Acherner Sänger
Dossier: 

Hans Denk ist als Gesangssolist und Kosakensänger weithin bekannt

Autor: 
Wolfgang Winter
Lesezeit 6 Minuten
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06. Mai 2021

(Bild 1/2) Hans Denk ist als Kosakensänger und Gesangssolist weit über seinen Wohnort Achern hinaus bekannt. Im kommenden Jahr feiert der 71-Jährige, der in zahlreichen Ensembles und Gesangvereinen aktiv ist, sein 40-jähriges Solistenjubiläum. ©Daniela Busam

In unserer Serie „Ortenauer Originale“ porträtieren wir Menschen mit dem gewissen Etwas. Heute (46): Hans Denk aus Achern steht seit fast 40 Jahren als Gesangssolist auf der Bühne. Das größte „Hobby“ des 71-Jährigen ist das Veranstalten von Benefizkonzerten.

Singe wem Gesang gegeben, das ist Freude, das ist Leben“, heißt es bei Ludwig Uhland. Hans Denk hat den Dichter beim Wort genommen. Der Acherner Chorist und Gesangssolist ist ein weit über die Ortenau hinaus bekanntes Original, das seit rund 50 Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten, steht. Seinen begeisterten Zuhörern Freude und Unterhaltung auf hohem Niveau zu schenken, war ihm nicht genug. Mit der unermüdlichen Organisation und Präsentation zahlreicher Benefizkonzerte gelang es ihm gleichzeitig viel Gutes zu tun.

Die Musik liegt dem gebürtigen Landshuter im Blut. Seine Mutter hätte ihn gerne bei den Regensburger Domspatzen angemeldet, doch ließ sich das Gesangstalent vom Besuch des Internats abschrecken. 1962 zog die Familie ins Bühlertal. Hier durfte der Zwölfjährige schon bald sein erstes Solo in der Kirche singen. Dass er einmal mit dem Gamshurster Männerchor als Solist im Dom zu Padua, im Markusdom zu Venedig, dem Petersdom in Rom und im Dom von Florenz auftreten sollte, hätte er sich damals gewiss nicht träumen lassen.

Im Gasthaus mitgesungen

An seinem ersten, rund 50 Jahre zurückliegenden Kontakt mit dem lokalen Gesangverein kann sich Denk noch gut erinnern. Er saß eines Abends mit seiner Frau Rosel, mit der er 2019 Goldene Hochzeit feierte, im Gamshurster Gasthaus „Zum Hirsch“. Als am Nachbartisch einige fröhliche Lieder angestimmt wurden, sang Denk einfach mit. Er musste die lustige Runde, die sich dem Paar als Mitglieder des Männergesangvereins vorstellte, beeindruckt haben. Um Denk in den Chor zu locken, wurde ihm ein Kasten Bier und ein Zentner Kartoffeln als Jahresgabe in Aussicht gestellt. Er ließ sich nicht lange bitten. „Die Ablösesumme war ja schon fast bundesligareif“, witzelt Denk.

1980 zum Ersten Vorsitzenden gewählt

1980 wurde er zum Ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt und zwei Jahre später als Vize-Dirigent und Solist bestellt. Unter seiner Ägide veranstaltete der Chor zum ersten Mal ein großes Herbstkonzert, bei der die mit aufwendigen Dekorationen geschmückte Bühne zum Hingucker wurde. Bei so viel Mühe konnte der Publikumserfolg nicht ausbleiben. Daneben gehörte Denk zu den berühmt-berüchtigten Gamshurster „Ping-Pong-Singers“, die an den örtlichen Fasnetsveranstaltungen für Stimmung sorgten. Die Halle soll bei den Vorträgen der Truppe regelmäßig getobt haben.

Parallel hatte der Sasbachrieder Kirchenchor Hans Denk als Sänger geworben. Auch hier übernahm er schon bald Verantwortung. Denk leitete den Chor über fünf Jahre als Vorstand und war bis 1996 als Vize-Dirigent und Solist dabei. Seine Dirigats-Ausbildung beim Mittelbadischen Sängerkreis gipfelte in der Gründung eines Vize-Dirigentenchors. Auch hier war der Gründervater über viele Jahre als Vorsitzender und Solist aktiv.

Das "Romantik-Duo" wurde sogar von französischen Veranstaltern gebucht

Damit nicht genug, sang Denk, begleitet vom sensiblen Organisten und Pianisten Friedemann Nikolaus, seit 1982 als Solist auf vielen Veranstaltungen. Unter dem Namen „Romantik-Duo“ wurden die Acherner sogar von französischen Veranstaltern gebucht und konnten zum Beispiel bei einem Wohltätigkeitskonzert der französischen Krebsforschung mitwirken. 1993 organisierte Denk die erste Konzertreise des Männerchors Gamshurst nach Moskau, wo er mit dem Verein und als Solist auftrat. Die Gastgeber reagierten erfreut, dass ihre berühmten Volkslieder in der Landessprache erklangen.

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Drei Monate später flog Denk erneut nach Moskau. Er hatte in der Ortenau Spenden in Höhe von 12 500 DM gesammelt und konnte vor Ort dringend benötigte Anschaffungen für ein Moskauer Waisenhaus tätigen.
Mit dem Gamshurster Chor wurde von Denk auch eine Konzertreise durch Italien organisiert. Mit zwei Doppeldecker-Bussen und 125 Mitreisenden führte die Fahrt unter anderem nach Rom. Ein Konzert in der Kirche des Heiligen Geistes der Neapolitaner, in der Denk das „Ave Maria“ von Bach/Gounod intonierte, bezeichnet der Bass-Bariton in der Rückschau als das Sahnestückchen der Tournee. Im Petersdom sang er das „Heilig“ aus der Schubertmesse.

Schwarzmeer-Kosaken

An Pfingsten 1999 erhielt Denk zum ersten Mal die Gelegenheit, mit dem Original-Schwarzmeer-Kosaken-Chor als Solist aufzutreten. Vorab wurde er zum Vorsingen ins Tournee-Hotel bestellt. Zu seinem Repertoire gehörte die russische Originalversion des traditionellen Volkslieds „Die zwölf Räuber“. „Selbstverständlich können Sie bei uns mitsingen“, urteilte der begeisterte Dirigent nach der Gesangsprobe. „Darauf war ich natürlich sehr stolz, denn aus dem Chor der Schwarzmeer-Kosaken ging vor vielen Jahren der weltberühmte Sänger Ivan Rebroff hervor“, erklärt Denk.

In der Folge nutzte Denk die Gelegenheit mit den Don Kosaken aufzutreten und glänzte in der Region rund fünfzehn Mal als Gastsolist bei Konzerten des Original-Ural-Kosaken-Chors.

Benefizkonzerte

Dieses Traditionsensemble war auch regelmäßig als zusätzliches Zugpferd bei Denks größtem „Hobby“ – der Veranstaltung von Benefizkonzerten – dabei. In zehn Gemeinden der Ortenau konnte er innerhalb von 23 Jahren in Zusammenarbeit mit neun Chören aus dem mittelbadischen Bereich 20 große Konzerte veranstalten. Als Reinerlös kamen so über 60 000 Euro zusammen. Der Löwenanteil kam dem Förderverein für krebskranke Kinder in Freiburg zu Gute. Hans-Peter Vollet, Vorstandsmitglied des Vereins, bedankte sich bei Hans Denk „als einem der eifrigsten und größten Privatspender“ mit einer erstmals verliehenen Premieren-Urkunde. „Ich bin stolz, dass ich solche Mitstreiter bei meinen Benefizkonzerten habe, die mit ihrem Mitwirken und Können diese Spende überhaupt ermöglichen“, erklärte Denk bei der Übergabe.

Corona und die überalterten Chöre

Große Sorge bereitet dem begeisterten Choristen zur Zeit die Auswirkung der Corona-Pandemie auf die Gesangvereine. Er befürchtet, dass einige der überalterten Chöre das Handtuch werfen. Diese Gefahr sieht er zum Beispiel beim Kirchenchor in Sasbachried und dem gemischten Chor in Großweier.

Ansonsten hofft Denk, 2022 sein 40-jähriges Solistenjubiläum mit einem großen Konzert feiern zu können. Wenn alles gutgeht, steht außerdem, unter der Organisation und dem Dirigat von Olaf Fütterer, ein Engagement in der Londoner Royal Albert Hall mit den Uralkosaken auf Denks Agenda. Ob der 71-Jährige dieses ultimative Highlight seiner Karriere genießen kann, ist wohl jedoch nur nach dem gänzlichen Abflauen der Pandemie und der Öffnung des Kulturbetriebs möglich.

Info

Hans Denks künstlerischer Werdegang

Hans Denk wurde am 16. Juni 1950 in Landshut (Niederbayern) geboren. Als Sänger ist er seit 1972 aktiv, in diesem Jahr trat er auch dem Sängerbund Gamshurst bei. Seit 1980 ist er dessen Erster Vorstand, zwei Jahre später übernahm er den Posten als Vizedirigent. 1991 trat er erstmals öffentlich als Solist in der Badner-Halle in Rastatt auf. Der 71-Jährige ist Gastsänger und Solist in diversen Gesangvereinen, etwa dem Südwestdeutschen Brahms-Chor. Denk unternahm Konzertreisen etwa nach Russland, Ungarn oder Italien. 2003 erschien seine erste eigene CD „Meine musikalische Welt – Ein Leben für den Gesang“. Im Festspielhaus Baden-Baden ist er in Nebenrollen aufgetreten, so etwa 2012 in der Oper „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss unter Dirigent Christian Thielemann.

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