Spendenaktion "Leser Helfen"

Ines hat im Haus des Lebens ein Heim auf Zeit gefunden

Autor: 
Ursula Groß
Lesezeit 4 Minuten
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20. November 2017
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Die 32-jährige Ines und ihre elf Monate alte Tochter Mia leben seit dem 31. Juli im Haus des Lebens in Offenburg. Den Tag werden die beiden nie vergessen. ©Iris Rothe

Die Spendenaktion »Leser helfen« der Mittelbadischen Presse unterstützt in diesem Jahr das Haus des Lebens. Wer wohnt in der Einrichtung, welche Schicksale verbergen sich in den Biografien der Frauen und Mädchen? Welche Ziele haben sie? Wir haben Ines und ihre Tochter Mia besucht.

Ines (32) und Mia (elf Monate) wohnen seit Juli im Haus des Lebens in der Weinstraße. »Ganz genau seit dem 31. Juli«, ergänzt die junge Frau. Das scheint ihr wichtig, denn ab diesem Datum hat das Leben von Mama und Kind wohl eine entscheidende Wende in Richtung Zukunft genommen. Aber sonst bleibt sie im Gespräch zurückhaltend, sie tut sich schwer, etwas über sich und ihre Familie zu erzählen. Nur: »Ich war für meine Eltern da.« 

Die Mutter war lange Zeit schwer krank, sie ist im Jahr 2015 verstorben, berichtet sie kurz. »2016 kam die Mia«, erzählt sie stockend weiter, aber mit einem Lächeln. Denn nun nimmt die Unterhaltung konkretere Formen an. Aus der schüchternen Frau wird eine beherzte Mutter. 

Nicht in Ordnung

»Das Wohnumfeld daheim war für ein Kind nicht in Ordnung«, kommt es fadengerade heraus.  Keine Heizung, kein warmes Wasser, mehr sagt Ines nicht über ihr Elternhaus. Könnte sie in einem sozialpsychologisch problematischen Umfeld gelebt haben? Ines will oder kann nicht darüber sprechen.

Kleine Odyssee

Sie habe dann Unterstützung vom Jugendamt erhalten, eine kleine Odyssee durch verschiedene Mütterhäuser folgte, bis sie in Rammersweier landete. Wie alle aufgenommenen Frauen und Mädchen hat sie den Bedingungen im Haus des Lebens zugestimmt. Dazu gehört die Teilnahme an qualifizierten Trainingseinheiten zur Stabilisierung der Persönlichkeit und das Herausfinden von eigenen Ressourcen. 

Den weiteren Trainingsteil »Mutter-Kind-Beziehung« hat sie offensichtlich prima geschafft.  In den Augenblicken, in denen sie ihr Kindchen küsst und knuddelt, ihm über das Köpfchen streicht, zeigt sie Offenheit, wirkt sanft und zärtlich. 

Ausbildung, Arbeitsstelle? Sie ist über 30 Jahre alt. »Ich habe eine dreijährige Ausbildung als Gartenbau-Fachwerkerin gemacht.« Seit sie Mutter ist, hat Ines die Zukunft im Blick. Da gibt es den Traum von einer kleinen Familie. »Der Papa von Mia, die Kleine und ich würden schon gerne zusammen sein«, meint sie leise. Eine kleine Wohnung, Arbeit für beide, das wäre schön. Aber dem Papa von Mia ginge es gesundheitlich nicht gut, da sei etwas mit seinem Herzen.  Trotzdem besucht er Ines und Mia fast täglich. Ein Kind habe Anrecht auf Mutter und Vater. 

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Spätere Selbstständigkeit

Das wird im Haus des Lebens mit dem Gedanken an eine spätere Selbständigkeit gefördert. »Väter sollten die Maßnahmen hier unterstützen, was oft nicht der Fall ist. Doch der Papa von Mia signalisiert ganz klar, dass er damit einverstanden ist, dass Ines und Mia im Lebenshaus sind«, erläutert die Fachbereichsleiterin Andrea Bitsch-Doll.

Zeitlich begrenzt

Die Geborgenheit im Lebenshaus ist sehr intensiv, doch zeitlich begrenzt. Umso wichtiger ist sie für die ersten Jahre eines Kindes. Ganz einfache Frage: »Ist das Leben hier für euch beide okay?« Nun strahlt Ines. Aber erst, nachdem sie lange die hübschen Bilder an den Wänden studiert hat. »Hier fühle ich mich aufgehoben und der Kleinen geht es gut.« 

Hilfsbereit und zuverlässig

Sichtliches Vertrauen hat Ines zum Team des Lebenshauses. Und umgekehrt: »Ines ist sehr hilfsbereit, zuverlässig, packt überall mit an«, sagt Bitsch-Doll. »Das mach ich«, nickt Ines. »Und ich helfe beim Adventskranzbinden für’s Haus und die Kapelle.« Das läuft innerhalb eines freiwilligen Hausprojekts. Können wird das die Ines, immerhin ist sie Garten-Fachfrau.

INFO: Was es mit der Spendenaktion auf sich hat und wo Sie spenden können, lesen Sie hier.

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