang der Mittelbadischen Presse im "Freiraum" in Offenburg der aufrüttelnden, aber auch humorvollen Rede von Günther Oettinger, ehemals Ministerpräsident von Baden-Württemberg.
vor 15 Stunden
Ex-Ministerpräsident war der Gastredner
Beim kommunalpolitischen Neujahrsempfang der Mittelbadischen Presse sprach Gastredner Günther Oettinger über ein in Schieflage geratenes Deutschland. Er hält statt großer Sorglosigkeit eine Reformagenda 2030 für dringend nötig.
Kürzlich organisierte das Jobcenter der Ortenau ein "Job-Speed-Dating für Geflüchtete aus der Ukraine. Ähnliche Formate sind auch für dieses Jahr geplant. Archivfoto
vor 21 Stunden
Jobcenter Ortenau zieht Bilanz
Nur vier von 360 ukrainischen Arbeitslosen konnten bei einer Aktion des Ortenauer Jobcenters bisher vermittelt werden. Ihre Integration in den Arbeitsmarkt ist aus gleich mehreren Gründen nicht einfach.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, zeigt Beleidigungen und Hass-Botschaften an.
vor 22 Stunden
"Lobbygetriebenes Brechmittel"
Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann wurde auf Twitter als "lobbygetriebenes Brechmittel" bezeichnet. Vor dem Offenburger Amtsgericht war dafür eine Durbacherin angeklagt.
Vertreter der Kommunalen Gesundheitskonferenz Ortenaukreis (KGK), hier auf dem Infomarkt für Gesundheitsthemen im Sommer (von links): Adrian Zink (ASB), Marcel Frauenschuh (DRK), Mariska Steinmann (DRK), Janine Feicke (KGK), Bianca Benz (OK), Tanja Hilß (OK), Jens Witt (OK), Maximilian Koger (OK), Evelyn Bressau (Gesundheitsamt), Ulrich Geiger (Kreisärzteschaft), Rebecca Storz (Kreisärzteschaft) und Gernot Haug (KVBW).
23.01.2024
Offenburg
Die Kommunale Gesundheitskonferenz Ortenaukreis erstellt ein Konzept zur Förderung der Gesundheitskompetenz der Bürger. Das Ziel: etwa Rettungsdienste und Notaufnahmen entlasten.
Elke Büdenbender (von links), Frau des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, Ingeborg Schäuble, Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD), Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) haben anlässlich des Trauerstaatsaktes für Wolfgang Schäuble im Berliner Dom Platz genommen.
23.01.2024
Ortenau
Politik und Gesellschaft nehmen Abschied von Wolfgang Schäuble. Über die Partei- und Landesgrenzen hinweg wird er als großer Demokrat, Europäer und Freund Frankreichs gewürdigt.
23.01.2024
Ortenau
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entscheidet am heutigen Dienstag, darüber, ob die ehemalige NPD von der staatlichen Parteienfinanzierung weiterhin profitiert. Johannes Fechner, Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundesfraktion, spricht von guten Chancen.
Umweltministerin Thekla Walker besucht am Montagnachmittag (14.00 Uhr) den Papierhersteller Koehler Group.
22.01.2024
Oberkirch
Auch auf Unternehmen kommt bei der Energiewende viel zu. Baden-Württembergs Umweltministerin informiert sich nun bei einem großen Papierhersteller in Oberkirch.
Am Kehler Bahnhof müssen Deutschlandticket-Nutzer aussteigen, denn der auch 49-Euro-Ticket genannte Fahrschein gilt die wenigen Kilometer weiter zu den französischen Haltestellen Krimmeri-Meinau und Straßburg nicht. Die günstigste Variante für sie ist, mit der Tramlinie D über den Rhein zu fahren.
22.01.2024
Grenzüberschreitende ÖPNV
Etwa aus Karlsruhe in das Nordelsass klappt es, von Offenburg nach Straßburg aber immer noch nicht: Das Deutschlandticket gilt – sehr zum Ärger von Pendlern – nur bis zum Grenzbahnhof Kehl.
Viktor Lorenz (rechts) ist neuer Bürgermeister. Mit ihm freuen sich seine Frau Daniela (links), seine Tochter Clara Marie (vorne) und sein Patenkind Vivien (auf seinem Arm).
21.01.2024
Appenweier
Viktor Lorenz ist zum neuen Bürgermeister von Appenweier gewählt worden. Insgesamt vier Kandidaten sind als Nachfolger für Manuel Tabor zur Wahl angetreten. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,5 Prozent. 
21.01.2024
Ortenau
3000, 4500 und am Schluss waren es rund 5000 Teilnehmer am Samstag bei der Demonstration gegen Rechts. Teilnehmer kamen aus der gesamten Ortenau in die „Freiheitsstadt“, um ein Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Patrick Kriegel (rechts) und Marco Hätti.
    vor 7 Stunden
    Innovation und Qualifikation: Neue Wege beim Recruiting
    Die Patrick Kriegel GmbH Steuerberatungsgesellschaft in Offenburg setzt auf moderne und freundliche Unternehmenskultur und freut sich auf Bewerbungen von potenziellen Mitarbeitern.
  • Tobias Fischer (rechts) im Gespräch mit Professor Jürgen Köbler von der Hochschule Offenburg.
    16.01.2024
    Mit der TF Beratung strategisch optimal aufgestellt
    Wirtschaftsingenieur Tobias Fischer aus Appenweier hilft Unternehmen und Kommunen dabei, Strategien zu entwickeln und Prozesse zu optimieren, um für Herausforderungen wie beispielsweise die Digitalisierung gewappnet zu sein.
  • Familie Burger bedankt sich bei ihren Mitarbeiter*innen und Kund*innen für ihre jahrzehntelange Treue: Sven Burger, Ulrike Burger, Vanessa Burger und Celine Burger (v.l.).
    29.12.2023
    Im Januar gibt es Abschiedsrabatte von bis zu 40 Prozent
    Aus gesundheitlichen Gründen zieht sich die Familie Burger, die die gleichnamige Metzgerei in Windschläg und zwei Filialen betreibt, aus dem Metzgereigeschäft zurück. Der Partyservice besteht wie gewohnt weiter. Stichtag ist der 1. Februar 2024.
  • Andreas Vogt, Geschäftsführer von IAV-Energy Schwanau, entwickelt mit umfassendem Wissen über Energiequellen, Nachhaltigkeitsaspekte und Markttrends maßgeschneiderte Lösungen für seine Kunden. 
    22.12.2023
    IAV-Energy in Schwanau: Experte in allen Energiefragen
    Die Energiekosten steigen, Verbraucher suchen nach neuen Wegen. Eine Photovoltaikanlage ist eine Alternative und dazu noch ein neuer Gas- oder Stromanbieter? Auf der Suche nach der Lösung ist guter Rat teuer. Hier bietet sich IAV-Energy in Schwanau als Partner an.