Gengenbach

Hexen als neues Jahresthema

Autor: 
Marc Faltin
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. Oktober 2015
Den neuen Jahresband »Die Ortenau« des Historischen Vereins für Mittelbaden präsentierten gestern (von links): Gengenbachs Pfarrer Christian Würtz, Geschäftsführer Alexander Vallendor, Präsident Klaus G. Kaufmann, und Redaktionsleiter Martin Ruch.

Den neuen Jahresband »Die Ortenau« des Historischen Vereins für Mittelbaden präsentierten gestern (von links): Gengenbachs Pfarrer Christian Würtz, Geschäftsführer Alexander Vallendor, Präsident Klaus G. Kaufmann, und Redaktionsleiter Martin Ruch. ©Marc Faltin

Der Historische Verein für Mittelbaden hat am Dienstag im Gengenbacher »Prälatenturm« seinen 95. Jahresband »Die Ortenau« vorgestellt. Das Schwerpunkt-Thema »Alte und neue Quellen zur Hexenforschung« dürfte diese 634-seitige Vereinszeitschrift populärer machen, ist sich Redaktionsleiter Martin Ruch sicher.

Redaktions­leiter Martin Ruch, Präsident Klaus G. Kaufmann, Geschäftsführer Alexander Vallendor und Pfarrer Christian Würtz, Gastgeber und Mitglied, präsentierten den brandneuen Jahresband. 

Zwischen Himmel und Hölle bewegt sich die  95. Auflage dieses Ortenauer Geschichtsbuchs, schließlich wurden »Alte und neue Quellen zur Hexenforschung« als Schwerpunkt-Thema gewählt. Dabei traten neue Erkenntnisse auf, weil die umfangreichen Recherchen auch zu alten Ratsprotokollen führten, die bislang ein Schattendasein führten oder in denen Neues gefunden werden konnte, zum Beispiel in Offenburg und Oppenau. Neben »all den fürchterlichen Sachen im 16. und 17. Jahrhundert«, so Ruch, habe sich ergeben, dass vielerlei Aussagen im Zuge der Hexerei nicht stimmen, »vor allem aber wurde klar, dass viel mehr Männer und Kinder unter den Opfern waren.« Zwischen 20 und 30 Prozent liege die Quote der Kinder und Jugendlichen unter den Opfern der Hexenverfolgung.

22 Autoren kommen im Jahresband zum Schwerpunkt-Thema zu Wort – in unterschiedlichsten Facetten. Manfred Merker schreibt zum Beispiel über »Canidia, ein groteskes Hexengedicht aus der Antike in der Offenburger Humanistenbibliothek«, Weinexperte Winfried Köninger »nicht ganz so ernst«, wie Ruch lächelte, über »Eine Hexe im Bann des Marketings« in den Reben von Kappelrodeck. Manfred Hammes, bekannt als Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Ortenau/Offenburg, setzte sich mit »Ursachen und Verfahrensgrundsätzen der Hexenprozesse« auseinander.

Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges wurden die Hexenprozesse, so Hammes, »zu einer wichtigen Einnahmequelle der Prozessbeteiligten, denen Honorare und Prozesskosten, aber auch die konfiszierten Vermögen und Immobilien der Verurteilten zufielen. Hexenkommissare, Folterknechte, Kerkermeister, Theologen, Richter, Henker und Landesherren zogen ihre Vorteile aus den Verfahren.«

- Anzeige -

»Geheime Post«

Mit dem Dreißigjährigen Krieg hat auch einer der »freien Beiträge von elf Autoren zu tun. Martin Ruch beschreibt die »Geheime Post des Fürsten von Fürstenberg 1647 in das Kinzigtal«, genauer nach Haslach. Der Fürst habe eine Geheimschrift für eine sichere Kommunikation mit Verwalter Simon Fink gewählt, der die Entschlüsselung notiert und so der Nachwelt ein historisches Geschenk beschert habe.

»Stirbt mit dem letzten Zeugen die Erinnerung?« Mit Antworten auf diese Frage beschäftigten sich Florian Hellberg und Tina Schadt mit ihrer Schulklasse als Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Friedhof Freistett am Anne-Frank-Gymnasium Rheinau. Diese »jungen Autoren« seien natürlich sehr willkommen, betonte Kaufmann  und verwies auf die Möglichkeit, die bisher digitalisiert herausgegebenen Schriften (1910 bis 2009) im Internet unter http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau abrufen zu können.

Geografisch entspreche das Gebiet des Historischen Vereins etwa dem Gebiet der ehemals fränkischen Grafschaft »Mortenowe« von Rastatt bis Ettenheim, von Kehl bis Hornberg und Triberg.

Info

Ab jetzt erhältlich

Für die rund 2800 Mitglieder in 29 Mitgliedsvereinen ist »Die Ortenau« zugleich die Einladung zur Mitgliederversammlung (diesmal am 25. Oktober in Renchen) und im Jahresbeitrag inklusive. Im freien Verkauf ist »Die Ortenau« für 26 Euro im Buchhandel oder in den Geschäftsstellen der Mittelbadischen Presse erhältlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 18.04.2019
    Ab Samstag
    In Kehl startet am Samstag wieder der beliebte Ostermarkt. Bis zum 28. April warten auf Besucher dort zahlreiche Attraktionen und ein vielfältiges Programm.
  • 17.04.2019
    500 Quadratmeter Fläche
    Der Obi Markt in Offenburg hat seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« eröffnet – und ist damit die Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. In den kommenden Wochen gibt es dazu ein sehenswertes Showprogramm.
  • 08.04.2019
    Was ist wichtig bei der Planung der perfekten Traumküche? Hier sind die 10 wichtigsten Fragen und Antworten!
  • 01.04.2019
    Lahr
    Wer auf der Suche nach einem Suzuki-Neuwagen oder einem Gebrauchten ist und gleichzeitig eine vertrauensvolle, persönliche Beratung möchte, dem kann geholfen werden: Das Suzuki-Autohaus Baral in Lahr ist genau die richtige Adresse für jegliches Anliegen rund um Suzuki. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 14 Stunden
Ortenau-Reportage
Früh morgens geht das Gegackere auf dem Schwarzwaldbauernhof S’Mattebure in Welschensteinach los.  Mit dem Hühnermobil geht es jede Woche auf neue Grasflächen. Auch die Eier sind mobil. Wie das funktioniert, haben wir uns vor Ort angeschaut.
vor 17 Stunden
So gelingt das Suppenfleisch
In seiner wöchentlichen Kolumne gibt Hans Roschach Einblicke in die Welt des kulinarischen Genusses – mitsamt einem Rezept der Woche. Heute geht es um das Osterlamm und Suppenfleisch.
vor 19 Stunden
Willstätt
Die 69-jährige Beifahrerin im VW Golf, der am Freitag einen Frontalzusammenstoß auf der L90 zwischen Willstätt und Odelshofen verursacht haben soll, ist am Abend ihren Verletzungen erlegen. Das teilte die Polizei in der Nacht mit.
vor 19 Stunden
Tipps vom BUND
Eier spielen an Ostern traditionell eine Hauptrolle – aber wie wurden sie erzeugt? Die Nummer auf dem Ei gibt den entscheidenen Hinweis. Für Verbraucher ist das gar nicht schwer zu erkennen. Und auch das Eierfärben geht ganz ohne Chemie.
vor 21 Stunden
Es gibt nur eine Ausnahme
Besucher des Nationalparks Schwarzwald dürfen sich freuen. Die meisten Erlebnispfade haben wieder geöffnet. 
19.04.2019
Blaulichttag mit vielen Teilnehmern
Rettungskräfte aus drei Nationen haben im Europa-Park ihre Arbeit vorgestellt. Eine Sache stand dabei besonders im Mittelpunkt. 
19.04.2019
Bund gibt Tipps zumSelber
Der BUND ortenau rät dazu seine Ostereier mit Produkten aus der Natur selbst zu feiern. Der Grund: Bei gefärbten Eiern aus dem Supermarkt ist die Zukunft oft unbekannt. 
19.04.2019
Forum am Rhein
Das Europäische Forum am Rhein nimmt Formen an. Investor Jürgen Grossmann will am Eröffnungstermin 29. September festhalten, obwohl die Bauarbeiten drei Monate in Verzug sind. Bei der Baustellenbesichtigung stellte das Theater Baal Novo seine Sessel vor, für die Investoren gesucht werden.
19.04.2019
Alle drei Insassen müssen ins Krankenhaus
Fatales Ende eines Überholmanövers: Drei Personen sind bei einem Unfall auf der Landesstraße 90 zwischen Willstätt und Odelshofen am Freitagnachmitag schwer verletzt worden. 
19.04.2019
Übersicht
Das Osterwochenende steht vor der Tür: Eine Zeit, die viele für Erholung und Aktivitäten mit der Familie nutzen. Um die Planung der Feiertage zu erleichtern, hat die Mittelbadische Presse einige Ostertermine zusammengestellt. Von Fischessen am Freitag bis zu Osterkonzerten: In der Region ist schwer...
19.04.2019
Verkehrsumleitungen in Offenburg
Wegen Bauarbeiten wird die Rheintalbahn über Ostern gesperrt. Reisende müssen auf Ersatzbusse umsteigen und sich auf Änderungen im Zugverkehr gefasst machen. Autofahrer müssen sich auf Verkehrsumleitungen einstellen .
18.04.2019
Kommunalwahl im Mai
Für die Gemeinderatswahlen am 26. Mai haben sich 1874 Personen im Ortenaukreis beworben. Das teilt das Landratsamt mit. Die Gemeindewahlausschüsse haben demnach alle Bewerber zugelassen. 2014 waren es 1896 Kandidaten.