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Ortenau

Immer mehr Ortenauer dopen ihr Gehirn

Mehr Ortenauer greifen zu Medikamenten, um ihre geistige Leistungsfähigkeit zu steigern
21. April 2017
&copy pixabay

Der Druck auf die jungen Menschen steigt, auch in der Ortenau. Viele greifen deshalb zum Gehirndoping. Die Mittelbadische Presse hat mit zwei Experten über das Phänomen gesprochen.

Früher haben Menschen Drogen genommen, um Spaß zu haben. Sie wollten lockerer sein, eine ganze Nacht durchtanzen können oder alle Sorgen vergessen. Das tun sie immer noch. Das erlebt die Sozialpädagogin Sina Klotter, die für die Jugend- und Suchtberatung Kehl/Offenburg arbeitet, täglich in ihrer Arbeit. 

Drogen zur Leistungssteigerung
In den vergangenen Jahren ist allerdings noch ein anderer Grund dazugekommen. »Die Menschen sind bereit Drogen zur Leistungssteigerung zu nehmen«, sagt Professor Claus Normann – eine Einschätzung, die er mit Klotter teilt. Der Geschäftsführende Oberarzt ist Leiter der Sektion Psychopharmakotherapie am Universitätsklinikum Freiburg.
Wobei der Begriff Drogen in diesem Zusammenhang irreführend ist. Denn die Substanzen, die der geistigen Leistungsfähigkeit auf die Sprünge helfen sollen, werden weder in  düsteren Drogenlaboren zusammengebraut, noch wachsen sie in klandestinen Gewächshäusern. Die Medikamente Ritalin und Modafinil gibt es auf Rezept in jeder Apotheke. Wobei sie nach Erfahrung der Experten meist illegal beschafft werden.

Besser fokussieren
Ritalin ist ein Medikament, das Patienten verschrieben wird, die an einem Aufmerksamkeitsdefizit leiden. Von gesunden Menschen werde es genommen, weil sie hoffen, sich besser fokussieren zu können, erläutert Normann. Dafür gebe es allerdings keine Belege. 
»Für Modafinil gibt es mit Narkolepsie nur eine kleine Indikation«, macht der Professor deutlich. Das sei eine Krankheit, bei der die Patienten auch tagsüber unvermittelt einschlafen. Dennoch erziele das Medikament einen hohen Umsatz. Für den Experten ist das ein Beleg dafür, dass es zur Leistungssteigerung eingesetzt wird. Die Wirkung beschreibt Normann so: »Man wird davon wacher und kann bis in die Nacht hinein arbeiten.« 

Leistungsdruck steigt
Bei der Suche nach den Gründen für die Einnahme sind sich die Praktikerin und der Wissenschaftler einig. »Der Leistungsdruck gerade bei jungen Menschen hat zugenommen.« Als Beispiel für einen Konsumenten nennt Klotter den Studenten, der ein leistungssteigerndes Medikament nimmt, um in den Prüfungsphasen die Nächte durcharbeiten zu können. Bei seinen Studenten hat der Professor Normann registriert, dass sich das Studium deutlich geändert hat. »Die Studenten müssen heute Ergebnisse liefern.«
Wie oft verschreibungspflichtige  Medikamente für das Gehirndoping eingesetzt werden, ist für die Ortenau schwer zu sagen. Polizeisprecher Wolfgang Kramer sagt, dass es diese Fälle gibt. Dass die Medikamente aber im Internet angeboten werden, komme nicht häufig vor. 

Mehr Doper

Fest steht aber, dass die Zahlen der Doper steigt. Klotter zitiert aus dem Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK. Demzufolge ist der Anteil der Arbeitnehmer, die leistungssteigernde Medikamente nehmen, von 4,7 Prozent im Jahr 2008 auf 6,7 Prozent im Jahr 2014 gestiegen. Klotter geht aber von einer Dunkelziffer aus, die doppelt so hoch liegt. Wobei der Report nicht etwa Studenten als die Gruppe mit dem höchsten Konsum ausweist, sondern Arbeiter. 
Wie alle Medikamente haben Ritalin und Modafinil Nebenwirkungen. Ritalin könne depressiv machen und in hohen Dosen Bluthochdruck versachen, sagt der Professor. Bei Modafinil weist der Beibackzettel vor allem Schlaflosigkeit aus. 
Das sind für den Professor aber nicht die eigentlichen Probleme bei der Einnahme der leistungssteigernden Stoffe. »Will man wirklich, dass gesellschaftliche Missstände durch die Einnahme von Pillen überspielt werden«, fragt der Experte. »Ziel sollte es sein, den Leistungsdruck zu vermindern«, fordert der Professor. 
 

Autor:
Jens Sikeler

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