Leser helfen

In Lebensgefahr: So ging es Aki (5) in der Kinderklinik

Autor: 
Victoria Hof
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
04. November 2019
So sah Aki während der Zeit in der Klinik aus. Inzwischen ist er wieder gesund und kann ohne Mundschutz spielen.

(Bild 1/3) So sah Aki während der Zeit in der Klinik aus. Inzwischen ist er wieder gesund und kann ohne Mundschutz spielen. ©privat

Wenn Kinder schwer erkranken, zieht es Familien den Boden unter den Füßen weg. Von heute auf morgen ist alles anders. Auch Aki (5) aus Freiburg und seine Familie haben eine schwere Zeit hinter sich. Der Mittelbadischen Presse hat Nora Kroninger erzählt, was sie hinter sich haben und wie ihnen das Elternhaus geholfen hat. 

Am Morgen des 6. Januars hatte es geschneit. Vormittags war Nora Kroninger mit ihren Söhnen Aki (5) und Rubin (7) noch Ski fahren und rodeln gewesen. Nachmittags bekam Aki Fieber. Der Kinderarzt vermutete einen Infekt. Auch ein paar blaue Flecken beunruhigten Mutter und Arzt zunächst nicht, schließlich war Aki ein Energiebündel und stieß sich im Waldkindergarten nicht selten mal an einem Stock oder Stein. Als sich Aki in den folgenden Tagen zunehmend schlapp fühlte, überwies der Kinderarzt, eine Woche nach dem Schneeausflug, in die Notaufnahme der Freiburger Kinderklinik. 

„Es ging plötzlich alles ganz schnell“, erinnert sich Nora Kroninger heute. „Mein Sohn wurde direkt auf die onkologische und hämatologische Station verlegt und bekam dort Bluttransfusionen“. Es folgten viele Untersuchungen und bis zur Diagnose vergingen drei lange Wochen. Dann stand fest: Aki leidet am Myelodysplastischen Syndrom (MDS), einer sehr seltenen schweren Bluterkrankung. „MDS ist keine Leukämie, also kein Krebs“, erklärt Kroninger. „Doch das blutbildende System funktioniert bei dieser Erkrankung einfach nicht mehr, Blutzellen sterben ab und werden vom Knochenmark nicht neugebildet“. Oder wie Aki es damals selbst auf den Punkt gebracht hat: „Die gute Nachricht ist, dass ich keine bösen Zellen in mir habe, die schlechte Nachricht: Ich habe auch keine guten Blutzellen mehr, eigentlich gar keine, also bin ich ein Vampir“.  Bald stand fest: Um zu überleben braucht der Fünfjährige einen Knochenmarkspender. In der Familie fand sich kein passender Spender und so begann der Suchlauf über die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Während des  monatelangen Klinikaufenthaltes bekam Aki vorbereitend auf die Knochenmarktransplantation eine Hochdosis-Chemotherapie. Und schließlich, am 14. Juni, erfolgte dann die Transplantation.

Ganz praktische Hilfe

„Es war ein langer schwerer Weg“, erinnert sich Nora Kroninger heute. Wir kämpften uns von Tag zu Tag, es gab Komplikationen und unsere Geduld wurde aufs härteste auf die Probe gestellt. Am schlimmsten sei die Ungewissheit gewesen, die ständige Angst. Vater und Mutter wechselten sich alle 48 Stunden am Krankenbett ab, einer der beiden war immer bei Aki, der andere bei dessen Bruder zu Hause. „Im Elternhaus haben wir in dieser schweren Zeit viel Unterstützung bekommen, auch ganz praktischer Art“, erzählt Kroninger. Das dortige Sozialteam habe der Familie mit diversen Anträgen geholfen und sie über die verschiedenen Möglichkeiten der Krankschreibung informiert.

- Anzeige -

Nach den ersten kritischen Wochen auf Station durfte Sohn Aki stundenweise die Klinik verlassen. Doch da sein Immunsystem aufgrund der Therapie sehr geschwächt war, waren Spielplätze, Sand, das Spielen mit Gleichaltrigen und sämtliche öffentliche Plätze und Räume zu gefährlich. Der Fünfjährige hatte also denkbar wenig Möglichkeiten, sich abzulenken und so waren die kurzen Ausflüge rüber ins Elternhaus eine willkommene Abwechslung. Dort durfte Aki den Mundschutz abnehmen und die wenigen Stunden ohne Infusionsständer zusammen mit seiner Familie geniessen. „Aki konnte sich dort mit seinem Bruder aufs Bett kuscheln“, erinnert sich Nora Kroninger. „Die zwei haben sich in dieser Zeit so sehr vermisst und die Momente im Elternhaus waren sehr wertvoll“, erzählt Nora Kroninger.

Auch für sie selbst war das Elternhaus wie eine Oase. „Hier hatte ich ein wenig Privatsphäre, konnte duschen oder nach einer unruhigen Nacht auch nochmal eine Stunde schlafen“. Manchmal ließ sie hier ihren Tränen freien Lauf oder holte einfach mal Luft. 

„Nachts schnell rüber“

Während die Kroningers anfangs jede Nacht auf einer Liege neben dem Krankenbett ihres Sohnes verbracht hatten, schliefen sie in den Wochen vor und nach der Transplantation im Elternhaus. Denn Aki war im Isolationszimmer und musste dort alleine schlafen. „Draußen war es heiß, wir hatten Temperaturen um die 38 Grad und im Zimmer drinnen ist man fast erstickt“, erinnert sich Akis Mutter. „Doch das Fenster durfte nicht geöffnet werden“. Und so bunkerte die Familie Eis im Elternhaus. „Nachts kam es oft vor, dass Aki mich gebraucht hat. Wenn der Anruf kam, habe ich mir eine Strickjacke übers Nachthemd gezogen und bin rüber in die Klinik gerannt“, so Nora Kroninger. Auch wenn es Aki gut geht und er heute ein quirliger Drittklässler ist: Für seine Mutter ist nichts mehr selbstverständlich: „So eine Erfahrung macht dankbar und demütig“. Dankbar sei sie vor allem dafür, dass Aki die schwere Krankheit überstanden hat, aber auch für die Hilfsbereitschaft sehr vieler im Bekanntenkreis. „Ohne Hilfe von außen ist eine solche Situation nicht zu schaffen“, sagt sie heute. 

Hintergrund

Neues Elternhaus

Der Förderverein für krebskranke Kinder unterhält in Freiburg ein Elternhaus in unmittelbarer Nähe zur Kinderklinik. Mit dem Neubau der Klinik wird es auch ein neues Elternhaus geben. Zwölf Millionen müssen dafür über Spenden aufgebracht werden. Die diesjährige Benefizaktion »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse sammelt für das neue Elternhaus. 
Spenden Sie!

Weitere Artikel aus der Kategorie: Ortenau

vor 24 Minuten
Ortenau
Die Zahl der Grippefälle in Baden-Württemberg steigt rasant. Mindestens zwei Dutzend Menschen sind schon gestorben. Auch in der Ortenau gibt es einen Anstieg. Und ein Ende der Grippewelle ist nicht in Sicht.
vor 3 Stunden
Nachgefragt
Sturm „Sabine“ sorgte in der Ortenau für Windgeschwindigkeiten von deutlich mehr als 100 Stundenkilometern. Wie packen Windräder in der Region dieses Tempo und hatte das Auswirkungen auf unseren Strom?
vor 3 Stunden
Sanerung noch nicht abgeschlossen
In den vergangenen Jahren kostete die Sanierung der Fahrbahn der A5 die Autofahrer in der Ortenau Zeit und Nerven. Die Mittelbadische Presse hat nachgefragt welche Maßnahmen in diesem Jahr geplant sind. 
vor 5 Stunden
Schwerpunkt liegt auf einem Material
Die Fertighaus-Ausstellung in Offenburg musste der neuen Messehalle weichen. Jetzt planen die Hersteller in der südlichen Ortenau eine neue Ausstellungsfläche. Der  Fokus soll dabei auf einem besonders beliebten Material liegen. 
vor 7 Stunden
Ortenau
Die Linke Liste Ortenau hat sich bei ihrer Hauptversammlung auf ein Programm für dieses Jahr verständigt. Ihren Kampf gegen die Klinikreform Agenda 2030 wollen die linken Aktivisten unverdrossen fortsetzen. 
vor 7 Stunden
Informationen zu Hotels
Der neue Wanderguide für den Ortenauer Weinpfad ist komplett überarbeitet worden. Das Werk ist deutlich umfangreicher und beinhaltet viele neue Wanderrouten. 
vor 20 Stunden
Kehl
Bei der intensivierten Kontroll- und Fahndungsmaßnahmen in Kehl und Straßburg sind in den vergangenen sieben Tagen eine Vielzahl an Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz festgestellt worden.
17.02.2020
Nach Sturm
Noch bis Dienstag verkehren zwischen Hausach und Villingen Ersatzbusse. Die Folgen des Orkans „Sabine“ sind noch immer auf der Schwarzwaldbahnstrecke zu spüren. 
17.02.2020
Kappel-Grafenhausen
In Kappel-Grafenhausen ist am Sonntagabend eine 54-Jährige von einem Unbekannten gewaltsam überfallen worden. Die Frau war gerade am Kofferraum ihres Autos, als der Täter zuschlug. Die Polizei ist auf Zeugen angewiesen.
17.02.2020
Schönheitswettbewerb
Moderne Persönlichkeitsschau statt klassischer Schönheitswettbewerb: Der „Miss Germany“-Wettbewerb hat sich runderneuert. Eine reine Frauen-Jury hat am Samstag Leonie Charlotte von Hase als Siegerin gekürt. Die sagt: Ihren Lebenstraum habe sie sich noch nicht erfüllen können.
17.02.2020
Bei Rastatt
Nach ersten Erkenntnissen dürfte möglicherweise der Sekundenschlaf eines 30 Jahre alten Renault-Fahrers am frühen Montagmorgen auf der A5 bei Rastatt zu einem Verkehrsunfall mit mehreren Verletzten geführt haben.
17.02.2020
Neuer Transporter erhalten
300.000 Kilometer hatte das alte Fahrzeug der Lahrer Tafel auf dem Buckel, nun freuen sich die Mitarbeiter über ein neues Gefährt. Symbolisch wurde der Schlüssel beim Neujahrsempfang überreicht. Im Tafelladen kaufen derzeit rund 700 Menschen ein – darunter viele Eltern für ihre Kinder.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Die Oehler Maschinen Fahrzeugbau GmbH in Offenburg-Windschläg lädt am Wochenende, 21. und 22. März zur Frühjahrsmesse ein.
    17.02.2020
    Neuheiten in Aktion erleben
    Bei der Oehler Maschinen Fahrzeugbau GmbH heißt es am Wochenende, 21. und 22. März: It’s Showtime! Das Team öffnet die Tore zur jährlichen Oehler-Hausmesse am Hauptstandort in Offenburg-Windschläg. Die Frühjahrsausstellung bietet alles rund um die Themen Landwirtschaft, Forst- und Gartentechnik....
  • Paaaaaarty! Kehl Marketing lädt auf den Fasentssamstag zum Gammlerball in die Stadthalle ein.
    14.02.2020
    Feiern, tanzen, Freunde treffen
    In Kehl bleibt es beim närrischen „Gammeln“ am Fasentssamstag – die Terminverschiebung vom Schmutzigen auf den Fasentssamstag vergangenes Jahr hat sich bewährt: Diesmal steigt die Riesenfete am 22. Februar. Saalöffnung ist um 19 Uhr. 
  • 14.02.2020
    Achern
    Kaminöfen spenden nicht nur wohltuende Wärme, sondern verwandeln das Wohnzimmer auch in einen gemütlichen und romantischen Ort. Bei Süd-West-Kachelofenbau in Achern wird der Kunde vom ersten Treffen bis zur Fertigstellung des Traumofens bestens betreut. 
  • Hauskauf ist Vertrauenssache: Mit einem guten Makler kommen nicht nur Familien in die eigenen vier Wände.
    11.02.2020
    Mit dem Makler auf der sicheren Seite
    Standort, Zustand, reelle Bewertung, Verkaufsstrategie, Expose, Verkaufsverhandlung und Notartermin – auch wenn der Markt für gebrauche Immobilien seit Jahren enorm in Bewegung ist, die Preise auch hier klettern, kann es fatal sein, die „Entscheidung des Lebens“ selbst in die Hand nehmen zu wollen...