"Leser helfen"

Zuhause auf Zeit: Was mit dem Geld der Spendenaktion passiert

Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 5 Minuten
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09. November 2022
Die Lage des Hauses ist ideal. Es liegt ziemlich genau zwischen der „alten“ Kinderklinik, der Chirurgie, also auch nahe OP, Herzkatheterlabor und Intensivstation der Herzkinder.

(Bild 1/4) Die Lage des Hauses ist ideal. Es liegt ziemlich genau zwischen der „alten“ Kinderklinik, der Chirurgie, also auch nahe OP, Herzkatheterlabor und Intensivstation der Herzkinder. ©Foto: Christoph Breithaupt

„Leser helfen“ unterstützt die Elterninitiative für herzkranke Kinder Herzklopfen e.V., die unbedingt mehr Wohnraum benötigt. Der Spendenzähler geht auf 10.000 Euro zu.

Eltern und Familien von herzkranken Kindern ermöglicht die Initiative Herzklopfen ein Zuhause auf Zeit. Der Mietvertrag der Doppelhaushälfte nahe der Universitäts-Kinderkardiologie in Freiburg, in der sich eine Elternwohnung, ein Einzelzimmer sowie die Geschäftsstelle befinden, endet 2023. Nun soll das komplette Doppelhaus gekauft werden, um weitere Wohnmöglichkeiten und Seminarräume zu schaffen, denn die Warteliste mit Eltern ist lang. Die Benefizaktion „Leser helfen“ der Mittelbadischen Presse unterstützt dabei, um dieses Projekt verwirklichen zu können. Das ehrgeizige Ziel ist eine sechsstellige Summe!

Im Mai 2019 hat die Initiative Herzklopfen das Haus von der Evangelischen Kirche übernommen und begonnen zu renovieren, bereits einen Monat später sind die ersten Bewohner eingezogen. Seither wohnten dort mehr als 90 Eltern und sogar komplette Familien, darunter nicht wenige aus der Ortenau.

„Viele Jahre wurde im Vorstand immer wieder über eine Geschäftsstelle diskutiert, und immer wieder war die Situation der Eltern, die von weiter weg kommen und hier in Freiburg keine Unterkunftsmöglichkeit hatten, präsent“, erinnert sich die Geschäftsführerin von Herzklopfen, Petra Huth. Schon länger gibt es das Elternhaus des Fördervereins Krebskranke Kinder e.V., in dem auch die „Herzeltern“ unterkommen können, allerdings nur, wenn die Kapazität vorhanden ist. „Gerade bei Langliegern, die mehrere Wochen oder Monate mit ihren Kindern stationär auf der Kinderherzstation bleiben müssen, war es in der Vergangenheit häufig schwierig und die Not der Eltern groß“, berichtet Huth.

Elternhaus stößt schon lange an Kapazitätsgrenzen

Als die Kirche die Doppelhaushälfte in der Lutherkirchstraße anbot, war schnell klar, diese Chance auch zu nutzen und den Eltern eine neue Möglichkeit zur Übernachtung zu bieten. „Es war damals bereits ebenso klar, dass der Mietvertrag befristet sein würde, wir haben dies jedoch als Möglichkeit gesehen, einen Probelauf hinsichtlich der Finanzierbarkeit und des tatsächlichen Bedarfes zu starten“, erklärt die Geschäftsführerin. Und das Konzept ging auf.

Die Lage des Hauses ist ideal. Es liegt ziemlich genau zwischen der „alten“ Kinderklinik, der Chirurgie, also auch nahe OP, Herzkatheterlabor und Intensivstation der Herzkinder. „Man ist in wenigen Minuten beim Kind, sollte es notwendig sein und hat aber bei uns im Haus die Möglichkeit, ein bisschen Abstand und Ruhe zum trubeligen und geräuschintensiven Alltag auf der Herzstation zu finden und um Kraft zu tanken“, sagt Petra Huth.

Die Belegung reicht von einzelnen Vätern, beiden Elternteilen, der kompletten Kernfamilie bis hin zur Großfamilie mit Großeltern, Tanten und anderen. „Je nach Situation brauchen die Eltern die Unterstützung ihrer kompletten Familie. Leider kommt es auch vor, dass alle anreisen, um Abschied zu nehmen und gemeinsam zu trauern“, berichtet sie.

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Wohnraum für die ganze Familie

In der Regel könne ein Elternteil auf der Station mit dem Kind aufgenommen werden. Möchten der Vater oder die Geschwister dann ebenfalls vor Ort sein, können sie im Haus wohnen. „Die Krankenkasse finanziert allerdings nur den stationär mit aufgenommenen Elternteil“, erklärt sie weiter. Falls möglich, dann werden die Zimmer von vorneherein an Eltern vergeben, die einen langen stationären Aufenthalt ihres Kindes vor sich haben.

Im Haus befindet sich auch die Geschäftsstelle, wo Petra Huth für die Eltern ansprechbar ist und sie betreut. Im gemeinschaftlich genutzten Aufenthaltsraum kann man sich treffen und gemütlich Zeit verbringen, aber auch im Homeoffice arbeiten. „Wir haben in Corona explizit einen kleinen Arbeitsplatz dafür geschaffen“, so Huth. Aber auch die Möglichkeit zum Wäsche waschen besteht. „Wenn Eltern Hals über Kopf anreisen oder für längere Zeit hier sind, ist es extrem hilfreich, waschen zu können“, spricht sie aus Erfahrung.
„Unser ‚Zuhause auf Zeit’ war von vorneherein ein Zuhause auf Zeit. Wunsch der Initiative ist es nun, das komplette Gebäude zu erwerben und auch zu sanieren. Der Charme des Altbaus soll dabei erhalten bleiben. „Der Wohlfühlfaktor durch die Kuscheligkeit ist hoch, und die Eltern fühlen sich – trotz aktueller baulicher Mängel und unberechenbarer Heizung – sehr wohl.“

Zum aktuellen Stand der Kosten für die Verwirklichung des neuen Elternhauses kann Petra Huth noch nichts Konkretes sagen. „Wir sind in Gesprächen mit der Evangelischen Kirche, allerdings stehen wir in Konkurrenz zur Uniklinik Freiburg, die auch Interesse an dem Standort hat.“

Notfalls sind auch andere Standorte denkbar

Wenn sich dieser Kauf nicht realisieren lasse, soll in unmittelbarer Nähe eine neue Unterkunft gefunden werden. „Der Freiburger Sozialbau renoviert aktuell Häuser in einem angrenzenden Terrain. Wir hoffen, dass wir vielleicht dort irgendwo fündig werden und unser Zuhause auf Zeit auch an einem anderen Standort realisieren können“, so Huth. Ziel sei es, egal bei welcher Verwirklichung, nahtlos weiterarbeiten zu können.

Das Entscheidende ist die die Nähe zur Klinik. Denn: „Wenn ein Kind vor einer schweren Herzoperation steht, wird die komplette Familie zum Patienten“, weiß Petra Huth. Die Initiative Herzklopfen sorgt mit ihrem Angebot dafür, dass die komplette Familie wenigstens räumlich nicht getrennt sein muss und auch die Geschwisterkinder keine größere Traumatisierung durch lange Abwesenheit von Mutter oder Vater erleiden.

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